Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41681.html    Veröffentlicht: 16.11.2005 15:37    Kurz-URL: https://glm.io/41681

Studie: Kaum einer will für Handy-Fernsehen bezahlen

Flatrate-Modelle stoßen in Deutschland auf wenig Gegenliebe

Fernsehen auf dem Handy hat bei den Verbrauchern derzeit noch einen schweren Stand, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 könnte jedoch eine geeignete Plattform sein, um das "Mobile TV" erfolgreich an den Mann zu bringen. Zu diesem Schluss kommt die Managementberatung A.T. Kearney zusammen mit der Cambridge University in ihrer Mobinet-Studie 2005.

Derzeit seien nur 11 Prozent der Westeuropäer und 7 Prozent der Nordamerikaner laut Mobinet-Studie bereit, für Handy-Fernsehen auch zu bezahlen, während beispielsweise 32 Prozent der Mittel- und Südamerikaner sowie 25 Prozent der Asiaten, Russen und Osteuropäer für mobile TV-Angebote bezahlen würden.

"Die Zahlungsbereitschaft in Deutschland und Westeuropa ist im weltweiten Vergleich sehr gering, was angesichts der vielfältigen Free-TV-Landschaft in Deutschland auch nicht weiter verwundert. Die Marktteilnehmer sollten diese Ergebnisse nutzen, um ihre Vermarktungsstrategien noch einmal genau zu analysieren", kommentiert Dr. Martin Sonnenschein, als Vice President bei A.T. Kearney in Zentraleuropa verantwortlich für den Bereich Telekommunikation und Hightech, die Ergebnisse der Studie. Ein Ereignis wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 biete aber eine ideale Plattform, um "Mobile TV" voranzubringen.

Während dieses Ergebnis mit Blick auf die Markteinführung von Handy-TV ernüchternd wirkt, übertrifft Deutschland mit 77 Prozent Wachstum die durchschnittlichen westeuropäischen (71 Prozent) und weltweiten Zuwachsraten (56 Prozent) in der regelmäßigen Nutzung von mobilem Internet und E-Mail. Auch bei mobilen Musik-Downloads erzielte Deutschland in den letzten zwölf Monaten Wachstumsraten, die mit 79 Prozent weit über den westeuropäischen bzw. weltweiten Steigerungsraten von 60 bzw. 57 Prozent liegen.

Gleichzeitig wachsen aber auch die Ansprüche der Kunden in Sachen Preis und inhaltlicher Qualität. Der Anteil der Befragten, die über eine schlechte Qualität der Dienste klagen, habe sich in den letzten zwölf Monaten verfünffacht.

Rund 59 Prozent der in Deutschland genutzten Handys sei innerhalb der letzten zwölf Monate angeschafft worden, bei erwartungsgemäß deutlich steigendem Anteil von Kamera-Handys mit Farbdisplays, schließlich weist die überwiegende Mehrzahl aller Mobiltelefone am Markt diese Eigenschaften auf. Deutschland liegt damit weltweit im Durchschnitt, wobei der länderspezifische Vergleich einen für Handy-Hersteller und Netzbetreiber erfreulichen Schluss zulasse, so Sonnenschein: "Entgegen den Erwartungen ist der Anteil der erst kürzlich gekauften Handys in Ländern ohne Subventionsmodell nur unwesentlich geringer." So liegt dieser Anteil in Italien ohne Netzbetreiber-Subvention bei 61 Prozent, in Großbritannien mit starker Netzbetreiber-Subvention dagegen bei 69 Prozent.

Zu hohe Kosten führen bei einem Drittel aller Handy-Nutzer weltweit zu Bedenken gegen mobile Datendienste. Knapp die Hälfte der Befragten ist nicht bereit, dafür mehr als 5,- US-Dollar pro Monat zu investieren. Auch die Preismodelle selbst müssten der Studie zufolge noch stärker auf die jeweils aktuellen Kundenwünsche zugeschnitten und immer wieder hinterfragt werden: "Entgegen den Erwartungen ergibt die Mobinet-Umfrage in Westeuropa und ganz besonders in Deutschland eine deutliche Ablehnung von Flatrate-Modellen und eine klare Bevorzugung von zeitbasierten Postpaid-Modellen", so Axel Freyberg, Vice President bei A.T. Kearney im Bereich Telekommunikation und Hightech. "Wir vermuten, dass dies auch mit den unattraktiven Flatrate-Angeboten zusammenhängt, deren Durchschnittspreise im europäischen Vergleich extrem heterogen sind."

Das Mobinet-Forschungsprojekt wurde im Juni 2000 von der Managementberatung A.T. Kearney und der Judge Business School der Cambridge University ins Leben gerufen. Für die aktuelle Untersuchung wurden etwa 4.000 Interviews mit Handy-Nutzern in 21 Ländern geführt.  (ji)


Verwandte Artikel:
Experten: Handy-TV braucht neue Inhalte   
(31.10.2005, https://glm.io/41308 )
TV-Rechte: Olympische Spiele 2006 und 2008 auf dem Handy   
(04.08.2005, https://glm.io/39655 )
Pisa: Einsatz von Computern an deutschen Schulen mangelhaft   
(07.12.2004, https://glm.io/35051 )
Studie: Radikales Umdenken der Musikindustrie erforderlich   
(02.03.2004, https://glm.io/30050 )
Nokia N92 - Fernseh-Handy für DVB-H kommt 2006   
(02.11.2005, https://glm.io/41371 )

Links zum Artikel:
A.T. Kearney: http://www.atkearney.com

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/