Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/41308.html    Veröffentlicht: 31.10.2005 08:45    Kurz-URL: https://glm.io/41308

Experten: Handy-TV braucht neue Inhalte

Rückkanal sollte für interaktive Anwendungen genutzt werden

Auf den Medientagen München 2005, die vom 26. bis 28. Oktober 2005 liefen, diskutierten Marktteilnehmer und Experten unter über über die Chancen von Mobilen Inhalten wie dem Handy-Fernsehen, beispielsweise über DVB-H. Die dafür erforderlichen Inhalte müssen nicht nur technisch auf das Format angepasst werden sondern vor allem auch neue Inhalte entwickelt werden, die der kurzen Nutzungsdauer auf Mobilgeräten entsprechen.

Die Umsätze mit mobilen Inhalten sind derzeit noch bescheiden, doch rechnet man dennoch damit, das es sich dabei um einen zukünftigen Wachstumsmarkt handelt, darin waren sich die Panelteilnehmer bei den Medientagen München einig. Die Erfolgskriterien für diesen Markt seien gute Inhalte und flexiblere Modelle in der Wertschöpfungskette, so die Teilnehmer.

"Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber Mobile Media wird ein Wachstumsmarkt bleiben", prognostizierte Thomas Künstner, Partner bei Booz Allen Hamilton, in seiner Einführung. Ein Erfolg wie in Südkorea, wo es bereits ein Angebot von elf Video- und 26 Audiokanälen für Mobile TV gebe, ließe sich hier nicht erzielen. In Südkorea gibt es derzeit etwa 200.000 Kunden, die zehn Euro pro Monat zahlen. Für Deutschland rechne er zunächst mit einem Umsatzpotenzial von 200 bis 300 Millionen Euro 2007.

Um die Potenziale voll auszuschöpfen, "brauchen wir gute, zielgruppenspezifische Programm-Marken", betonte Dr. Susanne Stürmer, Director Corporate Affairs Ufa Film & TV Produktion. Neben bekannten Programmen wie "Gute Zeiten schlechte Zeiten", die bereits vom Handy abrufbar ist, arbeite die Ufa zur Zeit an originären Inhalten nur für das Handy. Denkbar wären zum Beispiel zwei bis dreiminütige Soaps, die eine eigene kleine Geschichte erzählten.

Wolfgang Kasper, Direktor Mobile Business RTL interactive, zeigte sich dagegen skeptisch, ob die Mobilfunkbetreiber überhaupt bereit seien, noch unbekannte Programme auf das Handy zu bringen. "Im Unterschied zu bekannten Programmen wie "GZSZ" oder "RTL aktuell", die wir bereits für Mobilfunkbetreiber zusammenstellen, muss hier erst Bekanntheit entstehen. Wie will man die erzeugen, wenn nicht durch das Fernsehen?", gab er zu bedenken.

Auch Henrik Rinnert, Geschäftsführer der im September 2005 gegründeten MFD ­ Mobiles Fernsehen Deutschland, war der Ansicht: "Es gibt bereits guten Content, der auch für mobiles Fernsehen geeignet ist. Aber natürlich sind gewisse Formen der Adaption oder Bearbeitung nötig." Dies bestätigte Kasper aus Erfahrung. So würde z.B. "RTL aktuell" für das Handy extra gedreht, weil die Kameraschwenks langsamer sein und auch Peter Kloeppel anders sprechen müsse.

Doch die Verfügbarkeit von Programm allein reiche nicht aus, so der Tenor des Podiums. Die Möglichkeiten der Interaktion, die die DVB-H und DMB (Digital Multimedia Broadcasting) bieten, müssten voll ausgeschöpft werden. "Durch den direkten Rückkanal tun sich ungeahnte Möglichkeiten der Zuschauerbindung auf", erklärte Frederic Westerberg, Managing Partner Brand New World. "Plötzlich weiß man genau, wie das Seherverhalten aussieht und kann in Zukunft Angebote wie auch Werbung direkt auf das Kundensegment zuschneiden."  (ad)


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