Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41406.html    Veröffentlicht: 04.11.2005 14:28    Kurz-URL: https://glm.io/41406

Spieletest: Civilization IV - Nationenbau in 3D

Neue Präsentation, bekanntes Gameplay

Wer schon auf eine längere Vergangenheit als PC-Spieler zurückblicken kann, wird bei Namen wie Sid Meier und Civilization entweder leuchtende Augen bekommen oder gelangweilt abwinken - das epische rundenbasierte Strategiespiel fasziniert seit 15 Jahren unzählige Spieler, war für viele aber auch schon immer ein deutlich zu komplexes Unterfangen. Civilization IV bewahrt daher die bekannten Stärken der Reihe, versucht sich gleichzeitig aber zugänglicher zu präsentieren - und lockt mit neuer 3D-Grafik.

Civilization IV (PC)
Civilization IV (PC)
Natürlich ist das grundsätzliche Gameplay so altbekannt wie immer noch faszinierend: Als Herrscher einer Nation führt man sein Volk von der Steinzeit bis in die Moderne und darüber hinaus, übt sich in Forschung, Militär und Diplomatie, baut seinen Machtbereich immer weiter aus, pflegt die Kultur - und neuerdings auch die Religion. Letzteres ist eine der spürbarsten Neuerungen: Alle großen Glaubensrichtungen wie Buddhismus, Islam, Christentum und einiges mehr wurden in das Spiel integriert, natürlich ohne dass dabei eine Wertung vorgenommen wurde, welche Glaubensrichtung fortschrittlicher oder mächtiger ist. Komplexer sind dadurch aber die taktischen Möglichkeiten: Wer denselben Gott hat wie ein benachbartes Volk kann leichter Kontakte knüpfen, gleichzeitig sorgt ein fremder Glauben oder ein auf die Reise geschickter Missionar, der anderen Völkern seinen Glauben aufzwingen will, schnell für Unmut.

Screenshot #1
Screenshot #1
Der schiere Umfang ist einmal mehr gigantisch und bietet bereits zu Beginn zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten: 18 Nationen stehen zur Wahl, angefangen bei Deutschland und England über Indien bis hin zum Inka-Reich reicht die Palette. Hinzu kommen knapp 30 Staatsoberhäupter, bei Deutschland etwa Bismarck und Friedrich der Große; alle Staatsmänner geben übrigens kurze und knappe Sprachfetzen in der jeweils authentischen Landessprache von sich und verpassen den Spiel zudem auch eine gewisse eigene Note: Ein Gandhi ist eher friedlich, ein Friedrich der Große sehr Kultur-verbunden.

Screenshot #2
Screenshot #2
Unabhängig von den Führungs-Charakteren stehen dem Spieler natürlich unzählige Kombination für die Errichtung der eigenen Regierung und der politischen Marschvorgabe zur Verfügung - autoritäres Regime oder Demokratie, freie Marktwirtschaft oder alles nach Plan, hochgezogene Grenzen oder freier Austausch - praktisch alles ist möglich und lässt sich auch in den seltsamsten Formen miteinander kombinieren.

Screenshot #3
Screenshot #3
Altbekannt - und immer noch nicht wirklich übersichtlich - ist der Technologie-Baum, der Alptraum eines jeden Strategiespiel-Neulings. Hier wird aufgelistet, welche Erfindungen gemacht und was erforscht werden kann, um die eigene Nation voran zu bringen. Schlüsseltechnologien sind nun teils aber auf unterschiedlichen Wegen zu erreichen, zudem gibt es keine unbedingte Epochenbindung mehr - nicht alles muss also wirklich zu "realistischen" Zeiten erforscht werden, sondern kann auch zu früheren oder späteren Zeitpunkten passieren.

Freunde von Mikromanagement haben natürlich auch wieder viel zu tun: Knapp 30 Ressourcen müssen verwaltet, über 80 verschiedene Einheiten-Typen überblickt werden. Jede Nation hat neben den gängigen Typen zudem noch eine eigene und nur ihr vorbehaltene Einheit zu bieten, und sämtliche Einheiten besitzen neuerdings nur noch einen Stärke-Wert, der je nach Situation variiert. Was die Sache allerdings richtig interessant macht sind die neuen Beförderungen, die man den Einheiten spendieren kann - sie sind immens vielseitig und machen die eigenen Truppen im Kampf zu Spezialisten in bestimmten Bereichen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die neue detaillierte Grafik macht es nicht nur möglich, Spannungen und Probleme innerhalb der eigenen Städte anhand von kleinen Animationen zu verdeutlichen. Auch die diversen Ausbaustufen von Gebäuden, die natürlich wieder vorhandenen Weltwunder (inklusive der sie einleitenden Kurzfilme) und die "großen Persönlichkeiten", die es etwa in den bereichen Forschung und Kunst gibt, werden wunderbar visualisiert. Überhaupt ist die Optik eine Klasse für sich: Die 3D-Welt bietet unzählige Details, etwa animierte Windmühlen oder kleine Rauchschwaden über der Stadt. Wer nicht so dicht heranzoomen will, kann sich natürlich auch einfach die Weltkugel anzeigen - was dann allerdings etwas unübersichtlich wird, sobald viele Völker um die Vorherrschaft konkurrieren.

Screenshot #5
Screenshot #5
Insgesamt ist Civilization IV etwas nachvollziehbarer geworden als etwa der dritte Teil. Es gibt keine ganz so groben Ungereimtheiten beim Kampf diverser Einheiten untereinander mehr und auch die Diplomatie gestaltet sich verständlicher - Übersichtsscreens geben jederzeit detailliert Auskunft darüber, mit welchen Völkern man sich gut versteht, wer einem demnächst den Krieg erklären könnte und wo es Verständigungsprobleme gibt. Auch einige von vielen Spielern wenig geliebte Probleme wie die Umweltverschmutzung oder Aufstände kompletter Städte wurden entfernt oder angegangen.

Screenshot #6
Screenshot #6
Neben dem wirklich riesigen Einzelspieler-Modus bietet Civilization IV auch einen sehr komplexen Multiplayer-Part mit abwechlungsreichen Modi. Ob per LAN oder Internet, gleichzeitig oder nacheinander oder sogar per E-Mail - die Möglichkeiten sind riesig, der Zeitaufwand aber natürlich auch. Andererseits war Civilization aber noch nie das perfekte Spiel für "zwischendurch" und das wird es natürlich auch mit Teil 4 nicht werden.

Civilization IV ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 50 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten.

Fazit:
Civilization bleibt sich treu - auch Teil 4 wird vor allem die Spieler zufrieden stellen, die sich bereits mit den Vorgängern monatelang vergnügt haben. Gleichzeitig ist es Firaxis aber gelungen, sinnvolle Neuerungen einzubauen: Die Optik begeistert mit beeindruckendem Detailreichtum und neuer Übersichtlichkeit, die Bedienung ist einfacher und intuitiver. Zahllose Kombinationsmöglchkeiten, etwa beim Regierungsbaukasten, lassen dem Spieler viel mehr Freiheit und laden förmlich zu wilden Experimenten ein. Kurzum: Das berühmte und weiterhin süchtig machende Spielprinzip wurde an die aktuellen technischen und spielerischen Gegebenheiten angepasst - und verliert dadurch auch anno 2005 nichts von seiner Faszination.  (tw)


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