Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0507/39563.html    Veröffentlicht: 29.07.2005 12:19    Kurz-URL: https://glm.io/39563

Vorschau: Das bringt der Internet Explorer 7

Internet Explorer 7 Beta 1 mit Tabbed Browsing, RSS-Feeds und Anti-Phishing

Parallel mit dem Erscheinen der ersten Beta-Version von Windows Vista hat Microsoft auch die erste Beta vom kommenden Internet Explorer veröffentlicht. Zu den Neuerungen des Internet Explorer 7 gehören Tabbed Browsing, ein RSS-Reader, Anti-Phishing-Mechanismen, verbesserte CSS-Konformität und die Unterstützung transparenter PNG-Grafiken. Außerdem verspricht Microsoft mit dem Internet Explorer 7 eine deutlich gesteigerte Sicherheit, um Angriffe aus dem Internet gar nicht erst zu ermöglichen. Die Beta-Version vom Internet Explorer 7 zeigt viele Ansätze, aber noch wenig Endgültiges.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Die Beta 1 vom Internet Explorer 7 wird zusammen mit Windows Vista Beta 1 installiert oder kommt in Form einer rund 10 MByte großen Setup-Datei ins Haus, die sich nur unter einem englischen Windows XP SP2 einspielen lässt. Der Funktionsumfang beider Versionen ist derzeit noch weitgehend identisch, allerdings soll der Browser später besondere Funktionen von Windows Vista nutzen. Voraussetzung für die Installation unter Windows XP SP2 ist die Überprüfung des Systems entsprechend Microsofts Echtheitsüberprüfung.

Acid-Test
Acid-Test
Zu den auffälligsten Änderungen gegenüber dem Internet Explorer 6 gehört die überarbeitete Programmoberfläche, die mehr Raum für die Webseiten-Anzeige bietet. Im Rahmen der Aufräumaktion hat Microsoft bereits die Aktualisieren- mit der Stop-Taste zusammengelegt - weitere umfangreiche Änderungen sollen erst in späteren Beta-Versionen folgen.

Dank Tabbed Browsing lädt der Internet Explorer 7 mehrere Webseiten in ein einziges Programmfenster, wo der Anwender über Reiter auf sie zugreifen kann. Bei der Implementierung dieser in anderen Browsern bereits seit langem vorhandenen Funktion hat sich Microsoft weitgehend an Standards gehalten.

Golem.de
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Mit der Tastenkombination STRG+T öffnet man ein leeres Tab. Ein mittlerer Mausklick auf einen Link oder die Eingabe einer Web-Adresse gefolgt von ALT+Enter lädt eine Seite in ein neues Tab, während ein mittlerer Mausklick auf einen Reiter das Tab schließt. Links aus anderen Anwendungen öffnet der Internet Explorer 7 automatisch in einem neuen Tab. Vermissen lässt die Beta allerdings noch die Möglichkeit, Tabs per Drag and Drop zu sortieren oder über Tastenkombinationen zwischen ihnen zu wechseln.

Die Windows-Fahne, die in früheren Internet-Explorer-Versionen am oberen rechten Fensterrand wehte, ist nun einem Suchfeld gewichen. Eine hier eingegebene Abfrage wird in der Grundeinstellung an den Suchdienst von MSN übermittelt, doch ist auch die Auswahl etwa von Google oder Yahoo möglich. Beim Ausdruck von Webseiten nimmt der Internet Explorer 7 automatisch eine Verkleinerung vor, so dass der gesamte Seiteninhalt auf das Papier passt, ohne dass Informationen abgeschnitten werden.

Phishing-Warnung
Phishing-Warnung
Der von vielen Anwendern erwartete RSS-Reader für Web-Feeds steckt in der aktuellen Beta noch in den Kinderschuhen. Der Browser entdeckt zwar in Webseiten verlinkte Feeds und macht sie über eine Schaltfläche in der Werkzeugleiste zugänglich. Bisher kann man die Feeds aber nur im Browser aufrufen. Eine Funktion für die automatische Benachrichtigung über Aktualisierungen fehlt und Abonnements sind nur ein Link auf die XML-Datei innerhalb der Favoriten. Immerhin präsentiert der Browser dem Leser die Feed-Inhalte in einer ansehnlichen Formatierung und nicht als nackten XML-Code.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Am rechten Rand der Adresszeile hat die Sicherheitsstatus-Anzeige Platz gefunden, in die Phishing-Abwehr und Schnellzugriff auf SSL-Zertifikat-Informationen integriert wurden. Aktiviert man die Anti-Phishing-Funktion, gleicht der Internet Explorer 7 jede besuchte Web-Adresse mit einer lokal gespeicherten Liste vertrauenswürdiger Adressen bekannter Websites ab und übermittelt die URL gleichzeitig an Microsoft. Dort wird sie mit einer aktuellen Übersicht bekannter Phishing-Websites verglichen.

Druckvorschau
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Außerdem nimmt der Browser eine Überprüfung des Seitencodes auf bisher nicht näher beschriebene Phishing-Charakteristika vor. Stößt die Software bei einem dieser Prüfungen auf verdächtige Aktivitäten, schlägt die Sicherheitsstatus-Anzeige Alarm. Das Gleiche gilt auch, wenn der Internet Explorer 7 Sicherheitsprobleme im Rahmen einer SSL-verschlüsselten Verbindung entdeckt.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Da zahlreiche Angriffe darauf beruhen, dass ein Browser-Fenster seine Herkunft durch Verzicht auf eine Adresszeile unkenntlich macht, soll der Internet Explorer 7 keine Fenster mehr ohne Adresszeile erlauben. Ein stichprobenartiger Versuch mit den Seiten der (vollkommen seriösen und ungefährlichen) TV-Zeitschrift tvtv.de zeigt allerdings, dass diese Abwehrmaßnahme noch nicht ausgereift ist.

Zuverlässsiger arbeitet die neue Funktion "Delete Browsing History", die eine zentrale Löschfunktion für Cookies, Verlauf- sowie Formular-Einträge, Passwörter und temporäre Dateien bietet. Ebenfalls in die Kategorie Sicherheit fällt der neue "No add-ons"-Modus, in dem der Browser ohne eventuell installierte Erweiterungen und die damit verbundenen Sicherheitsrisiken startet. Warum Microsoft den wichtigen Eintrag in den Tiefen des Start-Menüs versteckt, ist nicht ersichtlich.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Mit dem Internet Explorer 7 verspricht Microsoft verbesserte CSS-Konformität und Unterstützung für transparente PNG-Grafiken. Für die Beta-Version wurde die Rendering Engine aus dem Internet Explorer 6 bisher zumindest insofern weiterentwickelt, als Guillotine- und Peekaboo-Fehler laut Microsoft nicht mehr auftreten. Allerdings stolpert der Browser über den Acid2-Test des Web Standards Projects, den derzeit aber ohnehin nur Safari sowie Konqueror und weder Firefox noch Opera fehlerfrei absolvieren.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Wie der Acid-Test bereits zeigt, hat sich auf den ersten Blick jedoch nicht viel getan im Rendering-Verhalten des Browsers. Auch die Distorted-Demo von Eric Meyer wird noch immer nicht korrekt angezeigt. Die Demo, die ausschließlich CSS1 benutzt und weder Transparenzen noch JavaScript nutzt, zeigt auch weiterhin Schwächen bei der Positionierung von Hintergrundbildern bei der Anzeige, die andere Browser nicht kennen. Angesichts der ersten Ergebnisse kann man nur hoffen, dass sich innerhalb der Rendering-Engine des Internet Explorers noch etwas tut bis die Final-Version erscheint.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Künftige Beta-Versionen vom Internet Explorer 7 sollen Microsoft zufolge noch deutliche Änderungen an der Programmoberfläche erfahren. Auch das derzeit im Betatest befindliche Anti-Spyware soll in den Browser integriert werden, genauso wie eine Funktion, mit der sich eine durch Browser-Hijacking verbogene Startseite zurücksetzen lässt.

Internet Explorer 7
Internet Explorer 7
Herstellerplänen zufolge kann der Anwender später eigene Suchmaschinen für das Suchfeld konfigurieren und der Browser wird über einen Add-On-Manager verfügen, der Details zu den installierten Erweiterungen verrät und deren Kontrolle erleichtert. Unter Windows Vista sollen Anwender ab Beta 2 des Betriebssystems in den Genuss des Protected-Mode kommen. Dann läuft der Browser mit stark reduzierten Benutzerrechten und ein so genannter Broker-Prozess, der sämtliche Aktivitäten kontrolliert, vermittelt zwischen dem Betriebssystem und dem Browser.

Die Beta 1 vom Internet Explorer 7 steht nur für Entwickler und IT-Profis zur Verfügung, die direkt von Microsoft mit Testmustern ausgerüstet werden oder über einen Zugang zu TechNet oder Microsoft Developer Network verfügen. Die Beta 2 vom Internet Explorer 7 für Windows XP SP2 will Microsoft noch dieses Jahr herausgeben. Ein Veröffentlichungstermin für die finale Version ist weiterhin unbekannt. Nach der Fertigstellung wird der Browser unter Windows XP SP2, Windows XP Professional x64 und Windows Server 2003 SP1 laufen sowie zum Lieferumfang des für das zweite Halbjahr 2006 geplanten Windows Vista gehören. [von Tim Kaufmann]  (ji)


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