Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0507/39284.html    Veröffentlicht: 18.07.2005 08:51    Kurz-URL: https://glm.io/39284

Videoüberwachung verdrängt Kriminalität nicht

Rückgang von Straftaten videoüberwachter Plätze

Bislang ging man meistens davon aus, dass die Videoüberwachung von einzelnen Plätzen die Kriminalität nur an andere Orte verdrängen würde, sie aber nicht wirksam eindämmen könnte. Dies hat sich als Trugschluss erwiesen, so der Focus unter Berufung auf interne Polizeiberichte.

Wie der Focus berichtet, ist die Zahl der Straftaten an kontrollierten Plätzen in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen zum Teil drastisch zurückgegangen. In Bayern konnten mittels Videoanalyse bisher 182 Straftaten aufgeklärt werden. Am Münchner Hauptbahnhof, der seit Mai 2004 überwacht wird, sank die Zahl der Delikte um 49,9 Prozent. Bei Drogenvergehen ging die Kriminalität um 60 Prozent zurück. Im überwachten Bereich von Schweinfurt ging die Zahl der Straftaten seit Februar 2004 um 13,7 Prozent zurück.

Aus Sachsen wurden ebenfalls Erfolge gemeldet: 1999 zählten die Beamten in der Leipziger Innenstadt (Martin-Luther-Ring) dem Focus zufolge noch 542 Gesetzesbrüche. Nach der Installation von Kameras im Jahr 2000 halbierte sich die Zahl. Im vergangenen Jahr wurden nur noch 70 Delikte registriert. An zwei weiteren Standorten reduzierte sich die Zahl der Straftaten binnen fünf Jahren um jeweils mehrere hundert Fälle.

Die Stuttgarter Polizei stellte im Juli 2003 die Video-Überwachung eines ehemaligen Kriminalitätsschwerpunktes ein, weil es so gut wie keine Vorkommnisse mehr gab. Ähnliche Vorgänge gab es auch in Böblingen und Singen.

In London, wo die Überwachung des öffentlichen Raums mit Hilfe von Kameras erheblich stärker ist als hier zu Lande, konnten die Bomben-Attentate zwar nicht verhindert werden, doch konnten schon sehr kurz nach der Tat die Täter mit Hilfe von archivierten Videoaufnahmen identifiziert werden. Dies galt bei einigen Politikern der Union als Argument, auch hier zu Lande die Überwachung des öffentlichen Raumes auszudehnen. Stimmen aus der SPD, von den Grünen und der FDP sowie Datenschützer lehnen dies ab.  (ad)


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