Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/41990.html    Veröffentlicht: 06.12.2005 14:09    Kurz-URL: https://glm.io/41990

Spieletest: Matrix - The Path Of Neo

Erneute Zusammenarbeit von Atari, Shiny und Warner Bros.

Das erste Spiel zur extrem erfolgreichen Matrix-Trilogie war eine herbe Enttäuschung - "Enter The Matrix" führte zwar wochenlang die PC- und Konsolen-Charts an, spielerisch wirkte der Titel allerdings lieblos und unfertig. Für "Path Of Neo" hatten Publisher Atari und die Entwickler von Shiny nun Besserung versprochen und auch tatsächlich Wort gehalten: Path Of Neo ist tatsächlich besser als Enter The Matrix. Schade nur, dass es trotzdem wieder nicht für ein wirklich gutes Spiel gereicht hat.

Matrix - The Path of Neo (PC, Xbox, PS2)
Matrix - The Path of Neo (PC, Xbox, PS2)
Musste man in Enter The Matrix noch mit Nebencharakteren agieren, spielt man diesmal endlich wirklich in der Rolle von Neo, dem Auserwählten - interessanterweise nicht nur in einem der Filmszenarios, sondern gleich in einem Mix aus allen drei Leinwandstreifen, der zudem noch Elemente der Animatrix-Folgen implementiert und bestimmte Schlüsselszenen aus dem Film auch leicht verändert und verlängert. Wichtig ist allerdings, dass man die Filme und die grundlegende Matrix-Story bereits kennt - ansonsten werden einen die schnell zusammengeschnittenen zahllosen Filmszenen eher verwirren.

Screenshot #1
Screenshot #1
In einem recht ausführlichen, bereits ins Spiel integrierten Tutorial wird man mit der grundlegenden Steuerung vertraut gemacht, die der eines Ego-Shooters gleicht - per Tastatur (WASD) bewegt man sich, die beiden Maustasten sind zum Kämpfen gedacht. Letzteres gestaltet sich durchaus abwechslungsreich: Neo kann nicht nur diverse Schusswaffen bedienen, sondern natürlich auch auf recht spektakuläre Art und Weise seine Kontrahenten vermöbeln; diverse Tritte und Schläge, aber natürlich auch Martial-Arts-Combos, die im Spielverlauf zunehmend komplexer werden, stehen zur Auswahl.

Ein Matrix-Spiel ohne Bullet Time wäre schwer vorstellbar: So darf auch hier wieder dank Zeitlupe und zusätzlich unterstützt durch die Implementierung der Havok-Physikengine der Angreifer zunächst in die Luft geschleudert und dann ganz in Ruhe mit Kugeln perforiert werden - zumindest dabei wird ein wenig die stilistische Eleganz des Kino-Vorbildes eingefangen. Action bildet dann auch den Hauptteil des Spiels, kleinere Schleich- und simple Rätsel-Einlagen sind eher selten.

Screenshot #2
Screenshot #2
Wie schon bei Enter The Matrix gibt es leider auch bei Path Of Neo wieder viele Eigenheiten, die den Spielspaß erheblich drücken. Das beginnt bei der teils sehr hakeligen und trägen Tastatursteuerung, die einen immer wieder zum Fluchen bringt. Auch die teils sehr störrische und eigenwillige Kameraführung und das Zielsystem zehren an den Nerven. Noch schlimmer ist allerdings die grafische Qualität: Path Of Neo präsentiert sich zu keinem Zeitpunkt als ein PC-Spiel aus dem Jahre 2005; sowohl Umgebungen als auch Charaktere und Animationen wirken farbarm und detaillos, somit alles andere als zeitgemäß.

Screenshot #3
Screenshot #3
Immerhin ist die Synchronisation größtenteils gelungen, die Originalmusik sorgt für Stimmung und einige witzige Einfälle - etwa das wirkliche Eintauchen in die Matrix - sorgen für etwas Abwechslung. Trotzdem will sich keine wirkliche Spannung einstellen: Die Idee, die Geschichte der Matrix aus der Sicht von Neo neu zu erzählen, ist sicherlich interessant, im Spielverlauf wirken die Szenen aber oft etwas wahllos aneinander gereiht und somit nicht gerade atmosphärefördernd.

Matrix - The Path Of Neo ist für PC, Xbox und PlayStation 2 im Handel erhältlich. Glaubt man Berichten in der US-Presse, sind die Konsolenversionen deutlich besser geworden als die PC-Umsetzung; da uns allerdings nur Letztere vorlag, können wir dazu leider keine Aussagen treffen. Dieser Test bezieht sich somit explizit nur auf die PC-Version des Spiels.

Fazit:
Das war wieder nichts, Shiny: Die Grundidee ist interessant, einige neue Ideen hält das Spiel ebenfalls bereit, aber die Umsetzung ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wie schon Enter The Matrix wirkt leider auch Path Of Neo an vielen Stellen so, als hätten die Entwickler erneut unter massivem Zeitdruck gestanden; Grafik, Kamera und Steuerung etwa sind alles andere als ausgereift. Besser als Enter The Matrix ist Path Of Neo sicherlich allemal; wirklichen Spaß beim Spielen dürften trotzdem nur absolute Matrix-Fanatiker haben.  (tw)


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Links zum Artikel:
Atari: http://www.atari.de
Shiny Entertainment (.com): http://www.shiny.com/

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