Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0508/39679.html    Veröffentlicht: 05.08.2005 10:17    Kurz-URL: https://glm.io/39679

China: Online-Spiele mit Spielerkämpfen nur für Erwachsene

Weitere Regelungen beschränken unter anderem die tägliche Spielstundenzahl

Glaubt man einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax, ist es Minderjährigen in China ab sofort verboten, gewalttätigere Online-Spiele zu konsumieren. Eine neue behördliche Vorschrift untersage es unter 18 Jahre alten Personen an Spielen teilzunehmen, in denen die Charaktere anderer Spieler getötet werden können.

Um die dem Jugendschutz dienende Regelung umsetzen zu können, haben Chinas Kultur-und Informationsindustrie-Ministerien zudem die chinesischen Online-Spiel-Betreiber aufgefordert, entsprechende Altersnachweis-Systeme zu entwickeln, um die Minderjährigen vom Spiel der betreffenden Online-Titel auszuschließen. Dabei müssten alle Spieler ihre Ausweisnummern angeben, bevor sie eingelassen werden, so Interfax. Bis wann die Altersüberprüfung in die Online-Spiele integriert werden soll, sei nicht bekannt.

Gegenüber Interfax gab ein Sprecher der Internetabteilung des Kulturministeriums an, dass es Minderjährigen nicht erlaubt werden könne, an Online-Spielen teilzunehmen, in denen der eigene Charakter im Spiel dadurch mächtiger werde, indem die Charaktere anderer Spieler getötet würden. "Online-Spiele, die Player-Killer-Inhalte haben, enthalten in der Regel Gewalttaten und verleiten die Spieler dazu, zu viel Zeit damit zu verbringen, die Macht ihrer Charaktere zu vermehren. Sie sind schädlich für junge Menschen", so die Meinung des Ministeriums-Sprechers.

Interfax zitiert eine Statistik des China Internet Network Information Center (CNNIC), demzufolge 15,8 Prozent der chinesischen Internet-Nutzer unter 18 Jahren alt sind. Knapp 50 Prozent der insgesamt über 20 Millionen Online-Spieler bevorzugen der Statistik zufolge Online-Rollenspiele. Für den chinesischen Spielemarkt, der 2004 einen Umsatz von umgerechnet über 245 Millionen Euro erreichte und es im Jahr 2005 sogar auf etwas über eine Milliarde Euro schaffen soll, dürfte die neue Jugendschutz-Regelung ein herber Schlag sein.

Die in China erfolgreichen Online-Rollenspiele, darunter "Legend of MIR" (Shanda), "Fantasy Journey to the West" (NetEase) und das in China erst kürzlich ungemein erfolgreich gestartete "World of Warcraft" (The9/Blizzard) haben alle auch eine recht wichtige Spieler-gegen-Spieler-Komponente. Entsprechend unerfreut von der Regelung zeigen sich laut Interfax auch deren Betreiber - ein anonym bleibender Sprecher eines chinesischen Online-Spiel-Anbieters bezeichnete gerade die Spielerkämpfe als wichtigen und attraktiven Teil des Spiels. Er gehe davon aus, dass die Betreiber Wege finden werden, um die Regelung umgehen zu können.

Das chinesische Kulturministerium ist sich bewusst, dass es nicht einfach wird, die Regulierung umzusetzen. Begleitend würden aber verpflichtende Industriestandards entwickelt, um die Umsetzung erzwingen zu können. Wie die Online-Spiel-Betreiber reagieren werden, bleibt abzuwarten. Vielleicht werden in Zukunft chinesische Online-Helden einfach nicht mehr kurzzeitig sterben sondern schlicht ohnmächtig?

Die Online-Spiel-Betreiber müssen sich aber noch mit weiteren Regelungen herumschlagen: Die Ministerien verlangen unter anderem, dass Dauerspieler in Zukunft nach dem Überschreiten einer bestimmten täglich erlaubten Zahl an Spielstunden automatisch ausgeloggt werden - für die mitunter nach Spielstunden abgerechneten Spiele kein sonderlich erstrebenswertes Ziel. Im Schnitt sollen chinesische Gamer pro Woche 10,9 Stunden mit Online-Spielen verbringen, was nicht sonderlich extrem klingt, die Regelung dürfte aber eher Extrem-Spielern gelten.

Noch härter trifft es allerdings neue Unternehmen, die den Einstieg in den chinesischen Markt für Online-Spiele suchen - die nötige Erlaubnis gibt es in Zukunft erst ab einem registrierten Kapital von knapp 1 Million Euro. Auch diese beiden Reglementierungen sollen für einen besseren Jugendschutz sorgen.  (ck)


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Links zum Artikel:
Interfax China - China bans minors under 18 from playing online games... (.cn): http://www.interfax.cn/showfeature.asp?aid=4211

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