Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0508/39725.html    Veröffentlicht: 08.08.2005 18:34    Kurz-URL: https://glm.io/39725

EverQuest 2: Dupe-Exploit und seine Auswirkungen

Spieler "Methical" gibt sich als "Pate" des Online-Rollenspiels

Am Wochenende hat Sony Online Entertainment die EverQuest-2-Server für zweieinhalb Stunden offline genommen, um einen kleinen Fehler mit großen Auswirkungen zu beseitigen. Der Fehler ermöglichte es einem Spieler zeitweise, seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten und gleichzeitig die ganze Ökonomie des Online-Rollenspiels in Mitleidenschaft zu ziehen.

Ein Dupe-Exploit ist ein bewusst ausnutzbarer Fehler, mit dem Gegenstände oder virtuelle Währung vervielfältigt werden können. In der Regel sollten solche die Spielbalance gefährdenden Fehler gemeldet werden, zumal die Ausnutzung desselbigen mit einem Ausschluss aus dem Spiel geahndet werden kann.

"Wie viele es schon gemerkt haben, hat ein aufgetaucher Dupe-Exploit eine sichtbare Störung der Ökonomien auf den Servern verursacht", bestätigte EverQuest-2-Entwickler Steve "Moorgard" Danuser im offiziellen Forum zum Spiel. Der Fehler sei nun beseitigt, die dafür verantwortlichen Accounts gebannt sowie ihre erschwindelten Ingame-Geldmittel aus dem Spiel entfernt worden. Entsprechend sind starke Verschiebungen in den "Die reichsten Spieler"-Tabellen auf EQ2Players.com zu erwarten.

Während der Patch das Spielgleichgewicht wieder in Ordnung bringt, beendete er das Treiben von einer Hand voll Personen, die sich mit dem Dupe-Exploit eine goldene Nase verdient haben - nicht nur online, auch im realen Leben. "Und hier endet die Geschichte", beginnt die Erzählung von "Methical", der den Fehler eigenen Angaben zufolge entdeckte, durch ihn in kürzester Zeit enormen Reichtum im Spiel erlangte, dies so gut wie möglich vertuschte und die virtuelle Währung über spezialisierte Händler im realen Leben für echtes Geld verkaufte.

"Wie viel ich verdiente, ist nicht wichtig. Nur, dass es mehr ist als einige Leute in einem, Teufel auch, vielleicht in drei Jahren verdienen, und es war genug, um meine Freundin und die gesamte Familie auf einen Urlaub nach Paris mitzunehmen. Aber es ist die Story, die wichtig ist. Die Geschichte von EverQuest 1 ist durch alle Arten von Skandalen geprägt und EverQuest 2 sollte es ebenfalls sein. Skandale sind, was Online-Rollenspiele zu mehr als einem Spiel machen: zu einer Gemeinschaft. Zu einer sehr eigenartigen Gemeinschaft", meint der anonym bleibende Methical, der sich teilweise wie die böse Macht im Hintergrund des Spiels fühlte.

Methical begründete sein Vorgehen auch damit, dass EverQuest 2 anders als EverQuest 1 keinen Wettbewerb mit anderen Spielern biete, kein Kill Stealing (KS), kein Camp-Stealing und auch keine Möglichkeit, angelockte Gegnerhorden über Mitspieler rollen zu lassen. Dies habe EverQuest von einem Einzelspieler-Rollenspiel abgehoben, der Nachfolger hingegen fühle sich farblos und langweilig an. Die Konsequenz, aus dem Spiel herausgeworfen zu werden, war ihm entsprechend egal.

Zynisch weist er darauf hin, dass er noch neun von SOE nicht gebannte Accounts hat, was in Anbetracht der Vielzahl von Accounts zur Verschleierung der Verschiebungen der virtuellen Währung auch kein Wunder ist. Kein wirklicher Trost für eventuell ruiniertes Spielgeschehen ist seine scherzhaft angehängte Entschuldigung "P.S. Sorry fürs Ruinieren der Wirtschaft und so weiter". Die Spieler sind unterdessen auch nicht frei von Schuld, denn irgendwer muss die virtuelle Währung ja außerhalb des Spiels kaufen, wenn sie so reißenden Absatz fand. Kann das denn der Weg des echten Helden sein? Vermutlich nicht, aber ohne Bösewichte geht es wohl auch nicht...  (ck)


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Links zum Artikel:
Plaguelands.com - EQ2: The Dogs Duping Days Cont.: http://plaguelands.com/?page_id=172
Sony Online Entertainment (.com) - EverQuest II: http://everquest2.station.sony.com/

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