Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41701.html    Veröffentlicht: 18.11.2005 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/41701

Spieletest: Quake 4 - Düsterer Shooter mit viel Atmosphäre

3D-Shooter mit kleinen Schwächen im Spieldesign

Nachdem sich der dritte Quake-Teil fast ausschließlich auf den Mehrspielermodus konzentrierte, kehrt der vierte Teil wieder an den Ursprung zurück. Mit Quake 4 versucht der Entwickler Raven Software, eine spannend umgesetzte Einspielerkampagne zu erzählen, die sich rund um die Invasion des Heimatplaneten der Stroggs dreht.

Quake 4 (PC)
Quake 4 (PC)
Als Elitekämpfer Matthew Kane vom Rhino Squad wird der Spieler als Teil einer größeren Invasionsmacht nach Stroggos geschickt, um dort die Erzfeinde der Menschen endgültig zu besiegen. Nachdem das Landungsschiff beschädigt wurde und Kane wieder aus seiner Ohnmacht erwacht, gilt es - anfangs nur mit einem kleinen Blaster bewaffnet -, wieder Anschluss an die eigene Einheit zu finden und gegen die Stroggs vorzugehen.

Dass eine Begrenzung der Zahl von Spielfiguren bei der Doom-3-Engine nicht zwingend erforderlich ist, zeigt Raven Softwares Quake 4 bereits im Intro und auch während des Spiels kommen genug Gegner auf einen zu, um ab und an die Übersicht zu verlieren.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die einzelnen Level selbst sind zum Teil recht kurz ausgefallen. Während innerhalb eines Einsatzgebietes auch mehrere Aufträge auf einen warten können, kann es bei grafisch aufwendigen und vor allem teilweise außen spielenden Leveln schonmal passieren, dass man nach fünf Minuten wieder von einem Ladebildschirm begrüßt wird. Nahtlose Übergänge gibt es also nicht und der Spielfluss gerät dadurch mitunter ins Stocken.

Im Unterschied zum eigentlichen Vorläufer Quake II ist Quake 4 nicht ganz die simple Ballerei, die vielleicht zu erwarten wäre. Es empfiehlt sich, gelegentlich doch einmal Deckung aufzusuchen, wenn die Gegner einen mit Sperrfeuer eindecken, oder sich eine bessere Position zu suchen, um die gruseligen Gegner etwa mit gezielten Schüssen nacheinander auszuschalten.

Screenshot #2
Screenshot #2
Derartige Entscheidungen müssen jedoch - ganz in Quake-Manier - innerhalb kürzester Zeit getroffen werden. Zum Nachdenken bleibt nicht viel Zeit und vor allem sollte man das Geschehen gut im Auge behalten, auch wenn dies manchmal auf Grund der vielen Effekte schwer fällt. Wer beispielsweise nicht rechtzeitig in einer Kampfespause die Waffe nachlädt, bringt sich selbst oder zumindest eines der recht viel einsteckenden Teammitglieder in Bedrängnis. In engen Gängen kann es zudem auch mal vorkommen, dass sich die bis zu drei Teamkameraden so unglücklich in den Weg stellen, dass man nicht ohne weiteres vorwärts kommt.

Die KI der Gegner und der Mitstreiter verhält sich sonst aber recht intelligent. So geschieht es eher selten, dass ein Teamkamerad in die eigene Schussbahn läuft. Eher weichen die Gegner gerne so aus, dass diese sich plötzlich hinter einem Teammitglied befinden. Da man eigene Mitglieder aber nicht versehentlich erschießen kann, fällt dies nicht weiter ins Gewicht.

Screenshot #3
Screenshot #3
Die Kumpanen sind nicht nur zur Feuerunterstützung da, sie können den Spieler auch verarzten und die Rüstung reparieren, sofern ein Mediziner oder ein Techniker mit von der Partie sind. Der ein oder andere Techniker ist zudem in der Lage, die Waffen zu verbessern - sofern man ihn findet. Das erleichtert das Spiel enorm und sorgt zudem dafür, dass der Spieler seine Einheit nicht unbedingt als Kanonenfutter sieht. Zumindest im normalen Schwierigkeitsgrad (Stufe 2 von 4) gehört jedoch schon einiges an Nachlässigkeit dazu, Squad-Mitglieder überhaupt zu verlieren.

Die Karten selbst sind recht linear, Rätsel beschränken sich auf wenige Hüpfer, um etwa eine Tür von der anderen Seite zu öffnen und einige Schalter zu bedienen. Auch wenn die Karten manchmal den Eindruck machen, dass sie weiter erforscht werden könnten, so steht dem Spieler öfter mal eine Barrikade im Weg, die zwar überwindbar scheint, sich jedoch schnell als lieblos eingebaute Levelbegrenzung entpuppt. Auch wenn dies von den Außenleveln nicht behauptet werden kann, ist das Leveldesign der Gebäude abwechslungsreich.

Einzelne Gebiete tauchen ab und zu ein zweites Mal auf, was allerdings gut in die Hintergrundgeschichte eingebettet ist und sich zudem auf einen kleinen Teil des jeweiligen Levels beschränkt. Der zweite Besuch führt zudem meist in eine andere Richtung. Außerdem ist ein weiterer Besuch einzelner Ortschaften nicht unbedingt nachteilig, sondern sorgt für einen guten Wiedererkennungseffekt.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die Gegnerabwechslung könnte hingegen ein wenig besser ausfallen, auch wenn man in den dunklen Gängen nicht immer viel sieht. Für etwas Abwechslung sorgt hingegen das gelegentliche Bedienen unterschiedlicher Geschütze, in denen auch mal ein Kamerad mit Deckungsfeuer beschützt werden muss. Anfangs ist man nur Schütze, später können auch die verschiedenen Fahrzeuge durch die Landschaft gesteuert werden. Mit einem Panzer durch karge, nicht sehr weitrechende Landschaften zu fahren und eine geringe Anzahl an Gegnern auszuschalten ist allerdings keine echte, spielerische Herausforderung.

Für Abwechslung sorgen die Aufträge: Mal muss jemand beschützt werden und ein anderes Mal geht es darum, einen Schalter ausfindig zu machen, was auf Grund der Linearität der Level jedoch nicht sonderlich schwer fällt, so dass die Aufträge eigentlich nur für eine bessere Atmosphäre sorgen.

Der Blutgehalt des Spiels geht gegen null, zumindest in der entschärften, ab 16 Jahren freigegebenen und recht spät erschienenen deutschen Version. Diese wurde überhaupt stark beschnitten: Im Vergleich zu Screenshots der US-Fassung könnte man meinen, dass bei dem Krieg auf Stroggos kaum Menschen umkommen und die Stroggs auch keine Experimente mit ihnen machen, somit wirkt das Spiel überraschend harmlos. Auch wenn Publisher Activision gegenüber Golem.de behauptete, die britische Version nicht in Deutschland ausliefern zu wollen, war diese doch problemlos im Handel zu finden, zumindest bis zu ihrer Indizierung.

Screenshot #5
Screenshot #5
Während des Spielens kommt in einem schnell der Wunsch nach einem kooperativen Mehrspielermodus auf. Ob und wann ein derartiger Modus für die PC-Fassung erscheint, ist bisher nicht klar. Das Spiel selbst ist jedoch bereits für Modifikationen vorbereitet, so dass die Hoffnung besteht, dass zumindest Mod-Entwickler diese Funktion nachrüsten könnten. Ein entsprechendes Software Development Kit (SDK) zur Entwicklung von Mods ist erst kürzlich erschienen.

Der Multiplayer-Part ist etwas dürftig ausgefallen, es gibt nur wenige Karten, von denen einige zudem von Vorgängerspielen wiederaufbereitet wurden, es fehlt außerdem eine Bot-Unterstützung und das Spielverhalten entspricht nicht ganz dem der Einspielerkampagne. Der Multiplayer-Modus spielt sich eher wie Quake 3 Arena und die Karten sind recht klein und auf schnelle Action ausgerichtet. An die Weitläufigkeit der Quake-3-Erweiterung Team Arena kommt Quake 4 dabei leider nicht heran.

Gravierender ist jedoch, dass die deutsche Spielversion nicht mit der US/UK-Fassung in Verbindung treten kann. So fanden sich während des Testens im Spiele-Browser nur drei Server, die zudem leer waren. Dabei gibt es laut Serverliste über 2000 Quake-4-Server, nur stehen die dem Spieler der deutschen Version nicht zur Verfügung. Einigen Foren zufolge soll es zuweilen zwar fünf bis sieben Server geben, aber auch das ist nicht gerade beeindruckend.

Screenshot #6
Screenshot #6
Als Mindestvoraussetzung zum Spielen gibt Activision eine Grafikkarte vom Typ Radeon X300 oder GeForce 3 an. Spielbar dürfte Quake 4 im Einspielermodus auf einem so konfigurierten System jedoch nicht sein, gerade in Außenleveln oder bei Unterstützung durch Kameraden bricht die Bildrate recht schnell ein. Der Mehrspielerpart dagegen ist grafisch nicht sonderlich anspruchsvoll, hier geht es in erster Linie um Geschwindigkeit, so dass ein Detailgrad wie in der Einspielerkampagne fehl am Platze wäre.

Die Grafik kann durch ihre düstere Atmosphäre überzeugen und ist meist sehr detailliert, wirkt in Außenleveln jedoch zuweilen etwas klobig. Sonderlich weitläufig sind die Szenarien dabei nicht: Gelegentlich schaut man aus dem Fenster auf eine simple Textur, die die Umgebung darstellen soll, echte Details fehlen hingegen. Die ab und an doch etwas undetaillierten Umgebungstexturen (vor allem bei Außenleveln) fallen bei der Geschwindigkeit des Spiels aber kaum auf.

Screenshot #7
Screenshot #7
Schön anzusehen sind die Spieleszenen, in denen man sich mit einem kompletten Squad durch dunkle Räume bewegt, jedes Teammitglied hat dabei seinen eigenen Lichtkegel. Die Spielfiguren sehen ebenfalls sehr gut aus, sind sehr detailliert und bewegen sich realistisch. Die düstere Grafik und die immer noch recht beeindruckenden Schatteneffekte kaschieren gekonnt die ein oder andere Schwäche der Doom-3-Engine.

Bei älterer Hardware sollte einiges an Bildqualität heruntergedrosselt werden. Hierbei sollte man als Erstes die Schatten deaktivieren, da diese besonders viel Leistung kosten - der "Tod durch Ruckeln" ist sonst allgegenwärtig. Das Abschalten von Bump-Mapping dagegen kostet einiges an Atmosphäre, bringt aber kaum mehr Leistung. Die Köpfe der Protagonisten werden ohne Bump-Mapping ungewohnt eckig, was insbesondere in den Zwischensequenzen stört.

Screenshot #8
Screenshot #8
Dass nicht nur die Grafik für eine gute Atmosphäre sorgen kann, sondern auch Umgebungsgeräusche sehr wichtig sind, beweist Quake 4 recht eindrucksvoll. Der fast ständig laufende Funkverkehr und die regelmäßige Unterstützung von anderen Soldaten aus dem eigenen oder einem anderen Squad, die ebenfalls Kommentare zu ihrem Besten geben, tragen zur richtigen Stimmung bei. Zudem sorgt ein ständiges Bombardement und der um einen herum tobende Krieg ebenfalls für die richtige Stimmung, die am Anfang - sicher nicht ungewollt - Assoziationen mit dem Film "Starship Troopers" weckt.

Die Sound-Untermalung ist recht gut gelungen. Da sich Activision eine Übersetzung der lippensynchron gelungenen Sprachausgabe gespart hat, sind auch keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten - wer kein Englisch versteht, wird allerdings einiges an Atmosphäre einbüßen. Das Handbuch selbst ist auf Deutsch, aber nicht der Rede wert.

Während des Tests kam es bis auf die Multiplayer-Probleme zu keinen Ungereimtheiten durch Fehler im Spiel, auch Abstürze sind nicht vorgekommen. Der erste Patch ist trotzdem schon erschienen und soll einige Verbesserungen mit sich bringen. Der Retailpatch 1.04 und das SDK sind unter anderem bei 3DGamers oder als Torrent bei Filerush zu finden.

Die PC-DVD-ROM der getesteten deutschen Version (USK 16) von Quake 4 ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 45,- Euro. In Kürze wird Quake 4 auch für die Xbox 360 erscheinen, diese Spielversion lag uns noch nicht vor.

Fazit:
Quake 4 macht im Einzelspielermodus anfangs durch die dichte Atmosphäre noch ordentlich Spaß, lässt später jedoch merklich nach. Die mittelmäßigen Rätsel helfen dem Spielspaß nicht gerade und die zwischendurch auftretenden Fahrzeugeinsätze verlieren mit der Zeit auch ihren Reiz. Die zur Auflockerung gedachten Fahrzeugszenen hätte Raven Software zumindest teilweise kürzen sollen.

Da sich die deutsche Spielversion mit einem Großteil der Quake-4-Server nicht verbinden kann, ist der Mehrspielermodus derzeit alles andere als attraktiv. Activision sollte wenigstens selbst einige Server eröffnen, schließlich verkauft man ein multiplayertaugliches Spiel. Auch die Kartenauswahl ist noch recht klein ausgefallen, zudem sind einige nur Remakes.

Insgesamt handelt es sich bei Quake 4 um ein gutes Spiel, das unter den nur durchschnittlichen Außenleveln und dem praktisch nicht vorhandenden Multiplayer-Modus leidet sowie durch die allzu harmlose Darstellung des Krieges gegen die Stroggs auch einiges an Atmosphäre einbüßt.  (ase)


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Links zum Artikel:
Activision (.com): http://www.activision.com
id Software (.com): http://www.idsoftware.com/
Offizielle Quake 4 Homepage (.com): http://www.quake4game.com
Raven Software (.com): http://www.ravensoft.com

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