Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0508/40064.html    Veröffentlicht: 25.08.2005 19:02    Kurz-URL: https://glm.io/40064

IDF: Elektronikprodukte sollen "Bewusstsein" entwickeln

Intel will Computern das "Wer", "Wo" und "Was" unseres Lebens beibringen

Intel will elektronische Produkte intelligenter und sicherer machen, im Fokus stehen dabei Geräte, die sich den Nutzergewohnheiten der Menschen weltweit anpassen und nicht länger die Menschen an die Geräte. Diese "Anwenderbewusstsein"-Plattformtechnologien ("Intel User Aware Platform") sollen intuitiv auf Menschen und ihre ständig wechselnden Bedürfnisse reagieren. Intel will ihnen dazu das "Wer", "Wo" und "Was" unseres Lebens beibringen.

Aktuelle elektronische Produkte wissen in der Regel nicht, wie sie eingesetzt werden, wer sie benutzt oder was der Anwender bewerkstelligen möchte, ohne dass dieser jeden Schritt vorgibt, so Justin Rattner, Intel Senior Fellow und Director der Intel Corporate Technology Group, in seiner IDF-Keynote. Die Folge, so Rattner, ist ein gewisser Grad an Frustration, da Anwender viel aufwenden müssen, nur um Technologie nutzen und verwalten zu können.

Die Zukunft liege aber bei einfacheren und intuitiveren Lösungen, die den Menschen helfen sollen, ihre Aufgaben zu erfüllen. "Eine situations- und anwenderbewusste Plattform kann jedes Gerät sein, das in der Lage ist, sich selbst zu verwalten, das weiß, wer und wo wir gerade sind und das versucht vorauszuahnen, was wir tun wollen", erläuterte Rattner. "Es werden digitale Sinne notwendig, damit diese Geräte ihre Umwelt wahrnehmen und verstehen, was sie tun. Sie werden darüber hinaus eine neue Stufe an Intelligenz erklimmen müssen, damit sie unsere Anforderungen verstehen, mit anderen Elektronikgeräten reibungslos zusammenarbeiten und in unserem Interesse agieren, ohne Schaden anzurichten."

Plattformen mit einem entsprechenden Anwenderbewusstsein stellen neue Anforderungen an die Art und Weise, wie die Industrie Hardware, Software, Dienste und Schnittstellen in Zukunft entwickelt. Der Weg dahin führt laut Rattner über "Many-Core-Prozessoren", also Chips, die nicht nur zwei oder vier, sondern hunderte von energiesparenden Prozessorkernen in einem einzigen Prozessor vereinen.

Jeder Chip soll so in der Lage sein, einzelnen Kernen oder ganzen Prozessorkern-Clustern für bestimmte Aufgaben wie Sehen, Hören, Netzwerksicherheit, Spiele oder Befehlserkennung die notwendige Speicherkapazität und Bandbreite dynamisch zuzuweisen. Mit Virtualisierungssoftware sollen zudem Schutzmauern für die Teilressource jeder Anwendung errichtet werden, so dass diese reibungsloser und störungfrei nebeneinander laufen.

Rattner veranschaulichte dies anhand eines Forschungsprojekts mit der Bezeichnung Diamond, einer intuitiven Applikation zur Bildersuche, die derzeit Intel-Forscher und die Carnegie Mellon University entwickeln. Die Software soll die Suche in unstrukturierten Daten erleichtern: "Diamond läuft auf mehreren Computern gleichzeitig und nutzt Fortschritte in der Computer Vision sowie der Lernfähigkeit von Maschinen. Das Programm versteht es, Daten so zu durchforsten, wie Menschen es tun. Zunächst ist das "Aussehen" eines Bildes ein zentrales Kriterium - Formen, Farben und Inhalte, danach folgt eine Annäherung an die Vorgabe. Dies ist ein erster Ansatz, komplexe Daten zu handhaben, ähnlich wie dies in der Welt der Zahlen mit Tabellenkalkulationsprogrammen, die komplexe Zahlenwerke aufbereiten", so Rattner.

Demonstriert wurde der Ansatz mit Fotos von Personen. Anhand eines in einem Bild markierten Stücks eines Hemdes fand die Software das Hemd in anderen Bildern wieder. Auf dem IDF Spring 2005 demonstrierte Intel noch, wie ein Itanium-Mehrprozessor-System an einer Kamera vorbeilaufende Personen erkennt.

Rattner demonstrierte auch, wie intelligente Netzwerkfunktionen integriert in einem einzelnen Gerät Wurmattacken schon bei dem Befall des ersten Systems in einem Verbund abwehren. Aggressive Würmer verbreiten sich in der Regel in einem Netzwerk rasch, indem sie schneller von System zu System springen, als Menschen physisch reagieren können. Das Forschungsprojekt "Circuit Breaker" soll nun neuartige Würmer schon auf ihrem Weg stoppen, indem jedes Gerät den gesunden Zustand seines Netzwerkverkehrs überwacht. Circuit Breaker sucht dann nach Abnormitäten innerhalb der Netzwerkprozesse und Abläufe und schreitet bei ersten Anzeichen eines Angriffs ein, indem das betreffende System isoliert wird. Auf diese Weise sollen "selbststeuernde" Systeme eine letzte Verteidigungslinie gegen Wurmangriffe bilden.

Rattner spricht mit Robby aus 'Alarm im Weltall' (Forbidden Planet)
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Die schwierigste Herausforderung beim Bau von Systemen, die intuitiv auf wechselnden Anforderungen reagieren, sei, ihnen die Zusammenhänge beizubringen; das "Wer", "Wo" und "Was" unseres Lebens, so Rattner. Computertechnologie, die den Standort erkennt, könnte Systemen helfen, intuitiver auf Wünsche einzugehen. So könnte beispielsweise beim Herunterladen unterschiedlicher Musikarten für das Auto, die Küche oder das Mobiltelefon Rücksicht auf den Geschmack einer bestimmten Person genommen werden. Oder es könnte einen Fabrikarbeiter auf bestimmte Wartungsaufgaben für verschiedene Geräte hinweisen, abhängig vom Standort, den Sicherheitsbedingungen oder dem Fachwissen des Arbeiters, ohne dabei den Datenschutz zu vernachlässigen.  (ji)


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