Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41859.html    Veröffentlicht: 28.11.2005 14:29    Kurz-URL: https://glm.io/41859

Spieletest: The Movies - Film-Tycoon mit Videoschnitt

Ambitioniertes Projekt von Lionhead

Die Bedeutung von Peter Molyneux für die Videospiel-Industrie ist und bleibt unbestritten, zuletzt kratzt der Meister allerdings beständig am eigenen Ruf: Nach dem eher enttäuschenden Black & White 2 entpuppt sich auch das immer wieder verschobene The Movies als längst nicht so innovativ, wie von Molyneux einst angekündigt.

The Movies (PC)
The Movies (PC)
Um es vorwegzunehmen: The Movies ist im Grunde ein typisches Tycoon-Spiel - es geht darum, sein eigenes Filmstudio aufzubauen, das richtige Personal anzuheuern, die Kasse im Blick zu behalten und zum Starproduzenten zu werden. Neben diesem Wirtschaftsteil gibt es allerdings auch noch eine Art Kreativ-Part, in dem es dem Spieler dann möglich ist, sich nach freiem Geschmack auszutoben und mit einem sehr vielseitigen Editor eigene Filme zu erschaffen. Ärgerlich ist allerdings, dass diese beiden Elemente eher nebeneinander stehen und nicht viel miteinander zu tun haben - der Erfolg im Spiel hängt kaum von der künstlerischen Leistung beim Drehbucherstellen und Abfilmen ab.

The Movies
The Movies
Alles beginnt im Jahr 1920 und abgesehen von ein bisschen Geld und einem Grundstück ist zunächst nicht viel vorgegeben. Man startet somit erstmal mit dem Errichten der wichtigsten Gebäude wie dem Produktionsstudio, einem Büro oder einer Schauspielschule; auch die Techniker und Crew wollen natürlich irgendwo untergebracht werden. Danach geht es dann daran, möglichst fähiges Personal zu verpflichten, angefangen beim Hausmeister bis hin zu Regisseur und Schauspielern. Verwunderlich ist, dass von dem eingangs sehr umfangreichen Personenaufgebot mit der Zeit nicht viel übrig bleibt und man somit später innerhalb seines Teams Charaktere an bestimmten Stellen abberufen und in andere Jobs stecken muss; schwer vorstellbar, dass das in Hollywood ähnlich abläuft.

The Movies
The Movies
Sind die ersten Schritte getan, beginnt das eigentliche Spiel: Ein Drehbuch muss ausgewählt, Sets errichtet, Details wie Kostüme, Verpflegung und Infrastruktur geklärt werden. Fällt dann der Startschuss für den Film, geht das Daumendrücken los: Bewährt sich die Eigenproduktion an der Kinokasse, sahnen die Schauspieler gute Presseberichte ab, erarbeitet sich der Regisseur einen guten Ruf? Mit der Zeit kommen dann immer neue Sets und besseres technisches Equipment (schließlich hat man ja in der Frühzeit des Kinos angefangen) hinzu.

The Movies
The Movies
Allerdings ist der Spielablauf längst nicht so problemlos und geradlinig, wie die bisherige Beschreibung eventuell vermitteln mag; vor allem die oft sehr mürrischen Stars können einem das Leben wirklich zur Hölle machen, indem sie beständig beleidigt sind, höhere Gagen verlangen, sich einer Schönheitsoperation unterziehen wollen oder neidisch auf ihre Kollegen schauen. Ein wenig ärgerlich ist, dass sich dieser Prozess beständig wiederholt und immer die gleichen Aktionen getätigt werden müssen, um der Probleme Herr zu werden; da stellt sich bald eine gewisse Monotonie ein.

The Movies
The Movies
Nicht so schnell langweilig wird es dafür, mit dem zu Beginn etwas umständlich zu bedienenden, dafür aber auch wirklich vielseitigen Editor (eine Art simulierte Light-Version einer Videoschnitt-Software) selbst Hand an den Film zu legen, Szenen per Drag&Drop zu kombinieren, Settings auszuwählen und gar kleinste Details wie etwa die Beleuchtung zu bestimmen. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, selbst Dinge wie Synchronisation oder das Einsprechen eigener Texte sind möglich, die fertigen Meisterwerke können dann gar exportiert und ins Internet gestellt werden.

The Movies
The Movies
Dumm nur, dass man sich zwar stundenlang mit dem Feintuning des eigenen Leinwandstreifens beschäftigen kann, das aber auf den direkten Spielablauf nur wenig Einfluss hat, da der Erfolg des eigenen Studios eben eher an der Bekanntheit von Schauspielern und Regisseur, der Aktualität des Sets und Ähnlichem liegt, dafür praktisch überhaupt nicht an der Kunstfertigkeit des Gefilmten. Viele Spieler dürften somit wenig Lust verspüren, mehr Zeit als nötig mit dem teils auch sehr fummeligen Editor zu verbringen.

Hinsichtlich der Präsentation gibt sich The Movies - ähnlich wie andere Tycoon-Spiele - eher unauffällig. Einige nette und witzige Details gibt es zwar, und auch die erstellten Filme sind durchaus hübsch anzusehen, eine grafische Meisterleistung sollte man allerdings nicht erwarten.

The Movies ist derzeit für PC im Handel erhältlich. Umsetzungen für Xbox und PlayStation 2 sind momentan in Arbeit.

Fazit:
Mit The Movies liefert Molyneux wieder einmal ein Spiel ab, das auf dem Papier toll klingt, in der Praxis aber einige Schwächen offenbart - etwa das teils sehr fummelige Mikromanagement, der sich stark wiederholende Spielablauf oder auch die Tatsache, dass der sehr kreative Film-Part praktisch losgelöst vom Management-Teil des Spiels dasteht. Trotzdem macht The Movies fraglos Spaß: Das Szenario ist unverbraucht, und hat man sich erstmal mit der Bedienung des Editors zurechtgefunden, ist es wirklich beachtlich, welche Fülle von Möglichkeiten einem hier an die Hand gegeben werden. Das Gefühl, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre, kann dadurch allerdings nicht verdrängt werden.  (tw)


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Links zum Artikel:
Activision: http://www.activision.de/
Lionhead (.com): http://www.lionhead.com/
The Movies (.com): http://www.themoviesgame.com/

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