Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41781.html    Veröffentlicht: 22.11.2005 12:53    Kurz-URL: https://glm.io/41781

Xbox 360 - Microsofts neue Konsole im Test

Lauter Kampf ums Wohnzimmer

Mit der Xbox 360 geht Microsoft den ersten Schritt in die Next-Generation der Videospielkonsolen und läutet damit die Ära des "HD-Gaming" ein. Wir haben uns das neue Gerät angeschaut und berichten von unseren Eindrücken in puncto Funktionalität und Performance.

Xbox 360
Xbox 360
Wenn die durchaus schicke Konsole angeschlossen ist, überrascht sie mit einem recht flotten Boot-Vorgang, bleibt verhältnismäßig leise und präsentiert auf dem Bildschirm eine Bedienoberfläche mit vier farbigen Menüfenstern: Grün steht für Spiele, Orange für Xbox Live, Blau für Medien und Lila für das System. Über den Analogstick des Wireless-Controllers blättert man wie in einem Buch zwischen diesen Fenstern hin und her. Damit wirkt die Konsole durchaus familienfreundlich, um nicht zu sagen auch elterntauglich. Um etwa dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs beispielsweise nur Titel mit der USK-Kennzeichnung "Geeignet ab 12 Jahren" spielt, gibt man dies an und setzt danach einen vierstelligen Code in den Systemeinstellungen.

Xbox 360 mit Kameo
Xbox 360 mit Kameo
Das Herz der Konsole stellt eine PowerPC-basierte CPU mit drei Kernen dar, allesamt sind mit 3,2 GHz getaktet. Jeder einzelne der drei symmetrischen Prozessorkerne kann zwei Threads in Hardware ausführen und verfügt über eine eigene VMX/AltiVec-Einheit. Pro Hardware-Thread sollen 128 VMX-128-Register genutzt werden können. Der von IBM für Microsoft entwickelte Prozessor verfügt über 1 MByte Level-2-Cache, als Arbeitsspeicher stehen 512 MByte schnelles GDDR3-RAM (700 MHz) zur Verfügung.

Auf den Hauptspeicher greift auch der mit 500 MHz getaktete Grafikchip von ATI zurück, in den aber zusätzlich 10 MByte Grafikspeicher integriert (Embedded DRAM) sind. Zum Vergleich: Die Speicherbandbreite des GDDR-RAM liegt bei 22,4 GByte/s, während das EDRAM des Grafikchips beeindruckende 256 GByte/s schafft. Der Systembus der Konsole soll 21,6 GByte Daten/s bewältigen können.

Xbox 360 - Netzteil mit enormen Ausmaßen
Xbox 360 - Netzteil mit enormen Ausmaßen
Der ATI-Grafikchip soll über 48 parallel arbeitende, dynamisch zugeteilte Shader-Einheiten verfügen. Bei dem Xenos getauften Chip hebt ATI die Trennung zwischen Pixel- und Vertex-Shader auf und bietet nur noch eine multifunktionale Einheit pro Pipeline. Durch diese vereinheitlichte Shader-Architektur kann jede Shader-Einheit als Pixel- und Vertex-Shader dienen und ist entsprechend frei programmierbar. Dies soll eine effizientere Nutzung der GPU erlauben und GPU-bedingte Engpässe vermeiden helfen.

Damit soll die Xbox 360 sich auch nicht hinter der für 2006 erwarteten PlayStation 3 verstecken müssen, deren Nvidia-Grafikchip RSX mit 550 MHz etwas höher getaktet ist. Im Vergleich zu aktueller PC-Hardware spricht ATI von einer etwa doppelt so hohen Leistung, allein durch den Ansatz der einheitlichen Shader-Architektur. Die Leistung des Grafikchips gibt Microsoft mit 500 Millionen Polygonen pro Sekunde und 48 Milliarden Shader-Operationen pro Sekunde an. Darüber hinaus scheint der Grafikchip genügend Leistungsreserven zu haben, damit Microsoft sein Versprechen wahrmachen kann, dass jedes Xbox-360-Spiel mindestens für die HDTV-Auflösung 720p inklusive Kantenglättung optimiert ist.

Xbox 360 - Entlüftung auf der Rückseite
Xbox 360 - Entlüftung auf der Rückseite
Genau diese leistungsfähigen Komponenten handeln der Xbox 360 allerdings ein Problem ein: Während der Geräuschpegel beim Einschalten noch erfreulich leise ausfällt, steigt er schon beim Einlegen eines Spiels in das DVD-Laufwerk deutlich an. Nach etwa einer Stunde Spielzeit sind die Komponenten dann so heiß, dass die Xbox-360-Lüfter mit voller Leistung arbeiten müssen, um die Hitze des Multicore-Prozessors und der Grafikkarte über das Gitter auf der Rückseite des Geräts hinauszublasen. Man sollte also dafür sorgen, dass um die Xbox 360 genug Luft ist; ein enger Schacht, in dem die Konsole gar quer reingequetscht wird, scheint völlig unangebracht. Zudem ist das externe Netzteil mit den Maßen 21,7 x 5,2 x 7,6 cm extrem riesig und benötigt viel Stauraum.

Im Vergleich zur ersten Xbox fällt die Geräuschkulisse der Xbox 360 kein bisschen leiser aus, vielmehr scheint die neue Konsole beim Spielen noch lauter zu sein. Im Test übertönte die Xbox 360 die alte Konsole, die kaum noch zu hören war. An dem hohen Geräuschpegel ändert sich nichts, so lange ein Spiel im Laufwerk liegt. Leise wird das Gerät erst wieder, wenn ein anderes Medium, etwa eine Musik-CD, eingelegt wird. Während des Abspielens von Songs oder Filmen wird die Xbox 360 nämlich nicht lauter. Beim Einsatz als Audio-, Foto- und Video-Abspielgerät ist die Xbox 360 also glücklicherweise keine Lärmschleuder.

Im Bereich Multimedia geht die Xbox 360 weiter als die bisherigen Spielekonsolen: Sie kann Audio-CDs, selbst erstellte WMA-, MP3- und JPEG-Medien (CD-R/-RW, DVD-Medien) und Film-DVDs wiedergeben. Bei der DVD-Wiedergabe wird auch "progressive Scan" unterstützt. Zudem können selbst erstellte Film-DVDs wiedergegeben werden, das 12fach-DVD-ROM-Laufwerk der Xbox 360 versteht sich jedoch nicht auf DVD-RAMs. Unverständlicherweise hat sich Microsoft entschieden, keine WMV-HD-DVDs zu unterstützen, dabei wäre die Xbox 360 ein Mittel gewesen, das Microsoft-eigene Format auch abseits des PCs weiter voranzutreiben, nachdem es bisher nur wenige DVD-Player gibt, die sich auf die WMV-befüllten Standard-DVDs verstehen.

Xbox 360 frisst auch USB-Sticks
Xbox 360 frisst auch USB-Sticks
Dafür können Bilder, Musikdateien und mit Digitalkameras aufgezeichnete Videoschnipsel auch von externen USB-Datenträgern abgerufen werden. Alternativ lassen sich Audio-CDs direkt mit der Xbox 360 ins WMA-Format rippen, sofern eine Xbox-360-Festplatte angesteckt wurde. Musik wird ganz ähnlich den Optionen des "Windows Media Player" visualisiert, die optische Aufbereitung sieht auf der Xbox 360 allerdings deutlich hübscher aus. Microsoft verspricht, dass sich in jedem Spiel Musikstücke aus der eigenen Sammlung als Hintergrundmusik verwenden lassen, dazu lassen sich spezielle Playlisten angeben. Urlaubsbilder von CD- oder DVD-ROM lassen sich in einer Diashow mit simplen Überblendungen und bewegt darstellen.

Wer einen Heimkino-PC mit Microsofts Windows XP Media Center Edition 2005 sein Eigen nennt, kann die Xbox 360 auch als Media Center Extender nutzen. Dazu kann die Konsole über die Ethernet-Anbindung ins Heimnetz Verbindung mit dem PC aufnehmen und auf diesem gespeicherte Audiodateien, Bilder und Fernsehsendungen wiedergeben. Im Test schlug allerdings die Verbindung fehl, denn es kam immer wieder zu Fehlern bei der Zuweisung der IP-Adresse, so dass sich das MCE-System und die Xbox 360 nicht fanden. Selbst das manuelle Einrichten des Netzwerks führte nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Ob das am verwendeten DSL-Router oder an einem anderen Problem lag, ließ sich bisher nicht feststellen.

Xbox-360-Fernbedienung
Xbox-360-Fernbedienung
Wir werden die MCE-Funktion deshalb später erneut testen. Ob Microsoft die Xbox 360 auch als Netzwerk-Wiedergabegerät für weitere Windows-XP-Versionen öffnen wird, bleibt abzuwarten - es ist zwar technisch möglich, ob Microsoft aber auch entsprechende Updates plant, bleibt abzuwarten. Zudem scheint Microsoft auf Seiten Windows XP MCE keinen Transcoder integriert zu haben, so dass nur Multimedia-Dateien gestreamt werden können, für die auf der Xbox 360 entsprechende Codecs vorhanden sind.

Die Ethernet-Verbindung der Konsole ist allerdings vorrangig dazu da, um die Verbindung mit Microsofts Online-Spieleservice Xbox Live zu ermöglichen. WLAN beherrscht auch die neue Konsole nur mit einer optionalen WLAN-Erweiterung (802.11a/b/g), wobei - wie bei anderen Konsolen - jeder handelsübliche WLAN-Ethernet-Adapter genutzt werden kann.

Unproblematisch ist die Verbindung zwischen Konsole und Wireless-Controller, in wenigen Sekunden steht sozusagen die Leitung. Der in der Premium-Version der Konsole enthaltene Wireless Controller ist Microsoft dabei am besten gelungen. War der Vorgänger noch viel zu klobig, so liegt die jetzige Version weitaus besser in der Hand und ruft Erinnerungen an den Dreamcast-Controller hervor. Dank der ausgeprägten Ergonomie schmerzen die Hände auch nach stundenlangem Zocken keinen Moment.

Alter und neuer Controller
Alter und neuer Controller
Der Wireless-Controller funkt im 2,4-GHz-Frequenzband, unterstützt Force-Feedback und hat eine Reichweite von etwa 10 Metern. Er ist mit sechs Analogknöpfen mit 256 Druckstufen sowie zwei drucksensitiven Analoghebeln und einem Acht-Wege-Steuerkreuz ausgestattet. Dazu kommt der neue "Media Guide Button" zum Menüaufruf und zum Ein-/Ausschalten der Konsole vom Sofa aus. Bei der ersten Xbox war dies nicht möglich, es sei denn, man modifizierte die Hardware auf Kosten der Garantie. Bis zu vier drahtlose Gamepads lassen sich mit einer Xbox 360 nutzen, die auch über drei USB-2.0-Anschlüsse und zwei Steckplätze für Speicherkarten verfügt.

Von den drei USB-2.0-Anschlüssen finden sich zwei unten auf der Vorder- und einer oben auf der Rückseite. Der Anschluss von USB-Datenträgern - etwa MP3-befüllte USB-Sticks - erfordert mitunter ein Verlängerungskabel, da die USB-Buchsen recht tief im Gehäuse liegen. Fingerspitzengefühl erfordert auch die oben auf das Gehäuse der Xbox 360 ansteckbare 20-GByte-Festplatte. Sie lässt sich zwar für den Transport wieder abnehmen, doch ganz so praktisch ist das nicht gelöst. Man drückt auf eine Plastiklasche, wodurch zwei kleine Steckscharniere aus ihren Halterungen gelöst werden, um dann den Datenträger herausnehmen zu können. Anfangs ist das ein Gefummel, doch Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Besagte 20-GByte-Festplatte sorgte schon im Vorfeld für viel Diskussionsstoff, da sie nur der rund 400,- Euro kostenden Premium-Version der Xbox 360 beiliegt und ansonsten teuer hinzugekauft werden muss. Microsoft gab im Vorfeld zwar an, dass alle Xbox-360-Spiele auch ohne Festplatte laufen werden, doch einige Entwickler haben bereits angekündigt, dass ihre Spiele die Festplatte zwingend voraussetzen werden. Nicht alle Entwickler sind damit glücklich, dass Microsoft die Festplatte zur Option degradiert und nicht zur Voraussetzung gemacht hat.

Neue und alte Konsole nebeneinander
Neue und alte Konsole nebeneinander
Auch wer alte Xbox-Spiele auf dem Nachfolger Xbox 360 nutzen will, sollte zur Festplatte greifen. Auf Grund der unterschiedlichen Prozessor-Architektur - in der Xbox steckt ein x86er-Prozessor von Intel - wird für alte Xbox-Spiele auf eine Software-Emulation zurückgegriffen. Diese Software setzt eine Festplatte zwingend voraus und belegt etwa 5 MByte auf der 20-GByte-Festplatte. Dazu kommen Profile für die einzelnen Titel, was regelmäßige Updates erfordert - entweder automatisch per Xbox Live oder mittels selbst gebrannter oder per von Microsoft gegen einen Unkostenbeitrag versandte Update-CDs.

Nur Xbox-Spiele, die von Microsoft überprüft und freigegeben wurden, können auf der Xbox 360 gespielt werden - von Hause aus sind dies nur "Halo: Combat Evolved" und "Halo 2". Legt man ein Spiel wie "Dead or Alive 3" oder "Ninja Gaiden" ins DVD-Laufwerk, erscheint eine Mitteilung, dass dieses nicht unterstützt werde: "Eine Aktualisierung zur Unterstützung dieses Spiels ist möglicherweise verfügbar. Weitere Informationen finden Sie unter www.xbox.com/games." Sonderlich aufbauend ist das nicht. Allerdings sollen zum Verkaufsstart bereits erste Updates zur Verfügung stehen und rund 150 Spiele unterstützt werden.

Halo 2 - Xbox (links) und Xbox-360-Emulator (rechts)
Halo 2 - Xbox (links) und Xbox-360-Emulator (rechts)
Der Emulator sorgt dafür, dass auf der Xbox 360 laufende alte Spiele auf die HDTV-Auflösungen 720p oder 1080i skaliert werden, dabei zugleich von der Kantenglättung der Xbox 360 profitieren und entsprechend besser aussehen. Gegen die niedrig auflösenden Texturen kann allerdings auch Microsofts Emulator nichts machen.

Doch letztendlich erwirbt man die Xbox 360 nicht, um alte Xbox-Titel zu spielen, sondern interessiert sich primär für die zum Start verfügbaren Xbox-360-Spiele. Ursprünglich strebte Microsoft die Zahl von rund 20 Spielen an, die zum europäischen Marktstart am 2. Dezember 2005 verfügbar sein sollten. Übrig geblieben sind davon 14 Stück, 15, wenn Segas düstere First-Person-Gewaltorgie Condemned eingerechnet wird, die Microsoft aber in Deutschland wegen der Indizierungsgefährdung des Spiels nicht sehen will. Verschoben wurden Dead or Alive, Ridge Racer 6 und alle THQ-Spiele für die neue Konsole. Rollenspiel-Fans bietet die Xbox 360 im Moment noch nichts, Elder Scrolls: Oblivion und das Online-Spiel Final Fantasy XI werden erst 2006 erscheinen.

Zu den wichtigsten Starttiteln für die Xbox 360 zählen zweifelsohne das Action-Adventure "Kameo: Elements of Power" sowie das Rennspiel "Project Gotham Racing 3" - beide von Microsoft.

Project Gotham Racing 3

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Es versteht sich von selbst: Ohne Rennsimulation lässt sich keine Markteinführung einer Konsole realisieren. Stand parallel zum Launch der Xbox "Project Gotham Racing" in den Regalen, so ist es beim Hardware-Nachfolger schon der dritte Teil der Reihe.

Und konnte man sich vor dreieinhalb Jahren über die schmucke Grafik freuen, so darf man jetzt völlig aus dem Häuschen sein: Die jetzigen Lichteffekte in Echtzeit stellen alles bislang Gesehene in den Schatten - das natürlich nicht zuletzt wegen der höheren Auflösung. Doch so umwerfend die Optik mit ihrer flüssigen Bildrate auch ist, der echte Rennfan vermisst grundlegende Neuerungen, etwa in Form eines abwechslungsreichen "Dream Modus", wie es ihn in "Racing Evoluzione" gab. Stattdessen bildet lediglich ein 08/15-Karriere-Modus den Schwerpunkt von "Project Gotham Racing 3".

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Das ist für ein aktuelles Spiel definitiv zu wenig. Denn wie gehabt geht es darum, sich gegen die rasenden Konkurrenten durchzusetzen und so viele Kudospunkte wie möglich mit gewagten Manövern zu ergattern. Das klappt zwar dank der unkomplizierten Steuerung sehr gut - ein Ausbrechen des Wagens lässt sich meist vermeiden. Kommt es jedoch mal zu einem Engpass in Kurven und streift eine andere Karosse die eigene, gehen die Punkte rasch flöten und es wird schwerer, die Kontrolle zu behalten.

Rast der Bolide daraufhin gegen die Straßenabsperrung, so zucken die Zuschauer hinter der Absperrung sogar für einen kurzen Moment zusammen. Zusammenkommen sollen auch die Spieler: Wer bei Xbox Live angemeldet ist, kann sich mit dem Nachrichtentickerdienst "Gotham TV" über das aktuelle Online-Geschehen rund um das Produkt informieren. Solospieler toben sich hingegen über den Menüpunkt "Spielspaß" mit 60 Strecken aus fünf Ländern aus, womit sie wiederum fürs Internet trainieren, um dort mit maximal sieben anderen Spielern durch die Stadtstraßen zu düsen. Alle weiteren Soloveranstaltungen wie das Präsentieren des Fahrstils haben dagegen bloßen Übungscharakter.

Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Project Gotham Racing 3 (Xbox 360)
Die Spiegelungen auf den sportlichen Boliden vermitteln einen authentischen Eindruck, vor allem wenn sie Kopf an Kopf durch enge Straßenschluchten heizen. Da es dann im Handumdrehen zu Kollisionen kommt, ist es nicht unbedingt ratsam, eine der beiden Cockpit-Ansichten oder gar den Armaturenbrettblick zu wählen, da man hier eher die Drehzahlmesser als die Gegner gut vor Augen hat. In der Cockpit-Ansicht sind zwar die Lackeffekte der Autos weniger gut zu sehen, dafür gibt es dabei aber eine nicht ganz saubere Frontscheibe zu sehen, was für mehr Realismus sorgt.

"Project Gotham Racing 3" ist ein optischer Leckerbissen mit viel Onlinepotenzial, ganz so, wie es sich Microsoft von der Xbox-Live-Anbindung erhofft. Spieltechnisch hebt sich die Rennsimulation jedoch nicht von der Konkurrenz à la "Gran Turismo" ab, obgleich es sehr großen Spaß macht, zu klassischer Musik durchs nächtliche Tokio zu heizen.

Kameo: Elements of Power

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Rare sei dank: Mit "Kameo: Elements of Power" veröffentlicht Microsoft nicht bloß ein abwechslungsreiches Fantasy-Action-Adventure, sondern zugleich den stärksten Titel zum Launch der Xbox 360. Abgesehen von den Sport- und Rennspielen ist es allerdings auch momentan der einzige Vollpreistitel, der auch ein jüngeres Publikum anspricht.

Die Tatsache, dass aus Schwestern nicht unbedingt die allergrößten Freunde, sondern gar Feinde werden können, bildet den Ausgangspunkt für die Geschichte: Einst bekam das Mädchen Kameo von seiner königlichen Mutter die Fähigkeiten verliehen, sich in Elementarkrieger zu verwandeln, was Kameos ältere Schwester Kalus mit Argwohn betrachtete. Ja, es ging sogar so weit, dass Kalus' Neid in Arglist und Rache ausartete. Als Konsequenz aus dem Machtstreben erweckte sie den alten Konflikt zwischen Elfen und Trollen wieder zum Leben. Inmitten dieser Auseinandersetzung wird Kameos Familie von den Schergen des Trollkönigs Thorn entführt. Um sie zu befreien, macht sich die Heldin auf den Weg zu dessen Burg...

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Es beginnt hektisch, denn der Ort, der die Festung umgibt, gleicht dem Reich Mordor aus Tolkiens "Der Herr der Ringe"-Trilogie - überall kracht und brennt es in der finsteren Welt des Trollanführers. Natürlich sind dessen Krieger auch nicht weit, sie stellen sich Kameo gleich in den Weg. Ohne Tutorial stürzt sich der Spieler ins Gefecht, lernt dadurch ganz fix die Vorteile der Figur kennen: Kameo kann sich per Tastendruck in drei unterschiedliche Wesen verwandeln.

Da gibt es eine boxende Pflanze namens Kampfkraut, die sich unter anderem ganz klein machen und so unter Türen hindurchhuschen kann. Zum anderen lässt sich die Gestalt von Chilla annehmen, einem kampfwütigen Yeti mit Stacheln auf dem Rücken. Und zu guter Letzt steht General Schaden zur Wahl, der zwar aussieht wie ein niedlicher Nasenbär mit Panzer, jedoch wie eine Kugel auf Speed Abgründe überwinden und Gegner in Lavaströme befördern kann.

Kameo (Xbox 360)
Kameo (Xbox 360)
Diese Vielfalt wirkt sich positiv auf das Gameplay aus, kommt man doch nur voran, wenn man die diversen Fähigkeiten gezielt einsetzt. Umso dümmer, dass Kameo sie bald in einem Hinterhalt verliert. Ohne die Elementarkrieger ist ein Sieg unmöglich. Daher gilt, sich auf den Weg zu machen und die Raufbolde (sie sind jetzt Elementarkobolde) in das Omnikon, ein sprechendes Buch, zurückzubringen. In diesem "Inventar" können die Krieger verwaltet werden, denn zu den ersten drei Morphgestalten kommen im Spielverlauf noch weitere hinzu. Zudem sammelt Kameo während ihres Abenteuers Elementarfrüchte, mit denen sich die Fertigkeiten der Haudegen den Situationen entsprechend aufwerten lassen.

Kameo zeigt eindrucksvoll, welche Rechenleistung in der neuen Konsole steckt, obgleich es kleine Ruckler in manchen Zwischensequenzen gibt - etwas, das man auf der Xbox 360 eigentlich nicht erwarten sollte. Fast überall gibt es animierte Hintergründe und detaillierte Umgebungen zu bestaunen, etwa fliegende Drachen am Horizont oder ein Meer aus schwebenden Blütenpollen in einem Garten. Die Steuerung ist perfekt, die Befehle gehen einem schnell von den Fingern. Vor allem das Gameplay hält bei Laune.

Leider haben es Microsoft und Partner nicht geschafft, uns mehr als diese beiden Titel zur Verfügung zu stellen. Allerdings konnte Golem.de bereits auf Microsofts Branchenveranstaltung X05 in Amsterdam einen Blick auf die meisten Starttitel werfen. Zumindest vielversprechend wirkten dabei der von Microsoft/Rare entwickelte Shooter "Perfect Dark Zero" und Electronic Arts' hübsch aussehendes Karambolage-Rennspiel "Need for Speed: Most Wanted". Für hartgesottene Erwachsene ist zudem Segas Condemned einen Blick wert, da es mit einer recht vereinnahmenden unheimlichen Atmosphäre aufwartet.

Die vom PC her bekannten Shooter Call of Duty 2 (Activision) und Quake 4 (Activision) machten ebenfalls einen guten Eindruck, unterschieden sich allerdings von ihren PC-Vorbildern nur unwesentlich. Uninspiriert und grafisch wenig beeindruckend wirkten Electronic Arts' Xbox-360-Sportspiele "FIFA 06: Road to FIFA World Cup", "Madden NFL 06" und "NBA Live 06". Grafisch scheint sich EA hierbei wenig Mühe gemacht zu haben und übertrieb es mit einigen Effekten auch - die Basketballer im NBA-Spiel wirken dank der Glanzeffekte unfreiwillig wie Hautöl-Mannequins, dabei sollen sie nur verschwitzt aussehen.

Wirklich grafische Leckerbissen für die Xbox 360 werden erst 2006/2007 auf den Markt kommen, sobald die Entwickler mit der Hardware besser vertraut sind. Vor allem der Shooter Gears of War soll dann Maßstäbe setzen - und auch Halo 3 soll im Laufe des Jahres 2006 erscheinen. Halo und Halo 2 haben Microsofts erster Xbox viel Aufmerksamkeit verschafft und hohe Verkaufszahlen erreicht.

Microsoft hat auch für die Xbox 360 ambitionierte Ziele: Innerhalb der ersten 90 Tage will Microsoft weltweit rund drei Millionen Konsolen ausliefern, Ende 2006 sollen dann gut acht Millionen Geräte verkauft sein. Gefertigt werden die Geräte von Celestica, Flextronics und Wistron.

Fazit:
Wer die Xbox 360 als reine Videospielkonsole betrachtet, liegt falsch. Tatsächlich ist sie eine Multimediamaschine, im Grunde sogar ein verkappter PC, mit dem man fast alles machen kann, wobei die Kiste zur Textverarbeitung und Bildbearbeitung weniger geeignet ist. Für einen Preis von rund 300,- Euro (Core-System, Kabel-Controller) bis 400,- Euro (Premium-System, Funk-Controller, Festplatte) bekommt der Kunde also ein leistungsfähiges Unterhaltungsgerät. Ärgerlich für Spieler ist allerdings die Lautstärke, die es erforderlich macht, den Regler an der Stereoanlage höher zu drehen. Ob die Nachbarn vom satten Xbox-360-Sound auch begeistert sind, ist eine andere Frage.

Die Core-Version ermöglicht zwar einen günstigeren Einstieg, aber kostet den Spieler letztendlich mehr als die Premium-Version. Rechnet man die zum Spielstand-Speichern nötige 64-MByte-Microsoft-Speicherkarte ein, auf die man bei der festplattenbestückten Xbox 360 verzichten kann, ist der preisliche Abstand schon wieder kleiner. Kauft man später den Drahtlos-Controller, die Kabel für die HDTV-Ausgabe und eine Festplatte hinzu, liegt der Gesamtpreis letztlich deutlich über dem der Premium-Konsole.

Grandios wirkt auch die Grafik der ersten beiden getesteten Spiele "Kameo: Elements of Power" und "Project Gotham Racing 3". Beide hinterlassen mit ihrer Auflösung 720p (1.280 x 720) vor allem auf hochauflösenden Fernsehern einen guten Eindruck, auf alten Fernsehbildschirmen müssen zwar Abstriche hingenommen werden, das Bild ist aber auch hier ordentlich. Doch Grafik ist nicht alles: Nintendo-Chef Satoru Iwata hat Recht, wenn er sagt, dass gute Spiele nicht nur von ihrer Optik leben. Mehr als die übliche Daddelkost hat die Xbox 360 nämlich (noch) nicht zu bieten. Überhaupt scheint die Zeit für hochauflösende Konsolen, angesichts noch zu teurer und selten in europäischen Wohnzimmern anzutreffenden Fernsehgeräten mit dem HD-Ready-Standard, noch etwas früh zu sein.

Die Entscheidung, ob es die Xbox 360, Sonys PlayStation 3 oder Nintendos Revolution sein soll, wird auch mit der frühen Verfügbarkeit der Xbox 360 nicht leichter. Letztlich gilt der übliche Rat, die Kaufentscheidung vor allem von den Spielen abhängig zu machen. Und hier hat die Xbox 360 im Moment noch zu wenig zu bieten. [von Frank Magdans, Jens Ihlenfeld und Christian Klass]  (ck)


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Xbox 360 (.com): http://www.xbox360.com

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