Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/41190.html    Veröffentlicht: 24.10.2005 12:35    Kurz-URL: https://glm.io/41190

Eve Online - Neue Schiffe, neue Herausforderungen

Entwickler luden nach Island zum Eve Fanfest 2005

Man muss kein Science-Fiction-Fan sein, um beim Anflug auf das zerklüftete Island das Gefühl zu bekommen, auf einer anderen Welt zu landen. Diese kleine Welt ist nicht nur der Entstehungsort des Online-Rollenspiels Eve Online, sondern auch der Schauplatz für das vom Entwicklerstudio CCP veranstaltete Eve-Fan-Fest 2005 - dort wurde unter anderem eine Handheld-Version, die noch 2005 kommenden neuen Raumschiffe und die 2006 folgende Erweiterung Kali vorgestellt.

Red Moon Rising
Red Moon Rising
In der letzten Eve-Erweiterung, der "Cold War Edition", zog der kalte Krieg herauf. Mit der für Dezember 2005 angekündigten Erweiterung "Red Moon Rising" bewegt sich die Hintergrundgeschichte ein Stück weiter in Richtung Krieg, das Wettrüsten der Fraktionen tritt in die heiße Phase. Passend dazu kommen viele neue, leistungsfähigere Raumschiffe (Tech 2) und die lang erwarteten Flaggschiffe (Tech 1).

Riesenschiffe erlauben Refit im Weltraum
Riesenschiffe erlauben Refit im Weltraum
Zu den Flaggschiffen zählen Trägerschiffe und die noch größeren Mutterschiffe der Titanen-Klasse, die Hangars bereitstellen, besonders große Logistik-Module zur Unterstützung der Flotte nutzen können und X-Large-Drohnen mit sich bringen. Die Titanen-Superwaffen können auch ganze Flotten ausschalten - inklusive der eigenen, wenn nicht aufgepasst wird.

Vor allem im Kampf gegen feindliche Raumstationen und zur Unterstützung der eigenen Flotte sollen die Titanen gedacht sein. Unzerstörbar sind sie aber selbst nicht und erfordern zudem taktisches Vorgehen und die entsprechenden Fertigkeiten. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten werden wohl nur wenige Titanen durch Eve fliegen, vor allem größere Spieler-Unternehmen werden sie wohl im Kampf mit- und gegeneinander einsetzen.

Titanen-Superwaffe im Einsatz
Titanen-Superwaffe im Einsatz
Damit die Kämpfe in Zukunft etwas spannender werden, auch mal länger dauern und den Weg für künftige Strategie-Erweiterungen ebnen, werden ab "Red Moon Rising" vor allem die Verteidigung sowie entsprechende Schiffs-Module - darunter auch die "Damage Controls" - und Fertigkeiten eine größere Rolle spielen. CCP denkt darüber nach, Spielern später die Möglichkeit zu geben, Module überladen zu können oder gar auf spezielle Sub-Systeme feindlicher Schiffe zu zielen um diese ausschalten zu können. Das ist mit den bisherigen Kampfzeiten nicht möglich.

Ob es die Tech-2-Munition noch in Red Moon Rising schafft, kann CCP bisher noch nicht mit Sicherheit sagen. Auch ob die Firmenlogos der Spieler in Zukunft bei Nahansicht auf den Schiffen zu sehen sein werden, will CCP noch nicht versprechen, arbeitet aber daran. Auf jeden Fall sollen aber viele neue auswählbare Firmen-Logos hinzukommen.

CCP-Team im Gespräch mit Fans: Hilmar V. Petursson (CEO), Nathan 'Oveur' Richardsson (Senior Producer) und Húni Hinrichsen (Game-Designer).
CCP-Team im Gespräch mit Fans: Hilmar V. Petursson (CEO), Nathan 'Oveur' Richardsson (Senior Producer) und Húni Hinrichsen (Game-Designer).
Auch die Drohnen-Verwaltung soll noch etwas verbessert werden, in welchem Umfang dies bereits in "Red Moon Rising" geschieht, wollte CCP noch nicht verraten. Definitiv nicht im Spiel landen werden "Salvage Drones", stattdessen werden in Zukunft Traktor-Strahlen zum schnelleren Einsammeln von Beutekanistern zur Verfügung stehen. Wer in Zukunft Kanister anderer Spieler zerstört, an dem darf sich der Besitzer des Kanisters ab der neuen Erweiterung ohne Konsequenzen rächen.

Neue Herausforderungen sollen die komplett überarbeiteten computergesteuerten Gegner bieten - sie können fortan auch mal in Tech-2-Schiffen auftauchen, bis hoch zur Dreadnought-Klasse und die Energie der Spieler-Schiffe absaugen, um einen taktischen Vorteil zu erlangen. Dafür werden sie aber auch selbst anfälliger für elektronische Kriegsführung.

Auch Neues für Asteroiden-Schürfer
Auch Neues für Asteroiden-Schürfer
Nicht alles an Eve ist Kämpfen, auch für die Asteroiden-Schürfer und Hersteller im Spiel will CCP mit "Red Moon Rising" Einiges an Neuerungen liefern. Für das "Mining" werden vier neue Fertigkeiten, drei Leadership-Module, zwei Mining-Upgrade-Module, vier Hardwiring-Implantate und ein Leadership-Implantat (Mindlink) eingeführt. Dazu kommen Tech-2-Mining-Barges und es wird neues Mining-Equipment geben.

Durch die überarbeiteten Forschungs- und Fertigungs-Anlagen im Spiel will CCP vor allem die eigene Server-Last reduzieren. Zugleich wird aber auch eine Spezialisierung bei der Fertigung möglich, selbst über Herstellungs-Module für die Flaggschiffe denkt CCP nach - so lassen sich die Jäger-Drohnen nachbauen.

Asiatische Gesichter für China und Co.
Asiatische Gesichter für China und Co.
Mit "Red Moon Rising" kommen auch vier neue Blutlinien für die vier Imperien hinzu, die das Spiel vermutlich um asiatische Gesichtszüge erweitern und es damit auf den Start in Asien vorbereiten. Dort wird das Spiel auf seinem eigenen Shard laufen, damit das Spiel nicht von den vielen chinesischen Online-Spielern überrannt wird, die Sprachbarriere für Irritationen sorgt und die Server letztlich total überlastet werden. Auf wenig Gegenliebe bei CCP stoßen unterdessen die Beschränkungen für Online-Spiele in China, die Spielzeiten begrenzen.

Zwar gab es bei CCP Überlegungen, den asiatischen Spielern einen eigenen Bereich im Eve-Universum zu spendieren und diesen später mit dem der Spieler in den restlichen Regionen zusammen zu führen. Für alle Spieler besser sei es jedoch, wenn die Spielinhalte identisch wären und nicht separat entwickelt werden müssen. Stattdessen sucht CCP nun nach einem chinesischen Partner, der seinerseits Inhalte entwickelt, die beiden Shards zu Gute kommen.

Der Status des Eve-Servers (Tranquility)
Der Status des Eve-Servers (Tranquility)
Gegen Ende des zweiten Quartals 2006 will CCP mit "Kali" Eve Online in anderen Bereichen deutlich erweitern - vor allem die Kriegsführung zwischen den Fraktionen soll damit komplexer werden, etwa durch Kampfhierarchien in Spieler-Flotten, durch militärische Ränge und durch von Spieler-Unternehmen oder Allianzen verleihbare Medaillen. Ab Kali können sich kampfeswütige Spieler mit speziellen zeitlimitierten Implantaten und zugehörenden Drogen ordentlich aufputschen und damit enorme Vorteile verschaffen - nicht ohne Nachteile in Kauf zu nehmen.

Das Wichtigste, was Kali mit sich bringt, ist allerdings das Vertrags-System, mit dem Spieler untereinander komplexe Verträge schließen können. Dies hilft nicht nur Spielern, die noch kein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, sondern auch Organisationen, die damit für ihre Mitglieder oder Partner Missions-ähnliche Verträge etwa über zu erfüllende Quoten festlegen können.

Die Solid-State-Disk zahlt sich aus
Die Solid-State-Disk zahlt sich aus
Außerdem will CCP mit Kali die Forschung- und Entwicklung in Eve Online komplett umkrempeln, es soll weniger auf den frei verfügbaren Blueprints gesetzt werden, sondern mehr auf spielerische Handlungen, um an neue Technik heranzukommen. Dazu kommen auch die bereits in diesem Artikel angesprochenen Umbauten und Anpassungen für Schiffe, die Erforschung komplexerer Blueprints und das Branding der hergestellten Produkte.

Auch für die Zeit nach Kali hat CCP noch einige große Erweiterungen geplant, die aber bisher alle etwas zurückstehen mussten - schlicht weil der Büroraum nicht ausreichte, um weitere Entwickler ins Team zu holen. Nun steht der endgültige Umzug in die größeren Räumlichkeiten einer ehemaligen Fischfabrik in der Nähe des alten Büros in Reykjavik kurz bevor und dann soll es mit mehr Mitarbeitern schneller ans Werk gehen.

Auch durch die zusätzlichen erhofften Einnahmen aus dem angestrebten Start im großen chinesischen Markt erhofft sich CCP noch mehr Mitarbeiter ins Haus holen zu können - und große Projekte deutlich schneller umsetzen zu können. Dazu zählen nicht nur die geplanten Flüge über Planetenöberflächen, die das jetzige Team drei Jahre für die Umsetzung kosten und Entwicklungszeit von anderen Erweiterungen abziehen würden und deshalb irgendwann nach Kali kommen, sondern auch eine mehr Spielspaß bietende Erforschung unbekannter Systeme in neuen Umgebungen. Auch für Wahlen und die Spieler-Reputation plant CCP eigene Systeme zu implementieren.

Eve Mobile
Eve Mobile
Damit Spieler in Zukunft nicht mehr nur mit dem PC oder dem Notebook die Entwicklung ihrer Weltraum-Helden, den Verkauf ihrer Waren oder ihre In-Game-Mails überprüfen können, arbeitet CCP gemeinsam mit der lokalen Universität an einer Anwendung für mobile Endgeräte wie PDAs und Smartphones. Durch das All fliegen wird mit "Eve Mobile" aber wohl nicht möglich sein. Es geht eher darum, Spielern eine bequeme Steuerung der Verwaltungsaufgaben zu ermöglichen. Gezeigt wurden nur wenige erste Bilder der Benutzer-Oberfläche von Eve Mobile.

Entwickler stellen sich Fan-Fragen
Entwickler stellen sich Fan-Fragen
Auf dem Eve-Fanfest in einem Theater in Reykjavik versammelten sich über das Wochenende mehrere hundert Eve-Fans, deren Faible für schwarze Kleidung unübersehbar war. Neben den Vorlesungen über zu kommende Spielinhalte, die Technik hinter Eve und einigen Workshops gab es auch noch eine Frage-und-Antwort-Stunde, in der sich die Entwickler den Spielern stellten. Unter den Besuchern war auch der eine oder andere Vertreter großer Spieler-Unternehmen, so dass oft anerkennende Laute aus den Reihen gestandener Eve-Spieler zu vernehmen war.

Antrag vor versammelter Mannschaft
Antrag vor versammelter Mannschaft
Der krönende Abschluss war allerdings ein Eve-Spieler aus Neuseeland, der seiner mitgereisten und ebenfalls Eve-spielenden Freundin auf der Bühne einen offenbar erfolgreichen Heiratsantrag machte und damit auch einigen Eve-Entwicklern vor Rührung die Tränen in die Augen trieb.

Danach folgte eine Party, in der auch die CCP-eigene Band ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierte - die versammelten Fans nahmen das Resultat mit Humor, schließlich ist ja das Spiel gelungen und wird immer besser.

Nachtrag vom 24. Oktober 2005, 16:40 Uhr:
Wer einen Blick auf das Spiel werfen und es ausprobieren will, dem bietet CCP eine 14-tägige Testphase an. Wer sich entschließt weiter zu spielen, muss danach monatlich je nach Abbuchungszeitraum zwischen 14,95 Euro (monatlich) und 10,95 Euro (12-Monats-Abo, insgesamt 131,40 Euro) zahlen.  (ck)


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Links zum Artikel:
CCP Games (.com): http://www.ccpgames.com/
Eve Online - Anmeldung zum 14-Tage-Testspiel (.com): https://secure.eve-online.com/ft/?aid=100826&l=de&nogreet=1
EVE Online (.com): http://www.eve-online.com

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