Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0512/41967.html    Veröffentlicht: 02.12.2005 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/41967

Condemned, Kameo & Co: Die ersten Xbox-360-Spiele im Test

Wenige technische Highlights zu Beginn

Seit dem 2. Dezember 2005 steht die Xbox 360 nun auch offiziell in deutschen Geschäften, und mit ihr wartet bereits ein LineUp von etwa 15 Spielen auf den Käufer. Darunter finden sich bereits eine Hand voll wirklicher Highlights - längst nicht jedes der Programme lässt den Kunden allerdings auch wirklich spüren, dass er es hier mit Titeln für eine neue Konsole zu tun hat; vor allem, wer kein HDTV-Gerät besitzt, muss bei vielen Portierungen die Unterschiede zur alten Xbox oft mit der Lupe suchen, und neue und innovative Spielideen finden sich leider ebenfalls kaum.

Xbox 360
Xbox 360
Die Zahl der zum Verkaufsstart verfügbaren Spiele mag zunächst beeindruckend klingen, auf den zweiten Blick fällt allerdings leider auf, dass es zunächst nur sehr wenige Exklusiv-Titel gibt - Publisher wie Activision und Electronic Arts haben sich eher darauf konzentriert, bestehende Software zu portieren als wirklich etwas Neues für die Xbox-360-Hardware zu entwickeln. Hinzu kommt, dass diese Portierungen sich dann meist auch nur unwesentlich von den Versionen unterscheiden, die bereits für die Xbox erhältlich sind; wer auf einem nicht HDTV-tauglichen Fernseher spielt, wird den versprochenen technischen Quantensprung oftmals nicht nachvollziehen können. Besser sieht es dafür bei den Eigenentwicklungen aus: Kameo, Project Gotham Racing 3 oder Condemned verdeutlichen schon sehr gut, in welche Richtung es auch in den nächsten Monaten auf der neuen Konsole gehen könnte.

Im ersten Teil unseres 360-Spieletests haben wir uns zunächst auf die Veröffentlichungen von Microsoft, Activision, Ubisoft und Sega beschränkt; andere Titel wie etwa die Sportspiele von Electronic Arts bzw. Need For Speed Most Wanted folgen in der nächsten Woche. Die getesteten Spiele im Einzelnen:

Einen ausführlichen Test von Microsofts neuer Konsole gab es auf Golem.de bereits zum US-Start am 22. November 2005.

Tony Hawk's American Wasteland (Activision)

Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
In Tony Hawk's American Wasteland, dem jüngsten Spross der erfolgreichen Skateboard-Serie, schlüpft der Spieler in die Rolle eines kleinen Nobodys aus der amerikanischen Provinz, der sich eines Tages entschließt, nach Los Angeles zu ziehen und dort sein Glück zu finden. Der Start misslingt allerdings: Bereits bei der Ankunft in der Metropole wird man überfallen und um sämtliches Hab und Gut erleichtert - ein Glück, dass man schnell Anschluss an die lokale Skate-Szene findet und so von Grund auf eine neue Karriere beginnen kann.

Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
In den sehr weitläufigen Arealen von LA nimmt man fortan die unterschiedlichsten Aufgaben an, lernt neue Skate-Tricks, baut mit seinen Freunden einen Skate-Park auf und darf von Zeit zu Zeit sogar mal auf ein BMX-Rad steigen. Wer die spielerische Weitläufigkeit des Szenarios nicht so sehr schätzt, kann im Klassik-Modus wie zu frühen Tony-Hawk-Zeiten in typischen Skatehallen altbekannte Aufgaben wie das Erzielen möglichst vieler Punkte unter Zeitdruck oder das Einsammeln versteckter Buchstaben und Videotapes erledigen.

Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
Tony Hawk's American Wasteland (Xbox 360)
Für lang anhaltenden Spielspaß ist auch sonst gesorgt: Zahlreiche Möglichkeiten der Personalisierung erlauben es nicht nur, den eigenen Charakter mit beständig neuen Klamotten, Tattoos oder Frisuren zu versehen; auch das Erstellen eigener Levels ist möglich.

Tony Hawk's American Wasteland ist inhaltlich somit vollkommen identisch zu der vor einigen Wochen erschienenen Umsetzung für die PlayStation 2 und die Xbox. Optisch gibt es allerdings Unterschiede - wenn auch keine gravierenden: Die Texturen sind höher aufgelöst, die Szenerie wartet mit mehr Details auf und vor allem die Animationen der Skater wirken etwas flüssiger und geschmeidiger. Von einem Ausreizen der technischen Möglichkeiten der neuen Konsole kann zwar keine Rede sein, wer gleich zu Beginn ein gutes Skateboard-Spiel will, wird hier aber trotzdem bestens bedient.

Gun (Activision)

Gun (Xbox 360)
Gun (Xbox 360)
Gun erzählt die Geschichte von Colton White, der im Montana des ausgehenden 19. Jahrhunderts einer Verschwörung auf die Spur kommen, den Tod seines (vermeintlichen) Vaters rächen und gleichzeitig noch im Wilden Westen für Recht und Ordnung sorgen soll. Das Spiel bietet dabei einen Mix aus linearer Hauptgeschichte und zahlreichen kürzeren (und nicht zwingend zu absolvierenden) Nebenmissionen, in denen der Spieler relativ frei und ungebunden agieren kann. Und während in der eigentlichen Story vor allem der böse Obermotz und seine Kriminellenbande gejagt wird, gilt es in den anderen Aufgaben, Indianer zu schützen, dem Sheriff gegen Banditen zu helfen oder sich auf die Jagd nach steckbrieflich gesuchten Gangstern zu machen. Auch das Schürfen von Gold zum Aufbessern der Kasse ist möglich.

Gun (Xbox 360)
Gun (Xbox 360)
In den häufigen Gefechten steht dem Spieler einiges an Waffen zur Verfügung, was zur damaligen Zeit eben so in Kämpfen verwendet wurde - kleiner Colt oder große Schrotflinte, Dynamit, Tomahawk oder Pfeil und Bogen, fast alles, was man so aus den gängigen Western-Filmen kennt, ist mit dabei. Erfolgreiche Missionen werten übrigens die Fähigkeiten von White auf, so dass mit der Zeit der Umgang mit den Schießprügeln immer besser funktioniert; dank Ziel-Automatik ist der Schwierigkeitsgrad aber ohnehin eher niedrig angesetzt.

Gun (Xbox 360)
Gun (Xbox 360)
Unterhaltsam sind die Feuergefechte nichtsdestotrotz, da sie einerseits meist sehr schick in Szene gesetzt sind, aber auch einige Abwechslung bereithalten; so werden die Aufträge nicht nur zu Fuß erledigt, sondern es ist auch möglich, auf einem Pferd zu reiten und gleichzeitig zu kämpfen oder gar dem Kontrahenten das Pferd unterm Hintern wegzuschießen; auch ein kräftiger Tritt seitens des eigenen Reittieres kann im Gefecht recht hilfreich sein.

Leider ist es fast unmöglich, bei Gun Unterschiede zwischen der Xbox-360- und der normalen Xbox-Version auszumachen; dass das Spiel vollkommen inhaltsgleich ist, lässt sich trotz eher kurzer Spieldauer verschmerzen, leider wurde aber auch technisch kaum etwas geändert. Auf den ersten Blick wirken beide Versionen grafisch identisch, erst bei näherem Hinsehen (und dann auch eigentlich nur auf HDTV-Geräten) lassen sich ein leicht erhöhter Detailgrad und ein paar Objekte mehr ausmachen. Insgesamt also eine Umsetzung, die leider eher lieblos wirkt.

King Kong (Ubisoft)

King Kong (Xbox 360)
King Kong (Xbox 360)
Mit King Kong tritt Ubisoft auf eindrucksvolle Art und Weise den Beweis an, dass es sehr wohl möglich ist, gute Filmumsetzungen auf die Konsole zu bringen. King-Kong-Regisseur Peter Jackson hatte in diesem Fall allerdings auch selbst seine Finger im Spiel und beriet sich mit Spielentwickler Michel Ancel und dem zuständigen Entwicklungsstudio Montpellier während der Entwicklung - was sich beim fertigen Spiel spürbar ausgezahlt hat.

King Kong (Xbox 360)
King Kong (Xbox 360)
In der Rolle des Schauspielers Jack gilt es zunächst, sich durch das unwirtliche Szenario von Skull Island zu schlagen, wobei einige Herausforderungen warten. Die oft nur schwer durchdringbare und zerklüftete Landschaft ist dabei noch das kleinere Problem, komplizierter wird es schon eher dank des zahlreichen angriffslustigen Getiers - von Spinnen über Riesen-Tausendfüßler bis hin zu Dinosauriern gibt es so einige aggressive Überraschungen zu entdecken.

King Kong (Xbox 360)
King Kong (Xbox 360)
Da Ubisoft auf sämtliche Informationsanzeigen am Bildschirmrand verzichtet hat und man in der Rolle von Jack das Spiel aus der Ego-Perspektive betrachtet, gewinnt das Szenario nochmals zusätzlich an Atmosphäre. Trotz einiger spielerischer Möglichkeiten - diverse Schusswaffen können benutzt werden, mit brennenden Speeren lässt sich Gestrüpp niederbrennen, einige Schalterrätsel müssen gelöst werden - beschränkt sich die Bedienung dabei im Grunde auf zwei Tasten; auch Einsteiger finden sich somit sehr schnell zurecht. Die größte Überraschung wartet allerdings im späteren Spielverlauf, wenn man die Rolle von Jack verlässt und fortan als King Kong durch die Gegend stapft - dann natürlich ausgestattet mit den Kräften, über die ein derartiges Ungetüm eben verfügt und filmreif inszeniert in der Third-Person-Perspektive.

Schon auf der alten Xbox wusste die Präsentation von King Kong dank sehr atmosphärischer Szenerien und toller Sprachausgabe zu gefallen, auf der Xbox 360 sieht das Spiel nun allerdings spürbar besser aus: Sämtliche Charaktere bekamen flüssigere Animationen spendiert und vor allem das Insel-Szenario wartet mit deutlich mehr Details auf. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Zusätzliche Inhalte hat man der Xbox-360-Version nicht spendiert, so dass auch hier nach maximal zehn Stunden schon wieder Schluss ist.

Project Gotham Racing 3 (Bizarre Creations/Microsoft)

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Schon auf der alten Xbox gehörten die Titel der Project-Gotham-Reihe zum Besten, was Auto-Fanatikern passieren konnte, und auch auf der Xbox 360 hat sich daran nicht viel geändert: Project Gotham Racing 3 ist jedenfalls vom Start weg das derzeit bestaussehende Konsolenrennspiel überhaupt. Am grundsätzlichen Gameplay wurde im Vergleich zu den Vorgängern kaum geschraubt; da die PGR-Reihe sich allerdings schon immer recht abwechslungsreich präsentierte und neben normalen Platzierungsrennen auch andere Aufgaben wie etwa Slalomfahrten, Überholmanöver, Rundenzeitenvorgaben oder Radarfallenrekorde bietet, stört das nicht wirklich.

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
In über 80 unterschiedlichen Fahrzeugen darf durch mehrere Metropolen gebrettert werden, wobei von Beginn an bereits Traumautos zur Auswahl stehen - bereits die ersten Runden dreht man also nicht in einem japanischen Kleinwagen, sondern steigt stattdessen sofort in seinen Jaguar oder Lotus. Die zahlreichen Rennherausforderungen können in mehreren Schwierigkeitsstufen gespielt werden, was sich jeweils auf die Punktzahl auswirkt; und natürlich kommt es wieder einmal nicht nur auf die Rennzeiten an, sondern auch auf die eingesammelten Kudos. Letztere verdient man sich durch besonders gelungene Fahraktionen - etwa lange Drifts, Fahren im Windschatten, Sprünge und dergleichen mehr. Somit ist der Karrieremodus wieder einmal das Herzstück des Spiels, aber auch für kurze Rennen zwischendurch oder ausufernde Online-Duelle sind die Voraussetzungen geschaffen.

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Wie schon bei den Vorgängern gibt es leider auch diesmal kein wirkliches Schadensmodell - auch wer mit Höchstgeschwindigkeit gegen die Bande rast, trägt nur ein paar Kratzer davon. Überhaupt ist PGR3 eher arcade-lastig, die Unterschiede zwischen den einzelnen Wagen sind aber immer spürbar und der neue Xbox-Controller ermöglicht ein butterweiches und immens angenehmes Navigieren der Traumwagen.

Am beeindruckendsten an PGR3 ist allerdings die Grafik, was einem bereits in der normalen Rennansicht auffällt, allerdings noch deutlicher wird, wenn man in die Außenansicht umschaltet oder die Rennen aus der Ego-Perspektive fährt. Auch wenn Letzteres das Gewinnen nicht unbedingt einfacher macht, sollte man es sich auf jeden Fall anschauen, um das beeindruckende Geschwindigkeitsgefühl zu erleben und den immensen Detailgrad der Fahrzeuge zu bewundern. Hinzu kommen zahlreiche Effekte wie Licht- und Umgebungsspiegelungen, glänzender Lack und einiges mehr - man merkt, dass die Entwickler die Hardware der Xbox 360 bereits gut im Griff hatten. Kurzum: PGR3 ist eine eindeutige Pflichtanschaffung für Rennspiel-Fans.

Condemned (Sega)

Condemned (Xbox 360)
Condemned (Xbox 360)
Condemned von Sega, das zunächst exklusiv für die Xbox 360 erscheint, konnte bereits vor seiner Veröffentlichung für viel Wirbel sorgen, da Microsoft sich entschloss, das Spiel nach fehlender USK-Kennzeichnung nicht offiziell für den deutschen Markt freizugeben. Insofern muss man einerseits über 18 Jahre alt sein, andererseits aber auch spezielle Fachgeschäfte aufsuchen, um den Titel zu erwerben; Condemned ist allerdings so gut geworden, dass man diese Mühen auf sich nehmen sollte.

Im Spiel übernimmt der Spieler die Rolle eines FBI-Agenten, der eines Nachts zu dem Schauplatz eines brutalen Mordes gerufen wird. Ein Killer mit Spitznamen "The Match Maker" bringt junge Frauen auf bestialische Art und Weise um und drapiert Körperteile von ihnen danach an Schaufensterpuppen. Bei der Untersuchung des Tatortes stellt sich allerdings schnell heraus, dass der Mörder selbst noch ganz in der Nähe ist - und ein paar Gefechte und zwei tote Polizisten später ist es plötzlich der Spieler selbst, der gejagt wird.

Condemned (Xbox 360)
Condemned (Xbox 360)
Condemned erinnert von seiner Atmosphäre und der Story her ein wenig an Kino-Hits wie Sieben oder Saw; die Story hält viele Überraschungen und Schockmomente bereit, ist grandios inszeniert und auf Grund der sehr dunklen Schauplätze wie etwa Hinterhöfen und verlassenen Fabriketagen ein absolutes Atmosphäre-Highlight; ein häufiges Zusammenzucken vor der Konsole ist garantiert.

Condemned ist allerdings auch sehr brutal: Im Vergleich zu anderen ähnlichen Action-Titeln hält man hier nur eher selten eine Schusswaffe in der Hand, stattdessen ist meist der Nahkampf angesagt - und dazu taugt alles, was man so in der Umgebung findet. Bretter voller Nägel, Heizungsrohre, ein Spaten oder eine Feuerwehraxt sind nur ein paar Beispiele davon, was man den unheimlichen Gestalten am Rande der Gesellschaft, die oft gleich zu mehreren auf den Spieler einstürmen, über den Kopf ziehen kann - viel Blutvergießen und brutale Finishing Moves wie Genickbruck oder Kopfstoß inklusive.

Condemned (Xbox 360)
Condemned (Xbox 360)
Zwischendurch löst man kleinere Rätsel und kommuniziert mit einer Verbündeten beim FBI, um Licht in die mysteriöse Angelegenheit zu bringen. Dazu müssen forensische Untersuchungen an diversen Orten durchgeführt werden; allerdings geschieht das Zücken von UV-Licht oder Digitalkamera ganz einfach per Knopfdruck, besonders viel detektivisches Gespür muss hier nicht an den Tag gelegt werden. Generell kann man Condemned - wenn man denn etwas kritisieren will - das sehr lineare Gameplay sowie einige (optische und spielerische) Wiederholungen vor allem im späteren Story-Verlauf ankreiden. Davon abgesehen ist der Sega-Titel aber ein beeindruckend intensives Spannungs-Highlight für Spieler mit starken Nerven, die weder vor viel Nahkampf-Action noch vor extremen Schockmomenten zurückschrecken.

Auch optisch ist der Großteil der Szenarien eine Augenweide, trotz meist sehr dunklem Screen warten unzählige Details und viele Licht- und Schatteneffekte auf den Spieler. Die Sound- und Sprachausgabe (komplett in Englisch, deutsch sind nur die Untertitel), überzeugen ebenfalls durchgängig. Wer hätte vor ein paar Jahren noch gedacht, dass ausgerechnet der ehemalige Konsolenhersteller Sega zum Launch eines neuen Spielgerätes von Microsoft einen der mit Abstand besten Titel bereithalten würde? Übrigens: 2006 soll voraussichtlich die PC-Version erscheinen - und die dürfte dann auch ganz regulär in Deutschland vertrieben werden.

Perfect Dark Zero (Rare/Microsoft)

Perfect Dark Zero
Perfect Dark Zero
Viele dürfte es überraschen, dass Perfect Dark Zero überhaupt noch erscheint - schließlich ist die Fortsetzung des N64-Hits Perfect Dark bereits seit Jahren in der Entwicklung, wurde aber immer wieder verschoben und war zuletzt eigentlich auch als Titel für die alte Xbox geplant. Trotz aller Probleme bei der Programmierung ist es den Entwicklern von Rare allerdings gelungen, einen technisch beeindruckenden Titel abzuliefern: Perfect Dark Zero gehört mit zu den derzeit bestaussehenden Xbox-360-Spielen, wartet mit weitläufigen und sehr detaillierten Arealen auf und hat einiges an Effekten zu bieten; einzig mit den glänzenden Oberflächen hat man es stellenweise ein wenig übertrieben.

Perfect Dark Zero
Perfect Dark Zero
Perfect Dark Zero ist zeitlich vor Perfect Dark angesiedelt, allerdings muss man den Nintendo-Klassiker nicht kennen, um hier Spaß zu haben - die Story ist nämlich leider so verworren, dass auch viel Hintergrundwissen nicht weiterhilft, um alles zu verstehen. Prinzipiell geht es natürlich wieder um Kopfgeldjägerin Joanna Dark und ihren Kampf gegen eine mächtige Wirtschaftsorganisation; da von Kapitel zu Kapitel allerdings neue Charaktere eingeführt werden und man irgendwann den Überblick verliert, kann von wirklicher inhaltlicher Spannung leider nicht die Rede sein.

Perfect Dark Zero
Perfect Dark Zero
Immerhin überzeugt das Gameplay: Zahleiche unterschiedliche Waffen mit mehreren Feuermodi, einige Schleichaufgaben, nette Spionage-Gadgets, eine Hand voll taktischer Optionen und eine zunächst gewöhnungsbedürftige, insgesamt aber gelungene Steuerung sorgen für beständig unterhaltsame Aufträge und Gefechte, und auch wenn die KI der Gegner - ebenso wie die der Teamkollegen, die einem oft zur Seite stehen - eher aus den Zeiten des N64-Vorgängers zu stammen scheinen, kann man in den unkomplizierten Kämpfen auf Grund ihrer gelungenen Inszenierung viel Spaß haben. Das eigentliche Highlight von Perfect Dark Zero ist allerdings weniger die Einzelspieler-Kampagne als vielmehr der Multiplayer-Modus, der wirklich einiges zu bieten hat: angefangen bei spaßigen Deathmatch-Gefechten über Counterstrike-artige Kampagnen bis hin zu einem Kooperativ-Modus (per Splitscreen oder online).

Perfect Dark Zero ist in seiner Gesamtheit sicherlich nicht der angekündigte Superhit, aber Rare liefert hier zumindest einen unkomplizierten und sehr gut aussehenden Shooter ab, der vor allem Multiplayer-technisch viel zu bieten hat - wer also nach dem Kauf der Pflichtanschaffungen Kameo, Project Gotham Racing 3 und Condemned noch Geld übrig hat und Shooter mag, darf zugreifen.

Kameo: Elements of Power (Rare/Microsoft)

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Rare sei dank: Mit "Kameo: Elements of Power" veröffentlicht Microsoft nicht bloß ein abwechslungsreiches Fantasy-Action-Adventure, sondern zugleich einen der stärksten Titel zum Launch der Xbox 360. Abgesehen von den Sport- und Rennspielen ist es allerdings auch momentan der einzige Vollpreistitel, der auch ein jüngeres Publikum anspricht.

Die Tatsache, dass aus Schwestern nicht unbedingt die allergrößten Freunde, sondern gar Feinde werden können, bildet den Ausgangspunkt für die Geschichte: Einst bekam das Mädchen Kameo von seiner königlichen Mutter die Fähigkeiten verliehen, sich in Elementarkrieger zu verwandeln, was Kameos ältere Schwester Kalus mit Argwohn betrachtete. Ja, es ging sogar so weit, dass Kalus' Neid in Arglist und Rache ausartete. Als Konsequenz aus dem Machtstreben erweckte sie den alten Konflikt zwischen Elfen und Trollen wieder zum Leben. Inmitten dieser Auseinandersetzung wird Kameos Familie von den Schergen des Trollkönigs Thorn entführt. Um sie zu befreien, macht sich die Heldin auf den Weg zu dessen Burg...

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Es beginnt hektisch, denn der Ort, der die Festung umgibt, gleicht dem Reich Mordor aus Tolkiens "Der Herr der Ringe"-Trilogie - überall kracht und brennt es in der finsteren Welt des Trollanführers. Natürlich sind dessen Krieger auch nicht weit, sie stellen sich Kameo gleich in den Weg. Ohne Tutorial stürzt sich der Spieler ins Gefecht, lernt dadurch ganz fix die Vorteile der Figur kennen: Kameo kann sich per Tastendruck in drei unterschiedliche Wesen verwandeln. Da gibt es eine boxende Pflanze namens Kampfkraut, die sich unter anderem ganz klein machen und so unter Türen hindurchhuschen kann. Zum anderen lässt sich die Gestalt von Chilla annehmen, einem kampfwütigen Yeti mit Stacheln auf dem Rücken. Und zu guter Letzt steht General Schaden zur Wahl, der zwar aussieht wie ein niedlicher Nasenbär mit Panzer, jedoch wie eine Kugel auf Speed Abgründe überwinden und Gegner in Lavaströme befördern kann.

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Diese Vielfalt wirkt sich positiv auf das Gameplay aus, kommt man doch nur voran, wenn man die diversen Fähigkeiten gezielt einsetzt - umso dümmer, dass Kameo sie bald in einem Hinterhalt verliert. Ohne die Elementarkrieger ist ein Sieg unmöglich. Daher gilt, sich auf den Weg zu machen und die Raufbolde (sie sind jetzt Elementarkobolde) in das Omnikon, ein sprechendes Buch, zurückzubringen. In diesem "Inventar" können die Krieger verwaltet werden, denn zu den ersten drei Morphgestalten kommen im Spielverlauf noch weitere hinzu. Zudem sammelt Kameo während ihres Abenteuers Elementarfrüchte, mit denen sich die Fertigkeiten der Haudegen den Situationen entsprechend aufwerten lassen.

Kameo zeigt eindrucksvoll, welche Rechenleistung in der neuen Konsole steckt, obgleich es kleine Ruckler in manchen Zwischensequenzen gibt - etwas, das man auf der Xbox 360 eigentlich nicht erwarten sollte. Fast überall gibt es animierte Hintergründe und detaillierte Umgebungen zu bestaunen, etwa fliegende Drachen am Horizont oder ein Meer aus schwebenden Blütenpollen in einem Garten. Die Steuerung ist perfekt, die Befehle gehen einem schnell von den Fingern. Vor allem aber überzeugt das Gameplay von der ersten bis zur letzten Minute. [Von Thorsten Wiesner und Frank Magdans (Kameo)]  (tw)


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