Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0508/39686.html    Veröffentlicht: 05.08.2005 15:50    Kurz-URL: https://glm.io/39686

USA: Polizeicomputer sagt Verbrechen vorher

Festnahme nach vorausberechnetem Überfall

Im US-Bundesstaat New York konnten die Strafverfolgungsbehörden zwei mutmaßliche Räuber festnehmen, die zuvor eine Frau überfallen hatten. Zeit und Ort des Verbrechens hatte nach statistischen Analysen ein Computer der Polizei prophezeit.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ereignete sich das Verbrechen bereits am vorvergangenen Mittwoch. Für diese Nacht hatte Polizeileutnant James McLaughlin aus Yonkers im US-Bundesstaat New York für eine bestimmte Straße der Stadt zwischen acht Uhr abends und Mitternacht einen Überfall vorhergesagt. Dies berichtet die lokale Online-Tageszeitung "The Journal News".

Welche Software zum Einsatz kam und auf Basis welcher statistischen Daten die Analyse erfolgte, gaben die Behörden nicht bekannt. Die Ergebnisse waren aber offenbar so überzeugend, dass die Polizisten die fragliche Region in dieser Nacht verstärkt durch Polizeistreifen überwachten. Eine davon wurde schließlich auch vom Opfer des Überfalls angesprochen.

Der 25-jährigen Frau war um 20:44 Uhr ihr Handy von zwei bewaffneten Männern geraubt worden. Sie gab den Polizisten die Beschreibung der Täter und wenige Minuten später konnten die mutmaßlichen Räuber gestellt und verhaftet werden.

Derartige Fahndungserfolge belegen aber nach Ansicht von US-Experten nicht, dass sich Verbrechen durch den Einsatz von Computeranalysen verhindern ließen. Vielmehr, so meint Chris E. McGoey, Inhaber der Beratungsfirma Crime Doctor gegenüber Wired, seien solche Methoden nur ein Mittel für die Ressourcen-Planung der Polizei. McGoey drängt darauf, dass die Polizei ihre gesammelten Daten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, damit sich Verbrechen damit vielleicht verhindern lassen.

Wie das geschehen soll, erklärt der Experte im Gespräch mit Wired indes nicht. Die Sehnsucht nach einer "Safe Neighbourhood" treibt derzeit in den USA seltsame Blüten. So stellte jüngst das US-Justizministerium die Namen, Anschriften und teils auch Fotos von einer halben Million Sexualstraftätern ins Internet. Manche Gemeinden erlauben auch bereits die Lokalisierung derartiger Verbrecher per Landkarte, wie Golem.de bereits berichtete. [von Nico Ernst]  (ji)


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