Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41399.html    Veröffentlicht: 03.11.2005 12:27    Kurz-URL: https://glm.io/41399

S3 Graphics: Mit Chrome S27 gegen GeForce 6600

Eigene SLI-Technik namens "MultiChrome" für PCI-Express

S3 Graphics hat seine bereits erwartete neue Generation an Chrome-Grafikchips nun offiziell vorgestellt, gefertigt wird sie bereits von Fujitsu. Mit dem Chrome S25 will S3 vor allem im Media-Center-Bereich punkten, während es der sehr hoch getaktete Chrome S27 mit Nvidias erfolgreichem GeForce 6600 aufnehmen soll - auch auf SLI muss dabei nicht verzichtet werden.

Chips der Chrome-S20-Serie
Chips der Chrome-S20-Serie
Mit dem für die untere bis mittlere Preis-Leistungs-Klasse gedachten Chrome-Chips S25 und 27 wendet sich S3 Graphics ab von AGP, es wird nur PCI-Express unterstützt. Während Nvidia und seit Kurzem auch ATI in ihren aktuellen Grafikchips für DirectX-9-Effekte Shader-Model 3.0 ausgelegt sind, setzt S3 Graphics beim S25 und S27 noch auf das Shader-Model 2.0. Sowohl der S25 als auch der S27 besitzen 8 Pixel- und 4 Vertex-Shader, die auch für Echtzeit-Video-Aufbereitung - z.B. zum Schärfen, für Farbfilter und De-Blocking - genutzt werden können.

Der Hersteller fügte entsprechend noch einige S3-spezifische Shader-2.0-Erweiterungen hinzu, die S3 für Video-Effekte nutzt. Dazu zählen "Programmable Render Target Blending", "Programmable per pixel Gamma Correction/Depth Shading", "Programmable Selective Depth-of-Field" und "Programmable Depth-Cued Fog Color". Ob auch Spieleentwickler diese Funktionen nutzen werden, bleibt abzuwarten.

S25/S27-Grafikkarte (mit entferntem Lüfter)
S25/S27-Grafikkarte (mit entferntem Lüfter)
Bei der Video-Darstellung soll S3s neue Chromotion-3.0-Engine dem Prozessor nicht nur bei der MPEG-2- sondern auch bei der WMV-HD-Dekodierung unter die Arme greifen und dabei den Rechner stärker entlasten als es bei der GeForce 6600 der Fall ist. Selbst mit einem Chrome S25 soll die Systemlast bei hochauflösenden WMV-Filmen bei unter 30 Prozent bleiben.

Darüber hinaus vermeidet S3 die Farbraum-Konvertierung von YUV nach RGB, was die Wiedergabequalität verbessern soll. Um 4.3-Inhalte im Vollbild besser auf Breitbild-Displays wiedergeben zu können, unterstützen S25 und S27 eine nichtlineare Skalierung: Die im Fokus liegende Bildmitte wird dabei weniger verzerrt als die Ränder, so dass die Effekte des "Breiterziehens" des ursprünglichen 4:3-Videobildes weniger negativ auffallen sollen.

Erste Karten kommen mit Lüfter
Erste Karten kommen mit Lüfter
Der Chrome S25 und der Chrome S27 unterscheiden sich in den Taktraten, beim Speicherinterface und beim zum Einsatz kommenden Speicher. S3 Graphics gegen Nvidias GeForce 6600 gestellter Mittelklasse-Grafikchip S27 ist mit 700 MHz getaktet, der über ein 128-Bit-Speicherinterface angebundene Grafikspeicher wird mit 350 MHz getaktet - Hersteller können DDR1-, DDR2- oder DDR3-Speicherchips auf ihren S27-Grafikkarten verwenden.

Zumindest im 3DMark 05, in Battlefield 2, Far Cry und Half-Life 2 soll der S27 den GeForce 6600 mal mehr, mal weniger deutlich übertrumpfen. Allerdings ist der GeForce 6600 auch schon etwa ein Jahr auf dem Markt. In Doom 3 unterliegt der S27 aber dem Nvidia-Chip, wie S3 gegenüber Golem.de angab. Um mehr Leistung zu erzielen, können zwei S27-Grafikkarten in einem Mainboard mit zwei PCI-Express-Grafiksteckplätzen (PEG) betrieben werden. Was bei ATI Crossfire und bei Nvidia SLI heißt, nennt S3 "MultiChrome". Im S27-Doppelpack soll maximal die 1,85-fache Leistung einer einzelnen Karte erreicht werden, in der Regel soll MultiChrome eine etwa 1,6-fache Steigerung erbringen. Kabelverbindungen oder spezielle Mainboard-Chipsätze sind nicht nötig, so S3.

S3-Graphics-Tabelle zur Chrome-S27-Leistung
S3-Graphics-Tabelle zur Chrome-S27-Leistung
Für den Low-End-Bereich und vor allem für den Einsatz in Media-Center-PCs ist der Chrome S25 gedacht, der kein MultiChrome unterstützt. S3 zufolge wird der S25 mit 600 MHz oder etwas höher getaktet, den Speichertakt (max. 200 MHz) und die Speicheranbindung (32/64/128 Bit) sind weitgehend dem Grafikkarten-Hersteller überlassen. Zum Einsatz kommen entweder DDR1- oder DDR2-Speicher. Bei geringem Speicherausbau kann zusätzlich auch eine Shared-Memory-Funktion namens AcceleRAM genutzt werden, die Nvidias Turbocache und ATIs HyperMemory entspricht und einen Teil des Hauptspeichers als Grafikspeicher nutzt.

Passiv gekühlte Karten sollen nicht nur mit dem S25 sondern auch mit dem S27 möglich sein. Zudem verspricht S3 einen besonders niedrigen Stromverbrauch, die neuen Chrome-Karten sollen ohne zusätzliche Stromversorgung auskommen und nur per PCI-Express-Steckplatz versorgt werden. Möglich ist dies dank des 90-nm-Low-K-Fertigungsprozess und lediglich 50 respektive 70 Millionen Transistoren. Die ersten Karten werden aber alle mit Lüfter bestückt sein, obwohl einige Hersteller schon an passiven Lösungen arbeiten.

Zu den Schnittstellen der S25/S27-Grafikkarten zählen u.a. VGA, Dual-Link-DVI und Komponente (bis 1080p) - HDMI (DVI mit HDCP) soll über einen internen Anschluss unterstützt werden. Der Zweischirm-Betrieb wird ebenfalls unterstützt.

Die Produktion der neuen Chrome-Generation hat bereits begonnen. Während in China bereits erste darauf basierende Grafikkarten ab November und in den USA voraussichtlich ab Dezember 2005 erhältlich sein werden, muss man sich S3 zufolge in Europa noch bis zum ersten Quartal 2006 gedulden. Die Chrome-S27-Grafikkarten sollen mit 128 MByte Speicher für unter 100,- US-Dollar zu haben sein.  (ck)


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Links zum Artikel:
S3 Graphics (.com): http://www.s3graphics.com

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