Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41466.html    Veröffentlicht: 07.11.2005 13:35    Kurz-URL: https://glm.io/41466

Tödliche Erschöpfung durch Dauerspielen

Gilde hielt Andacht für "Snowy" in World of Warcraft

Das exzessive Spielen des Online-Rollenspiels World of Warcraft hat im Oktober 2005 chinesischen Medienberichten zufolge zwei jungen Menschen das Leben gekostet. Wenige Monate zuvor soll bereits ein 28 Jahre junger koreanischer Mann nach einer 50-Stunden-Online-Spielesitzung an Herzversagen gestorben sein.

Das Mädchen soll vor seinem Tod am Nationalfeiertag im Oktober 2005 gleich mehrere Tage am Stück gespielt haben. Mitspielern zufolge bereitete sich das Mädchen auf eine harte, länger andauernde Quest ("Black Dragon Prince") vor. Einige Tage vor seinem Ableben soll es bereits gegenüber befreundeten Mitspielern angegeben haben, sehr müde zu sein.

Als "Snowy" war das als freundlich geltende Mädchen in zentraler Position in einer Gilde wichtige Ansprechpartnerin für Mitspieler und soll häufig online gewesen sein. Eine Woche nach seinem Tod wurde es von Freunden aus dem Spiel mit einer Andacht in World of Warcraft betrauert. Die Familie des Mädchens soll zu dem Vorfall bis jetzt keine Stellungnahme gemacht haben.

Kurz nach dem Ableben des Mädchens soll sich ein junger Mann - im chinesischen World of Warcraft war er als "Nan Ren Gu Shi" unterwegs - durch exzessives Spielen ebenfalls überanstrengt und an Herzversagen gestorben sein. Auf chinesischen Fansites finden sich auf Grund der Vorkommnisse seit kurzem auch Warnungen, die eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen und dem eigenen Körper nachts Schlaf zu gönnen.

Die gesundheitlichen Folgen von Schlafentzug, Stress und dem pausenlosen Sitzen vor dem Rechner sollten nicht unterschätzt werden, wie aus den Meldungen abzuleiten ist. Auffällig ist, wie häufig derartige Meldungen aus dem asiatischen Raum zu uns dringen - berücksichtigt man allerdings, wie viel mehr Menschen dort im Vergleich zu den USA und Europa ihre Freizeit in Online-Spielen verbringen, so relativiert sich dies wieder. Online-Spiele scheinen in Asien mehr zum alltäglichen Leben zu zählen als etwa in Deutschland; in Korea soll es beispielsweise eher ungewöhnlich sein, kein Online-Spiel zu spielen.

Bei den Meldungen um Online-Spielsucht und exzessives Spielen unter Vernachlässigung der eigenen Gesundheit verwundert es nicht, dass die chinesische Regierung die Online-Spiel-Anbieter per gesetzlicher Regelung dazu verdonnert hat, eine zu lange Spielzeit unattraktiv für Minderjährige zu machen - als ungesund eingestuft wurde dabei ein Spielen für länger als 5 Stunden am Stück.

Das vor allem dem Jugendschutz dienende System ging am 20. Oktober 2005 in die Testphase. Owohl die sieben größten chinesischen Anbieter sich der Regelung gebeugt haben, sind sie nicht sonderlich glücklich damit - kein Wunder, in China gibt es keine monatlichen Abonnements, sondern es wird über Spielkarten nach Online-Stunden berechnet.  (ck)


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Links zum Artikel:
China View - Death of net game addicts alert others (.com): http://news.xinhuanet.com/english/2005-11/01/content_3714003.htm
Yahoo China - Bericht über das Ableben von Snowly (.com): http://cn.news.yahoo.com/051102/481/2funz.html

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