Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0510/40771.html    Veröffentlicht: 04.10.2005 14:32    Kurz-URL: https://glm.io/40771

Spieletest: Rainbow 6: Lockdown mit der Xbox gegen Terror

Komplette Überarbeitung des First-Person-Shooters

Terroristen ausschalten - ein nie enden wollendes Thema in der Spielereihe Tom Clancy's Rainbow Six. Immer wieder gibt es neue Auflagen des Dauerbrenners - doch diesmal gibt es mit "Rainbow Six: Lockdown" einen endlich vollständig überarbeiteten und nicht nur mit neuen Missionen und Waffen ausgestatteten weiteren Vertreter der Spiele-Mammutserie. Wir haben die Xbox-Version getestet.

Rainbow Six: Lockdown (Xbox)
Rainbow Six: Lockdown (Xbox)
Der Grundaufbau ist fast gleich geblieben: Man zieht mit mehreren Spielern durch mehr oder minder große Level, die aus Gebäuden, Tunneln, Städtelandschaften und ähnlichen Umgebungen bestehen, in denen sich Terroristen nach der Fantasie der Spieledesigner am liebsten verstecken. Nach Auswahl der Bewaffnung geht es gleich los - die sowieso kaum genutzten Planungsphasen der Einsätze, die früher noch dazwischen geschaltet waren, sind ersatzlos gestrichen worden.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die Waffen stellen das übliche Sammelsurium von halb- und vollautomatischen Maschinenpistolen, Scharfschützengewehren, Blend- sowie Sprenggranaten dar und bieten nun auch ein Betäubungsgas, mit dem man den oder die Gegner lahm legen kann. An einige besondere Waffen kommt man erst nach dem Erwerb von vielen Erfahrungspunkten heran, die man in den Missionen einsammeln kann. Das Ganze wirkt etwas aufgesetzt: Welches Anti-Terror-Team sammelt schon im Einsatz Geldköfferchen ein und kriegt dafür beim nächsten Mal besseres Equipment?

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Story ist deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt - gerade die Einführungsvideos und die nachfolgenden Zwischensequenzen in den Missionen selbst sorgen für Atmosphäre und erlauben auch eine gewisse Identifikation mit den Spielfiguren. Gekämpft wird aus der Ich-Perspektive, wobei der Controller voll belegt mit den massig vorhandenen Eingabemöglichkeiten und Optionen schnell auch mal zur Todesfalle für die eigenen Figuren wird - unbedacht wirft man in der Hektik des Spiels eine Handgranate direkt vor die eigenen Füße oder schaltet im ungünstigsten aller Momente die Nacht- oder Thermosicht ab und starrt ins dunkle Nichts.

In manchen Missionen muss man als Scharfschütze mit einem nicht nur enorm durchschlagskräftigen, sondern auch mit einer extrem vergrößernden TV-Optik am Gewehr seine Schießkunst demonstrieren, was angesichts des von selbst wandernden Fadenkreuzes nichts für diejenigen ist, die schnell die Nerven verlieren.

Zwischenspeichern ist zum Glück ständig möglich - eine Option, die auch fleißig benutzt werden sollte. Aber auch so platzt einem schnell die Geduld, wenn z.B. der vermaledeite Countdown für die Bombenexplosion zum x-ten Mal zu früh abgelaufen ist. Dafür gibt es in den meisten Missionen erheblich mehr Unterziele zu erreichen als früher, wo man meist mit ein oder zwei Aufgaben betreut wurde.

Screenshot #5
Screenshot #5
Von der früher viel gescholtenen Dummheit der eigenen Kameraden ist nicht mehr viel übrig geblieben: Sie stehen kaum noch im Weg herum und gehorchen Befehlen fast fehlerfrei. Mit einer speziellen Controller-Tastenkombination kann man eine Lichtsäule an die Stelle setzen, an die die Kameraden laufen sollen. Gezielt und geschossen wird selbstständig und meist so gut, dass man kaum noch etwas zu tun hat. Dennoch kann es vorkommen, dass auch ein Computerkamerad sich mit seiner eigenen Handgranate in die Luft jagt. Für etwas mehr Realismus wurde die automatische Markierung von Zielen ausgeschaltet, so dass man in den meist sehr dunklen Leveln aufpassen muss, nicht zur laufenden Zielscheibe zu werden. In den Optionen lässt sich die Zielhilfe aber wieder aktivieren.

Screenshot #6
Screenshot #6
Bei den meisten Missionen ist zu spüren, dass sie stark gescripted wurden - an bestimmten Punkten tauchen Gegner auch schon mal aus dem Nichts heraus auf oder stehen wie angewurzelt da, weil ihr Einsatz nach der Spiellogik noch nicht gefragt war. Optisch ist das Spiel gute Durchschnittskost und stellenweise wirklich spannend gemacht - je mehr Treffer man abbekommt, desto schlechter kann man durch die Maske blicken, die Umgebung verwischt förmlich am Fernseher. Ein Herzschlagsensor hilft, Gegner hinter Mauern und Türen zu entdecken. Die Aufklärungstechnik kann natürlich nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden.

Von der akustischen Untermalung her reißt einen Rainbow Six: Lockdown nicht gerade vom Hocker, wenn man von den Nachbarn absieht, die bei voller Surround- und Subwoofer-Unterstützung durchaus den Eindruck gewinnen können, ein SEK sei im Einsatz.

Screenshot #3
Screenshot #3
Der Multiplayer-Modus erlaubt bis zu vier Spielern in dann allerdings arg kleinen Fensterchen auf dem Fernseher, mit- oder gegeneinander anzutreten und entweder sich selbst oder die Terroristen ins virtuelle Nirwana zu schicken. System Link und XBox-Live-Unterstützung mit Erfahrungspunkten, Charakterpflege und eine Liga (Persistent Elite Creation [P.E.C.]) werden ebenfalls geboten und unterstützen bis zu 16 Spieler.

Bei Persistent Elite Creation (P.E.C.) kann man sich eine von vier Spielerklassen aussuchen: einen Kommando-Soldaten, Spec-Ops, Pionier oder Sanitäter, die unterschiedliche Eigenschaften und Bewaffnungen haben. Der Sanitäter kann nicht nur die eigenen Mannen heilen, sondern auch mit Nervengas die Reihen der Gegner lichten. In diesem Modus kann man mit Erfahrungspunkten Ausrüstungsstücke kaufen und seine Soldaten verbessern. Da im Kampf auch Gerätschaften leiden, muss man die erworbenen Erfahrungspunkte teils auch zur Instandhaltung aufwenden.

Fazit:
Arcade-mäßiger als beim Vorgänger Black Arrow geht die Terroristenjagd in "Rainbow Six: Lockdown" weiter. Es wird mehr Wert auf tolle Ausrüstung gelegt, die auch einen Sam Fisher froh machen würde. Der militärische Aspekt des Spiels ist wie auch die Taktik etwas in den Hintergrund gerutscht. Nun ist Lockdown sicherlich kein schlechter Titel - ganz im Gegenteil, er bietet durchaus dem Kaufpreis angemessene Langzeitmotivation, vor allem wenn man nicht nur alleine gegen den Computer, sondern am besten im Netzwerk spielt. Es ist aber auch ein Abschied vom spröden Charme der alten Rainbow-Six-Titel und ein Schritt hin zu einer höheren Massentauglichkeit. Bei der Controller-Steuerung allerdings kann man sich an manchen Tagen schon fast als Zen-Meister fühlen, wenn man trotz mehrfacher Fehlgriffe mit Todesfolge ruhig bleibt.  (ad)


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Links zum Artikel:
Rainbow Six (.com) - Lockdown: http://www.rainbowsixgame.com/de/lockdown/
Ubisoft: http://www.ubisoft.de

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