Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41738.html    Veröffentlicht: 19.11.2005 15:47    Kurz-URL: https://glm.io/41738

Japanischer Roboter als Zimmergenosse

ZMP liefert englischsprachige Version des Nuvo ab Dezember 2005 aus

Autonom agierende und auf Sprachbefehle hörende humanoide Roboter sind auch im roboterbegeisterten Japan noch selten und meist zu teuer für Privathaushalte. Die japanische Firma ZMP will dies mit dem in Kürze auch in einer internationalen Version lieferbaren "Nuvo" ändern - kommt aber auch noch auf den Preis eines Kleinwagens.

ZMPs "Nuvo" wiegt 2,5 kg und ist mit seinen 39 cm etwas kleiner als Fujitsus HOAP und Sonys QRIO. Mit seinen insgesamt 15 Freiheitsgraden, von denen 12 an den Beinen zu finden sind, kann er knapp 3 Meter in der Minute zurücklegen. Die Balance wird dabei von einem eingebauten Gyroskop gehalten, welches die Daten an den Prozessor liefert. Das Mainboard stammt vom Halbleiterhersteller Renesas. Falls Nuvo auf seinem rasanten Weg von einer überschüssigen Position hinfallen sollte, kann er ohne fremde Hilfe aufstehen und seinen Weg fortsetzen.

ZMPs bunter Nuvo
ZMPs bunter Nuvo
Programmieren kann man die 50 gesprochenen Befehle, auf die der Nuvo hört, über die mitgelieferte Fernbedienung, per WLAN (802.11b) oder der Ethernet-Schnittstelle. Auf Befehle kann der Roboter auch mit vorgefertigten oder selbst eingebrachten Wörtern und Sätzen antworten - so kann er auf Nachfrage auch die Uhrzeit ansagen. Falls der Besitzer seine Lieblingsmusik hören will, kann diese im Speicher abgelegt werden und Nuvo als mobile MP3-Station genutzt werden, die auf Kommando abspielt und auch tanzen kann.

Mit seiner im Kopf steckenden Kamera dient der Nuvo auch zu Überwachung der Umgebung, die Bilder lassen sich drahtlos über das Netzwerk auf den PC oder das Handy streamen. Die Kamera kann bis zu 100 Bilder im Speicher aufzeichnen. Außerdem lässt sich der Roboter per Internetbrowser auch über das Handy fernsteuern. Dies scheint auch der Haupteinsatz-Zweck des Roboters zu sein. Allzu lange hält er allerdings nicht durch, bei normaler Nutzung muss Nuvo nach 1,5 Stunden wieder aufgeladen werden, ununterbrochen laufen kann der Roboter eine Stunde lang.

Über eine echte künstliche Intelligenz verfügt der ZMP-Roboter nicht, er reagiert nur auf seine Umwelt. Die Sensoren erlauben ihm zwar, um Hindernisse herum zu navigieren, aber Kanten kann er nicht entdecken. Dies heißt, er wird seine Fähigkeit, aufstehen zu können, öfter nutzen müssen. Zudem dienen die Arme nur zum Aufstehen, Finger oder Klammern zum Greifen fehlen. Anders als Sonys Roboterhund Aibo scheint sich Nuvo nicht selbst zur Ladestation begeben zu können. Auch Aibo wurde jedoch erst im Laufe der Zeit durch neue Software aufgewertet, für Nuvo ist Ähnliches zu erwarten.

Nuvo - elektronischer Kumpan für zu Hause?
Nuvo - elektronischer Kumpan für zu Hause?
Bisher war der Nuvo nur in Japan erhältlich, ab Dezember 2005 beginnt die reguläre Auslieferung des englischsprachigen Modells - die außerhalb Japans exklusiv über Dynamism.com vertrieben werden. Die Kosten für den Nuvo, der in vier Farben erhältlich sein wird, belaufen sich auf knapp 6.995 Dollar. Für knapp 10.000 US-Dollar gibt es gar noch eine goldverzierte Version, wenn der Roboter als wandelndes Kunstwerk dienen soll.

RoboSapien
RoboSapien
Wem das zu teuer ist und wer erste Schritte im Bereich Zweibeiner-Robotik unternehmen will, der sollte sich den ferngesteuerten Spielzeugroboter Robosapien von WowWee Toys anschauen, der von einem US-Robotik-Forscher entworfen wurde und Anfang 2006 mit dem Robosapien V2 einen leistungsfähigeren Nachfolger erhält. An der Uni Freiburg wurde der RoboSapien bereits per PDA zum autonomen RoboCup-Fußballer umgebaut.

Sony Qrio
Sony Qrio
Für den Einsatz in Unternehmen, der Altenpflege, der Unterhaltung oder der weiteren Forschung haben auch Fujitsu ("HOAP"-Serie), Honda ("Asimo"-Serie), Sony ("QRIO") und Toyota entsprechende Geräte vorgestellt, doch sind diese noch nicht regulär oder nur zu für Privathaushalte unerschwinglichen Preise zu erstehen. Es gibt allerdings oft Forschungsprogramme zur Zusammenarbeit mit Universitäten aus aller Welt. Letztere widmen sich aber nicht nur der KI- und Bewegungsprogrammierung, sondern zum Teil auch ihren ganz eigenen Roboter-Bau-Projekten, so etwa die Universität Kyoto mit ihrem Robo-Garage-Projekt.

Besonders viel Aufmerksamkeit erlangt die Robotik durch wissenschaftlich-sportliche Wettkämpfe wie dem international ausgetragenen RoboCup, in denen sich deutsche Teams positiv hervortun. [von Mark Ralea und Christian Klass]  (ck)


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Links zum Artikel:
Dynamism.com: http://www.dynamism.com
Honda - Asimo (.jp): http://www.honda.co.jp/ASIMO/
Nuvo - Humanoider Roboter von ZMP (.jp): http://www.nuvo.jp
Robo-Garage - Universität Kyoto: http://www.robo-garage.com/
RoboSapien (.com): http://www.robosapien.com/
Sony QRIO - Humanoider Roboter (.net): http://www.sony.net/SonyInfo/QRIO/
Toyota Motor Corporation - Roboter-Demonstations-Videos (.jp): http://www.toyota.co.jp/en/special/robot/index.html
ZMP (.jp): http://www.zmp.co.jp/

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