Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/41287.html    Veröffentlicht: 28.10.2005 10:20    Kurz-URL: https://glm.io/41287

Linux-Kernel 2.6.14 mit verbesserter Drahtlos-Unterstützung

Neuer Kernel mit FUSE und neuen Treibern

Der neue Linux-Kernel unterstützt das "File System in Userspace" (FUSE) und bringt eine neue Version der Wireless-Extensions mit. Passend dazu wurde das HostAP-System integriert, mit dem Linux zum Access Point wird. Neu sind zudem die Dateisysteme relayfs, v9fs sowie securityfs. Neben etlichen neuen Treibern kann Linux nun außerdem Daten beim Suspend-to-Disk-Vorgang verschlüsseln, so dass nach dem Aufwachen keine lesbaren Daten auf der Swap-Partition verbleiben.

Auch bei der neuen Kernel-Version 2.6.14 macht sich bemerkbar, dass kein separater 2.7-Entwicklungszweig mehr geführt wird, sondern experimentelle Funktionen von Andrew Morton in seinen Kernel-Zweig aufgenommen werden. Neue Funktionen gelangen so viel schneller in den stabilen Kernel und so wartet auch Kernel 2.6.14, neben Fehlerkorrekturen, mit einigen Neuerungen auf.

Auf Seiten der Wireless-Unterstützung gab es gleich mehrere Änderungen: So wurden die Wireless-Extensions aktualisiert und das IEEE80211-Subsystem integriert, das beispielsweise von den ipw-Modulen für Intels Centrino-WLAN benötigt wird. Das ebenfalls neu hinzugekommene HostAP-System für Prism-Chipsätze, mit dem man einen Linux-Rechner als Access Point betreiben kann, setzt ebenfalls auf das IEEE80211-Subsystem.

Das neu hinzugefügte "File System in Userspace", kurz FUSE, ist ein Modul, mit dem Nutzer unabhängig vom Kernel eigene Dateisysteme erstellen können. Dies können auch virtuelle Dateisysteme sein, die nicht selbst Daten speichern, sondern auf ein bereits existierendes Dateisystem zugreifen. So gibt es für FUSE unter anderem GmailFS, mit dem sich unter Linux ein Gmail-Konto als Dateisystem mounten lässt. Dieser in Python realisierte Aufsatz nutzt FUSE im Userspace, um ein Dateisystem zu erstellen, auf das der Nutzer wie gewohnt zugreifen kann. Neu sind weiterhin die Dateisysteme relayfs, v9fs und securityfs, wobei es sich bei v9fs ebenfalls um ein Userspace-Dateisystem handelt, welches auf dem 9P-Protokoll von Plan 9 basiert.

Die Kernel-Entwickler widmeten sich überdies einigen Treibern. Der SATA-Treiber beispielsweise unterstützt weitere Chips, darunter zwei neue Promise- und einige Marvell-Chipsätze, wobei deren Unterstützung bisher nur rudimentär sein soll. Auch SATA-CD-Laufwerke lassen sich nun mittels der SATA-ATAPI-Unterstützung betreiben.

Interessant für alle Laptop-Besitzer ist die neue Verschlüsselungsfunktion bei Suspend-to-Disk. Während des Suspend-Vorganges wird ein temporärer Schlüssel erstellt, mit dem die auf die Swap-Partition geschriebenen Daten verschlüsselt werden. Beim Aufwachen und Einlesen der Daten wird dieser Schlüssel wieder zerstört, so dass eventuell auf der Swap-Partition verbliebene, sensible Daten nicht mehr gelesen werden können.

Des Weiteren ist das Alsa-Soundsystem jetzt in Version 1.0.10rc1 enthalten, das vor allem Verbesserungen für HD-Audio bringen soll. Besonders wurden hier Fehler im Hinblick auf Chipsätze behoben, die zwar zuvor schon als unterstützt galten, aber dennoch nicht richtig funktionierten. Änderungen am Direct Rendering Manager (DRM), der direkten Hardware-Zugriff ermöglicht, führen dazu, dass ab sofort 3D-Beschleunigung bei einigen ATI-Grafikchips wie Radeon 9700 oder Mobility M10 funktioniert. Ferner werden weitere VIA-Chips unterstützt.

Zusätzlich wurde eine ganze Reihe weiterer Treiber überarbeitet und aktualisiert, unter anderem die für diverse TV-Karten und DVB. Aber auch eine neue Version des NTFS-Treibers ist enthalten, die allerdings noch nicht mit verbesserter Schreibunterstützung aufwarten kann - dies wird wohl erst mit Kernel 2.6.15 der Fall sein. Weiterhin unterstützt der Linux-Kernel nun IBMs "Hard Drive Active Protection System" (HDAPS), das sich in modernen ThinkPads findet und bei Bewegungen des Laptops die Festplatte anhält und die Lese- sowie Schreibköpfe parkt, um eine Beschädigung der Festplatte zu verhindern. Eine ausführliche Übersicht über alle Änderungen gibt das 2,1 MByte große Changelog.

Linux 2.6.14 steht ab sofort als Patch oder komplette Version zum Download von kernel.org oder einem Mirror bereit.  (js)


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