Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/41984.html    Veröffentlicht: 02.12.2005 13:59    Kurz-URL: https://glm.io/41984

Weitere illegale Download-Server vom Netz genommen

Polizei beschlagnahmt Bezahl-Server "Temptation" und "Paradise Island"

Die Polizei hat am 1. Dezember 2005 im fränkischen Coburg fünf Server vom Netz genommen, auf denen insgesamt mehr als 6 Terabyte Filme und Computerspiele illegal zur Verfügung standen. Von den Servern mit Namen wie "Temptation" oder "Paradise Island" - die jeweils 2,2 Terabyte Daten bereitstellten - sollen über 1.000 Personen gegen Bezahlung unerlaubt kopierte Inhalte heruntergeladen haben.

Nach monatelangen Recherchen wurden insgesamt fünf Server - vier davon FTP-Bezahl-Server - von Spezialisten der Kripo Coburg und des Landeskriminalamtes Bayern sichergestellt. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei hatten mit Unterstützung der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) die Firmenräume eines IT-Unternehmens in Coburg durchsucht. Beteiligt an den Ermittlungen waren auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Kriminalpolizei Meschede.

Derzeit sollen Nachfolgedurchsuchungen bei den durch die Server-Beschlagnahmungen bekannt gewordenen Betreibern in Berlin, Bremen, Deggendorf und der Schweiz durchgeführt werden. Ebenfalls durchsucht wurden die Privaträume eines laut GVU geständigen 26-jährigen Mannes in Brilon. Sichergestellt wurde ein PC, der mit dem Rechenzentrum in Coburg in Verbindung stand und dort einen Torrent-Tracker steuerte. Dieser Server wurde ein Jahr betrieben - in diesem Zeitraum sollen 130 Terabyte an Daten hochgeladen worden sein. Der 26-Jährige habe angegeben, über 1.200 zahlende Nutzer versorgt zu haben.

Zugang zu den sichergestellten Servern sollen nur diejenigen erhalten haben, die sich in der Szene einen gewissen Ruf erarbeitet hatten und Referenzen oder Empfehlungen eines Dritten, ebenfalls Szeneangehörigen, vorweisen konnten, so die GVU. Die Server selbst seien durch umfangreiche Schutzmaßnahmen geschützt gewesen, so wurden z.B. regelmäßig die IP-Adressen der Server gewechselt und deren Zugangsdaten geändert.

Den Ermittlungen zufolge mussten die Nutzer der Server zwischen 30,- und 140,- Euro im Monat bezahlen, um auf die Filme und Spiele zugreifen zu können. Wie viel Daten und Geld flossen, wird erst nach abschließender Analyse bekannt sein. Die sichergestellten Server werden gerade untersucht, erst danach soll eine Schätzung des Schadens vorgenommen werden. Die Server-Inhaber und ihre Kunden müssen mit Verfahren wegen Verstößen gegen das Urheberrechtsgesetz rechnen. GVU-Geschäftsführer Jochen Tielke dazu: "Wir lassen nicht locker. Sowohl die Analyse der sichergestellten Server wie auch andere laufende Ermittlungen werden in Zukunft zu weiteren Durchsuchungen führen."

"Mit den Servern ist eine der großen entgeltlichen Veröffentlichungsplattformen und somit eine wichtige Quelle für Raubkopien versiegt", so die GVU. Die GVU zählt die vom Netz genommene Adresse als Top-Server und schätzt, dass europaweit noch ca. 50 weitere Server existieren, auf denen "sehr schnell nach oder sogar noch vor der legalen Markteinführung eine große Anzahl von Spielen, Filmen und Musiktiteln in guter Qualität von 'Szenemitgliedern' bereitgestellt" würden.

Die deutsche Szene, die für die illegale Erstveröffentlichung von Entertainment-Produkten verantwortlich sei, schätzt die im Auftrag der Filmbranche und der Entertainmentsoftware-Industrie arbeitende GVU auf rund 300 Personen. Der aktuellen Fahndungsbilanz gingen Erfolge gegen zwei größere gewerblich betriebene illegale Download-Angebote voraus, Anfang 2005 war es Bockwurst Files und davor im Sommer 2004 ftp-welt.com.  (ck)


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Links zum Artikel:
Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU): http://www.gvu.de

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