Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/40807.html    Veröffentlicht: 07.10.2005 14:03    Kurz-URL: https://glm.io/40807

Spieletest: Bet On Soldier - Running Man meets Langeweile

Schwerer, teils frustrierender Shooter von Frogster

Nicht gerade ein kreatives Szenario, das sich Frogster Interactive da für seinen Shooter Bet On Soldier ausgedacht hat: eine unwirtliche Zukunft, zwei verfeindete Großmächte und ein unfreiwilliger Held, der nach dem Tod seiner Frau Rache will. Die Vergangenheit hat aber schon oft gezeigt, dass auch die langweiligste Geschichte als Grundlage für ein gutes Spiel dienen kann; im Falle von Bet On Soldier ist es allerdings nicht nur die Story, die an den Nerven des Spielers zehrt.

Bet on Soldier (PC)
Bet on Soldier (PC)
Die Hauptrolle in Bet On Soldier spielt der junge Nolan Daleworth, der sich nach zahlreichen privaten Katastrophen entschließt, an fürs TV inszenierten Schaukämpfen teilzunehmen. Bei diesen Gefechten handelt es sich um eine von skrupellosen Fernsehmachern entdeckte Idee, um an den seit Jahren anhaltenden Kriegsgefechten zu verdienen. Das erinnert an den Film Running Man, treibt das Ganze aber noch ein ganzes Stück weiter - als vom Geld abhängiger Söldner kann hier praktisch nichts erledigt werden, ohne dass vorher die nötige Zahl Abschüsse vorliegt; denn erst durch das massenhafte Abmurksen von Kontrahenten wird das nötige Kleingeld in die Kasse gespült.

Bet on Soldier
Bet on Soldier
Wie schnell einem die Credits in den Fingern zerrinnen, merkt man gleich zu Beginn - kaum sind Waffe, Schild, Panzerung und Granate erworben, herrscht auch schon wieder Ebbe in der Kasse. Das von anderen Shootern gewohnte Aufsammeln der Waffen erledigter Gegner entfällt, alles will verdient werden, sogar die Spielstände. Das entpuppt sich im weiteren Spielverlauf dann auch als einer der größten Frustbringer: Spielstände sichern hängt nicht von der jeweiligen Situation im Kampf, sondern vom Standort (nötig sind nicht gerade großzügig in den Szenarien verteilte Terminals) und der finanziellen Situation ab; keine sonderlich gute Idee, zumal einem immer wieder Scharen von zwar nicht sonderlich intelligenten, auf Grund ihrer Masse aber eben doch gefährlichen Kontrahenten das Leben schwer machen.

Für optische Abwechslung ist durchaus gesorgt: Auf einer Weltkarte können diverse Einsatzgebiete ausgewählt werden, so dass mal in Tunneln, dann wieder in weitläufigen Außenarealen angetreten wird. Dank Bump-Mapping sieht das alles recht gut aus, entpuppt sich aber auch als unverschämter Hardware-Killer - wer über keine Highend-Maschine verfügt, sollte die Finger von Bet On Soldier lassen, sonst sorgt selbst eine simple Explosion für das Einfrieren der Grafik oder zumindest einen Zeitlupen-Modus.

Bet on Soldier
Bet on Soldier
Zwar ist es möglich, sich die Unterstützung von KI-Bots zu sichern, aber auch die - man ahnt es - kosten natürlich Geld. Nur wer die großen Champions besiegt bzw. beständig durch geringen Munitionsverbrauch und gut gezielte Kopfschüsse punktet, hat also den benötigten finanziellen Spielraum für Kameraden. Die reparieren einem dann aber durchaus auch mal die lädierte Rüstung - lohnend ist die Unterstützung also allemal.

An den Gegnern stört nicht nur ihre geringe Intelligenz und die große Anzahl, sondern auch ihr beständiges Wiederauftauchen; auch eigentlich bereits erledigte Abschnitte warten plötzlich wieder mit allen, teils auch gut versteckten, Feinden auf. Nur wer ein ausgeglichenes Gemüt besitzt, lässt sich das dauerhaft gefallen, zumal die Abstände zwischen den einzelnen Save-Points stellenweise wirklich extrem weit sind.

Bet on Soldier
Bet on Soldier
Die relativ kurze Spieldauer der Einzelspieler-Kampage rechtfertigen die Entwickler mit dem Vorhandensein eines in der Theorie recht umfangreichen Mehrspieler-Modus, der allerdings - mal abgesehen von einigen technischen Problemen - auch spielerisch einige Wünsche offen lässt. Das Aufeinandertreffen zweier verfeindeter Teams, wobei in jedem Team die Kämpfer jeweils bestimmte Positionen wie Grenadier oder Scharfschütze einnehmen und um das Erobern bestimmter Terminals kämpfen, hat durchaus Potenzial, die oft unübersichtlichen Maps punkten allerdings ebenfalls nicht gerade durch intelligentes Design. Von den wenigen Servern und den beständigen Lags soll hier gar nicht erst geredet werden.

Bet on Soldier
Bet on Soldier
Bet on Soldier ist bereits im Handel erhältlich. Da die erste Verkaufsversion mit zahlreichen Bugs aufwartete, wurde praktisch zeitgleich mit der Veröffentlichung ein satter, 800 MByte großer Patch für die Version 1.1 bereitgestellt. Mittlerweile steht Version 1.2 zum Download bereit, wobei diesmal auch zahlreiche Fehler im Netzwerk-Code behoben wurden. Die USK hat dem Titel keine Jugendfreigabe erteilt, PC-Spieler müssen also mindestens 18 Jahre alt sein, um an den Wettkämpfen teilzunehmen.

Fazit:
Eigentlich ist es ja gar keine schlechte Idee, ein Wirtschaftssystem in einen Shooter zu integrieren - sinnvolles, sparsames Verwenden der Munition und das schrittweise Aufrüsten der eigenen Ausrüstung als Belohnung für besonders gute Treffer und Gefechte bringt deutlich mehr taktische Elemente ins Spielgeschehen, als es sonst in diesem Genre üblich ist. Die Umsetzung lässt aber stark zu wünschen übrig; anstelle neuer Spannung haben die Entwickler eher zusätzlichen Frust ins Gameplay eingebracht. Niedrige KI, miserables Speichersystem, ein sich immer wiederholendes Gameplay und einige unfaire Stellen enttäuschen ebenso wie die unverschämten Hardware-Anforderungen. Bet On Soldier ist somit bestimmt kein Spiel, dass sich auf dem überfüllten Markt für Ego-Shooter behaupten wird.  (tw)


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Links zum Artikel:
Frogster Interactive: http://www.frogster-interactive.de/

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