Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0509/40300.html    Veröffentlicht: 07.09.2005 14:46    Kurz-URL: https://glm.io/40300

Handy-Payment: Ärger durch mangelnde Kostentransparenz

Popup-Fenster nennt zunächst keine Informationen über Bezahldienst

Auf immer neue Tricks bei der Preisauszeichnung kam in der Vergangenheit die Schmidtlein GbR, die Webseiten bereitstellt, auf die man erst nach Bezahlung zugreifen kann. Die anfallenden Kosten wurden immer wieder verschleiert angegeben. Dies gehört aber wohl der Vergangenheit an, denn nun gibt es gar keinen Preis mehr in dem ersten erscheinenden Popup-Fenster und der Kunde erfährt nicht einmal mehr, dass er auf ein kostenpflichtiges Angebot gestoßen ist.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die bereits mehrfach durch unklare Preisangaben aufgefallene Webseite Vornamen.de der Schmidtlein GbR listet mittlerweile keinen Preis mehr in dem ersten erscheinenden Popup-Fenster und lässt vollkommen unerwähnt, dass es sich bei der Seite um einen kostenpflichtigen Dienst handelt. Beim Klick auf die Webseite erscheint ein Popup-Fenster, in dem nur erwartet wird, dass man seine Mobilfunkrufnummer eingibt, was einem Zugang zu den Seiten verspricht. Das gleiche Bild zeigt sich beim Aufruf der Webseite Gedichte.de der Schmidtlein GbR, so dass der Nutzer auch hier nicht erkennt, ob es sich um einen kostenpflichtigen Dienst handelt.

Screenshot #2
Screenshot #2
Erst nachdem man eine Handy-Rufnummer in dem Popup-Fenster eingibt, wird in dem Fenster ohne deutlichen Hinweis der Preis genannt und erst jetzt wird klar, dass man auf einer kostenpflichtigen Webseite ist. Wird die Mobilfunknummer bestätigt, erhält der Interessent eine SMS, in der die anfallenden Gebühren nicht angegeben sind. Man findet in der Kurzmitteilung nur den Hinweis, dass man eine "Bezahlung" tätigt, wenn man den in der SMS enthaltenen PIN-Code auf der Webseite eingibt.

Nach Beobachtung der Webseite Dialerschutz.de sind viele Betreiber von Dialer-Seiten auf Handy-Payment umgestiegen, seitdem die Regelungen für Dialer verschärft wurden.

Nach Recherchen des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus verweist die Webseite Hausaufgaben.de der Schmidtlein GbR zum Teil auf nicht verfügbare Inhalte und präsentiert ansonsten alles andere als exklusive Daten. Vielfach erhält man als zahlender Kunde nur leere Seiten bei Hausaufgaben.de. Aber selbst wenn ein Link funktioniert, erhält man frei verfügbare Informationen, die etwa aus dem OBI-Magazin übernommen wurden oder man verweist lediglich auf Berichte von Focus Online. Exklusive Inhalte findet man auf Hausaufgaben.de wohl nicht, obwohl man für einen Preis von täglich 9,98 Euro mehr erwarten dürfte.

Screenshot #3
Screenshot #3
Damit belegt Plusminus, dass der zahlende Kunde bei Hausaufgaben.de nicht einmal auf eine halbwegs angemessene Gegenleistung hoffen kann. Derzeit nimmt Hausaufgaben.de keine Neukunden an, was möglicherweise mit den Recherchen von Plusminus in Zusammenhang steht. Frühere Berichte von Golem.de über die Preisverschleierungstaktiken der Schmidtlein GbR sorgten dafür, dass die unklaren Preisangaben nachgebessert wurden.

Obwohl die verwirrenden Preisangaben auf den Webseiten der Schmidtlein GbR bereits mehrfach aufgefallen sind, hat T-Mobile erst kürzlich den Zahlungsdienstleister Wapme aufgefordert, entsprechende Zahlungen nicht mehr für T-Mobile-Kunden vorzunehmen. Mehrere Mobile-Payment-Angebote sind derzeit für T-Mobile-Kunden gesperrt.

Gegenüber Golem.de erklärte T-Mobile, dass die gesperrten Angebote keinen seriösen Eindruck vermitteln, da es keine Preistransparenz gebe, die für den Nutzer nachvollziehbar ist. So werde der Dienst nur als Abo für täglich 9,98 Euro angeboten. Der Preis stehe nach T-Mobile-Ansicht in keiner Relation zu dem dargebotenen Inhalt. T-Mobile hat die betreffenden Angebote auch gesperrt, weil diese sich vor allem an Kinder und Jugendliche richten.

Screenshot #4
Screenshot #4
Der Zahlungsdienstleister Wapme hat die Sperrung von T-Mobile im Gespräch mit Golem.de bestätigt; für andere Mobilfunknetzbetreiber gebe es derzeit keine Sperrung. Gesperrt wird jedoch nur die Eingabe der per Kurzmitteilung erhaltenen PIN, so dass man die Sperrung bis zu diesem Schritt nicht bemerkt.

Wapme sieht kein Problem darin, mit der Schmidtlein GbR weiter zusammenzuarbeiten, die bereits in der Vergangenheit durch verwirrende Preisangaben aufgefallen ist. Nach Plusminus-Recherchen ist die Schmidtlein GbR unter der auf den Webseiten angegebenen Anschrift nicht zu finden, so dass es dem ARD-Wirtschaftsmagazin nicht gelang, mit dem Anbieter in Kontakt zu treten.

Screenshot #5
Screenshot #5
Wapme als Zahlungsdienstleister stört sich nicht daran, dass die von der Schmidtlein GbR betreuten Webseiten Vornamen.de und Gedichte.de derzeit in dem ersten erscheinenden Popup-Fenster nicht darüber informieren, dass es sich hierbei um kostenpflichtige Inhalte handelt. Über anfallende Kosten und weitere Zahlungsmodalitäten erfährt man wie beschrieben erst, nachdem man seine Handy-Nummer eingibt.

Wapme betont, dass das Unternehmen möchte, dass die Zahlungsabwicklung "für den Kunden so transparent wie möglich ist". Allerdings bleibt die Realität weit hinter diesem selbst gestellten Anspruch zurück. Denn die Webseiten der Schmidtlein GbR gaben in der Vergangenheit immerhin vor Eingabe einer Mobilfunkrufnummer an, dass es sich um ein Bezahlangebot handelt und informierten auch über den Preis, auch wenn die tatsächlich anfallenden Kosten vielfach unklar blieben. Diese für einen Kauf notwendigen Angaben erhält man nun aber erst nach Preisgabe der Mobilfunkrufnummer. Kaum ein Anwender wird diese Änderung als transparenter einstufen.

Nachtrag vom 7. September 2005 um 17:26 Uhr:
Als Reaktion auf den Artikel auf Golem.de hat sich Global Netcom bei der Redaktion gemeldet und die Gründe dafür genannt, warum das erste Popup-Fenster etwa von Vornamen.de keine Preisangaben nennt. Global Netcom betreibt die Technik von Wapme. Nach Aussage von Global Netcom werden die Mobile-Payment-Dienstleistungen je nach Mobilfunknetzbetreiber anders abgerechnet, weil die Netzbetreiber unterschiedliche Zahlungsmethoden zulassen. Damit wird begründet, dass man in dem ersten Popup-Fenster nicht angeben könne, was die Dienstleistung kostet, weil der Preis eben je nach verwendetem Handy-Vertrag variiere. Im Gespräch mit Golem.de konnte Global Netcom jedoch keine Erklärung dafür liefern, warum in dem ersten Popup-Fenster nicht einmal ein Hinweis darauf erscheint, dass man für den angebotenen Inhalt bezahlen muss.  (ip)


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Links zum Artikel:
ARD - Plusminus: http://www.das-erste.de/plusminus/
Wapme: http://www.wapme.net

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