Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0511/41350.html    Veröffentlicht: 01.11.2005 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/41350

Sony BMGs DRM-System nistet sich wie Schadsoftware ein

DRM-Software nimmt umfangreiche Änderungen am System vor

Auf zumindest einer Musik-CD des Platten-Labels Sony BMG befindet sich eine DRM-Software (Digital Rights Management), die sich so tief ins System einbindet, wie man es sonst nur von Schadsoftware kennt. Bemerkt hat dies der Chef der Softwareschmiede Winternals, der seine Erfahrungen ausführlich in einem Blog-Eintrag beschreibt. Sony BMGs DRM-Software gibt sich viel Mühe, damit der normale Anwender ihre Existenz nicht bemerkt.

Mark Russinovich, Chief Software Architect und Mitbegründer von Winternals Software, stieß bei Software-Tests eher zufällig auf versteckte Registry-Einträge auf einem Rechner-System, auf dem nur Applikationen aus vertrauenswürdigen Quellen installiert wurden. Nach etlichen Nachforschungen fand Russinovich heraus, dass sich verschiedenartige Spuren von Applikationen auf seinem System fanden, die normalerweise für Schadsoftware kennzeichnend sind.

Nach den Recherchen von Russinovich stammen die Daten von einer DRM-Software der Musik-CD "Get Right with the Man" von den "Van Zant Brothers" aus dem Hause Sony BMG. Die Software installiert sich ohne Information, sobald die CD am PC abgespielt wird. Dazu nistet sich die DRM-Software so in das System ein, dass sie sich nicht ohne weiteres deinstallieren lässt. Außerdem versucht die Software ihre Existenz zu verschleiern, so dass der durchschnittliche Anwender davon nichts bemerkt.

Auch wenn sich die DRM-Software nicht ohne weiteres deinstallieren lässt, versuchte Russinovich dennoch, die Software los zu werden. Trotz seiner Fachkenntnis war das Ergebnis zunächst ernüchternd: Nachdem er zahlreiche Einträge in der Registry entfernt hatte, um die Software vom System zu schmeißen, stellte er fest, dass sein CD-Laufwerk bzw. DVD-Laufwerk nicht mehr korrekt funktionierte. So kostete es weitere Mühe, bis sich das Laufwerk wieder zum Leben erwecken ließ.

Dies zeigt, wie stark sich DRM-Software in diesem Fall in ein System einnistet, wobei klar zu erkennen ist, dass der normale Anwender keine Chance erhält, solche Software wieder zu deinstallieren. Russinovich bezeichnet die Software auch aus weiteren Gründen als schlecht geschrieben, sie würde nicht nur die Systemlast erhöhen - selbst bei Inaktivität koste sie noch 1 bis 2 Prozent Prozessor-Leistung - sondern durch eigene Schwächen auch potenzielle Sicherheitslücken öffnen.

Ob die von Russinovich gemachten Beobachtungen auch auf andere Musik-CDs aus dem Hause Sony BMG oder von anderen Herstellern zutreffen, ist derzeit nicht bekannt. "Obwohl ich denke, dass die Medien-Industrie das Recht auf die Nutzung von Kopierschutzmechanismen hat, um das illegale Kopieren zu unterbinden, denke ich nicht, dass wir schon die richtige Balance aus Privatkopie und Kopierschutz gefunden haben. In diesem Fall hat Sony BMG DRM eindeutig zu weit getrieben", so Russinovich abschließend in seinem Blog.  (ip)


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Links zum Artikel:
Mark's Sysinternals Blog - Sony, Rootkits and DRM gone too far (.com): http://www.sysinternals.com/blog/2005/10/sony-rootkits-and-digital-rights.html
Sony (.com): http://www.sony.com

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