Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/41177.html    Veröffentlicht: 24.10.2005 08:45    Kurz-URL: https://glm.io/41177

Telekom-Chef plant Strategiewechsel für mehr Umsatzwachstum

Deutsches 50-MBit/s-Glasfasernetz nur mit Garantien für Pioniergewinne

In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, dass dem Unternehmen ein Strategiewechsel bevorsteht: Man wolle 2006 besonders auf ein Umsatzwachstum und die Wertsteigerung des Unternehmens setzen, um weiterhin in Europa und Deutschland führend im Telekommunikationsmarkt zu bleiben.

"Wir werden unsere Umsatzmarktanteile mit Haut und Haaren verteidigen", sagte Ricke im Handelsblatt-Interview. Er griff dabei auch die Wettbewerber an, die sich mit Kampfpreisen Marktanteile verschaffen wollten, vor allem auch bei DSL. Betriebswirtschaftliche Grundregeln ließen sich nicht aushebeln, so Ricke. Die Telekom plant, die Hälfte der Neuanschlüsse im Breitbandmarkt künftig selbst zu vermarkten.

Er gab aber auch an, dass in den kommenden Jahren große Herausforderungen, beispielsweise durch IP-basierte Kommunikation, zu bestehen seien, auch im Hinblick auf bestehende Geschäftsmodelle wie Minutentarife, die zunehmend durch Pauschalangebote und ggf. durch Entgelte für Zusatzdienste abgelöst würden.

Da man aber nicht als billiger Jakob dastehen wolle, müsse man der Anbieter mit dem besten Service am Markt werden, so Ricke, der dies selbst als ambitioniertes Ziel titulierte. Beispielsweise plant man eine Verkürzung der Wartezeiten in den Kundenbetreuungszentren und bei der DSL-Anschluss-Freischaltzeit.

Einen Boom bei reiner Internet-Telefonie sieht Ricke auf Deutschland jedoch nicht zukommen, zumal seiner Ansicht nach die Preise für herkömmliche Telefonie im Festnetz so niedrig seien, dass es für viele kaum Anreize gebe, umzusteigen.

Die derzeitige Konzernstruktur wolle man nicht verändern - eine Verschmelzung von T-Com und T-Mobile schloss Ricke auch deshalb aus, weil man den unterschiedlichen Kunden differenzierte Angebote machen müsse - sowohl reine Sprachtelefonie als auch Konvergenzprodukte sowie reine Mobilangebote. Dass sich T-Mobile und T-Com damit praktisch Konkurrenz machen, nimmt man hin.

Ricke fragte im Handelsblatt-Interview rhetorisch, wie stark der Regulierer plane, den Marktanteil der Telekom noch zu reduzieren - nach VATM-Angaben läge man im deutschen Ferngesprächsbereich bei unter 50 Prozent, bei Auslandgesprächen bei 30 Prozent und im Ortsnetz bei 60 Prozent.

Gleichzeitig warnte Ricke davor, dass ein neues Glasfasernetz mit 50 MBit/s zu Preisen von Mitbewerbern genutzt werden könne, die der Regulierer festlegen darf. Man wolle selbst bestimmen, ob und zu welchen Konditionen die Konkurrenz dieses Netz nutzen darf, das man in den kommenden zwei Jahren hier zu Lande errichten will.

Die Investitionen dafür sollen insgesamt 3 Milliarden Euro betragen, so Ricke gegenüber dem Handelsblatt. Dieses Geld werde man allerdings nur investieren, wenn man Garantien für klare Rahmenbedingungen bekomme. Andernfalls könne man auch im Ausland investieren, so Ricke gegenüber dem Handelsblatt. Er ist aber optimistisch, dass man mit dem Regulierer eine Lösung finden wird.  (ad)


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