Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41887.html    Veröffentlicht: 30.11.2005 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/41887

Spieletest: Need For Speed Most Wanted - Tuning & Polizei

Endlich wieder Verfolgungsjagden

Die Need-For-Speed-Reihe ist seit Jahren einer der größten Umsatzbringer für Electronic Arts. Im Gegensatz zu den jährlichen Sportspiel-Updates kann man dem Publisher hier allerdings nicht den Vorwurf machen, immer wieder dasselbe und nur minimal veränderte Spiel zu veröffentlichen. Need For Speed Most Wanted etwa beinhaltet nicht nur die besten Elemente der aufs Tuning ausgerichteten Need-For-Speed-Underground-Spiele, sondern kombiniert sie zusätzlich mit Polizei-Verfolgungsjagden, wie sie viele noch aus den Hot-Pursuit-Spielen kennen dürften.

Need For Speed Most Wanted (PC, Xbox, PS2)
Need For Speed Most Wanted (PC, Xbox, PS2)
Auch Need For Speed Most Wanted wartet wieder mit einer zwar klischeegeladenen, in vielen sehr ansehnlichen Zwischensequenzen aber toll präsentierten Story über Untergrund-Rennfahrer, ihre getunten Autos und ihre leichtbekleideten Freundinnen auf - so weit, so bekannt. Neu ist allerdings die Erzählweise des Prologs, in dem man bereits selbst antritt: Der Spieler beginnt zunächst in einem hochgerüsteten BMW M3 GTR, fährt eine Hand voll Rennen, wird dann aber im entscheidenden Duell gegen den Erzrivalen Opfer von Manipulation - und schon ist man den Münchener Boliden auch wieder los und muss ganz unten im Karrieremodus anfangen. Dort, wo die letzten Need-For-Speed-Teile also losgingen, hat man hier schon gut 30 Minuten Spielspaß hinter sich.

Need for Speed Most Wanted (PC)
Need for Speed Most Wanted (PC)
Danach beginnt dann allerdings die mehr oder weniger typische Aufbauarbeit: Das Budget ist beschränkt, so dass man sich zunächst nur sehr einfache Wagen wie einen Lexus oder einen Fiat leisten kann - ein doch spürbarer Unterschied zum BMW, in dem man noch kurz zuvor saß. In mehreren unterschiedlichen Renn-Modi müssen dann Siege errungen werden, um sich nach und nach einen Namen in der Szene zu machen und so auch die 15 Fahrer der Blacklist - eine Art Rangliste der Street-Racer - herausfordern zu können.

Den Entwicklern ist es gelungen, beständige Spannungshöhepunkte in das Spiel einzubauen, denn immer nach einer gewissen Spielzeit wartet eben eines der Blacklist-Duelle - und die sind, ganz im Gegensatz zu dem zu Beginn eher niedrigen Schwierigkeitsgrad der normalen Rennen, auch wirklich eine beständige Herausforderung.

Need for Speed Most Wanted (PC)
Need for Speed Most Wanted (PC)
Um gegen Blacklist-Raser antreten zu können, müssen allerdings nicht nur einige Rennerfolge auf dem Punktekonto stehen; auch das "Kopfgeld" sollte jeweils eine bestimmte Höhe erreicht haben. Um seinen Kopfgeld-Wert zu erhöhen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Wer es direkt mag, rempelt einfach einen Polizeiwagen an; aber auch durch sehr rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr werden die Cops schnell auf einen aufmerksam. Dann kommt es zu sehr spannenden Verfolgungsjagden, in denen man beispielsweise eine bestimmte Zeit vor den Streifenwagen entkommen muss, um Punkte zu kassieren.

Von wilden Rasereien bis hin zum Verstecken in Nebenstraßen wird einiges an Optionen geboten, und während sich die Polizisten zu Beginn noch eher passiv verhalten, werden sie im Spielverlauf immer aggressiver, so dass es ihnen dann auch immer besser gelingt, den Spieler einzukesseln; ist das eigene Fahrzeug erstmal längere Zeit zum Stillstand gezwungen, hat man dann auch erstmal verloren. Hilfreich ist da der Game Breaker, mit dem sich kurzfristig in eine Art Zeitlupenmodus umschalten lässt - um so etwa gekonnt den Verfolgern zu entwischen.

Need for Speed Most Wanted (PC)
Need for Speed Most Wanted (PC)
Die einzelnen Renn-Herausforderungen lassen sich übrigens über verschiedene Wege erreichen: Entweder wird der Freifahrtmodus in den sehr weitläufigen Straßen der fiktiven Stadt Rockport City genutzt, wobei eine Mini-Map am Bildschirmrand durch kleine Objekte immer signalisiert, an welchen Stellen neue Herausforderungen warten. Oder aber man wählt die einzelnen Kopfgeld- und Rennaufgaben einfach über das Menü an - der deutlich einfachere Weg.

Die Rennen sind in unterschiedliche Modi aufgeteilt, die allesamt bereits aus früheren NfS-Titeln bekannt sein dürften; neben den typischen Platzierungskämpfen gilt es auch, nach KO-System in jeder Runde den jeweils Letzten ausscheiden zu lassen, an Radarfallen bestimmte Geschwindigkeiten zu erreichen oder auch in Drag-Races anzutreten. Das so gewonnene Geld lässt sich dann in technische Verbesserungen investieren, natürlich darf auf Wunsch aber auch die Optik mit Vinyl-Stickern und Ähnlichem aufgebohrt werden.

Hat man richtig viel Geld beisammen, wird die Garage vergrößert, wobei mehr als 30 Fahrzeuge nach und nach zur Auswahl stehen - dabei so nette Modelle wie der McLaren SLR, die Corvette oder der Porsche Carrera GT. Übrigens bringen die zahlreichen Performance- und Optik-Tunings oder neue Fahrzeuge nicht nur Vorteile bei der Rennleistung, sondern auch bei Verfolgungsjagden mit der Polizei - sobald man in einem neuen oder anders aussehenden Fahrzeug sitzt, erkennen die Cops nicht mehr sofort, mit wem sie es zu tun haben und lassen einen zunächst in Ruhe.

Need for Speed Most Wanted (PC)
Need for Speed Most Wanted (PC)
Während sich zwischen den Rennen frei in der Stadt herumfahren lässt, um neue Events oder die Garage und Shops aufzusuchen, ist die Strecke bei den Rennen selbst größtenteils fest vorgegeben; zwar gibt es immer mal wieder die Möglichkeit, ein paar Abkürzungen wahrzunehmen, ähnlich freie Rasereien wie in Midnight Club 3 gibt es hier aber nicht. Im Vergleich zu den Underground-Spielen wird jetzt übrigens wieder tagsüber gefahren - was vielleicht einer der Gründe dafür ist, dass einen die Grafik zunächst nicht so begeistert wie bei den letzten Titeln der Reihe.

Die Strecken sind zwar recht detailliert, Effekte wie das Verwischen bei hohen Geschwindigkeiten gibt es ebenfalls, die Fahrzeugmodelle hätten aber durchaus noch ein paar Details mehr vertragen können und einige Gebäude wirken ebenfalls arg verwaschen. Nicht falsch verstehen: Most Wanted sieht wirklich gut aus - nur sind die Unterschiede zum Vorgänger nicht so groß, wie man eventuell zunächst erwartet hatte. Wieder einmal gibt es übrigens kein wirkliches Schadensmodell, sondern nur ein paar Kratzer oder gesplitterte Scheiben; aber das ist man in dieser Reihe ja bereits gewohnt.

Need for Speed Most Wanted (PC)
Need for Speed Most Wanted (PC)
Die Steuerung ist sowohl auf PC als auch auf Konsolen sehr direkt und Arcade-lastig, gerade im späteren Spielverlauf allerdings auch etwas realistischer als zuletzt in den Underground-Teilen - vor allem die PS-stärkeren Fahrzeuge verhalten sich auch mal bockig und neigen zum Übersteuern. Für lang anhaltenden Spielspaß ist übrigens gesorgt: Bis sämtliche Rennerfolge erlangt und alle Blacklist-Fahrer herausgefordert werden konnten, vergeht einige Zeit, daneben warten aber auch noch der Quickrace-Modus sowie zahlreiche einzelne Herausforderungen auf den Spieler sowie ein LAN-/Online-Modus, wo ebenfalls im Sprint, Rundkurs oder Drag-Rennen angetreten werden darf. Enttäuschend für PlayStation-Besitzer: Wie die PC-Version bietet auch die Xbox-Fassung einen Online-Modus; auf der PS2 wurde der hingegen eingespart, hier darf nur via Splitscreen angetreten werden.

Need For Speed Most Wanted ist für PC, Xbox und PlayStation 2 im Handel erhältlich. Inhhaltlich sind die Titel identisch, allerdings sieht die Xbox-Version von den Konsolenfassungen am besten aus und läuft auch etwas flüssiger als die PS2-Variante. Wer mehrere Plattformen zu Hause hat, ist mit der PC-Version dank zahlreicher Details und höherer Auflösung allerdings am besten bedient. Eine Xbox-360-Version des Spiels ist für Anfang Dezember 2005 angekündigt und lag der Redaktion noch nicht vor.

Fazit:
Toll präsentierte Story, großer Umfang, schöner Fuhrpark und abwechslungsreiche Aufgaben - Need For Speed Most Wanted bietet alles, was man von einem Rennspiel erwartet. Gerade im Vergleich zu den Underground-Vorgängern ist die Atmosphäre diesmal dank der zahlreichen Blacklist-Rennen und den häufigen Verfolgungsjagden mit der Polizei auch deutlich spannender; sowohl auf PC als auch auf Konsole ist der Titel somit das Rennspiel-Highlight dieses Winters.  (tw)


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Links zum Artikel:
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/
Need for Speed: http://www.needforspeed.de

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