Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0508/39968.html    Veröffentlicht: 22.08.2005 09:48    Kurz-URL: https://glm.io/39968

Studie: Brutale Spiele schüren Aggressionen

Forschungsarbeiten der letzten 20 Jahre empirisch ausgewertet

Die Frage, ob Computerspiele aggressives Verhalten fördern, sorgt immer wieder für höchst emotionale und kontroverse Diskussion. Jessica Nicoll und Kevin M. Kieffer von der Saint Leo Universität werteten vor diesem Hintergrund die entsprechende wissenschaftliche Forschung der letzten 20 Jahre aus und kamen zu einem klaren Schluss: Brutale Computerspiele können das aggressive Verhalten von Kindern und Heranwachsenden kurz- und langfristig steigern.

Laut Nicoll und Kieffer zeigen Jugendliche, die eine kurze Zeit brutale Videospiele spielen, im Anschluss ein gesteigertes aggressives Verhalten. Einer der ausgewerteten Studien zufolge neigten Personen, die nur 10 Minuten ein brutales Spiel spielten, nach eigener Einschätzung eher zu aggressivem Verhalten. Eine andere Studie unter 600 Acht- und Neunt-Klässlern kam zu dem Schluss, dass diejenigen, die mehr Zeit mit brutalen Spielen verbrachten, auch aggressiver gegenüber anderen Kindern reagierten. Hier urteilten Lehrer über ihre Schüler. Zudem hätten diese Kinder sich stärker mit Autoritäten auseinander gesetzt und seien häufiger in körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Schülern verwickelt gewesen. Ihre schulischen Leistungen ließen dabei zu wünschen übrig.

Die Spieler solcher Spiele versuchten das im Spiel an den Tag gelegte Verhalten in der Realität zu imitieren, so Dr. Kieffer, der als Beispiel Karate-Spiele anführte. Er sieht im Spielen brutaler Computer- und Videospiele eine mögliche Gefahr.

Die Autoren der Studie kamen auch zu dem Schluss, dass Jungen tendenziell länger spielen als Mädchen. Aber auch Mädchen, die entsprechende Spiele spielten, zeigten ein aggressiveres Verhalten. Letztendlich seien vor allem diejenigen besonders gefährdet, die durch die gewalttätigen Inhalte angezogen würden. Offen sei die Frage, warum viele Kinder und Heranwachsende brutale Spiele vorziehen statt draußen zu spielen.

Nicoll und Kieffer haben die Ergebnisse ihrer empirischen Untersuchung auf der 113. jährlichen "Convention of the American Psychological Association" in Washington vorgestellt.

Zu einem gänzlich anderen Ergebnis kommt die Studie Internet Fantasy Violence: A Test of Aggression in an Online Game, die an der Universität Illinois durchgeführt wurde. Professor Dmitri Williams untersuchte das Verhalten von Probanden, nachdem diese 56 Stunden im Monat mit dem Online-Rollenspiel "Asheron's Call 2" verbracht haben, mit solchen, die dies nicht taten. Statistische Unterschiede hinsichtlich ihrer Selbsteinschätzung zu Gewalt konnte Williams zwischen den beiden Gruppen nicht feststellen. Auch stritten die Spieler nicht mehr als die Kontrollgruppe.

Dass einige Spiele Agressionen fördern, will Williams aber nicht ausschließen, nur mit Daten sei dies bislang nicht belegt. Es bedürfe mehr Langzeitstudien, so Williams, der vor allem keine langfristigen Effekte aus seiner Untersuchung ziehen will. Wenn überhaupt, so würden nach ihren Ergebnissen eher ältere Spieler beeinflusst werden.  (ji)


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Links zum Artikel:
Saint Leo Universität (.edu): http://www.saintleo.edu

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