Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0507/39114.html    Veröffentlicht: 08.07.2005 12:11    Kurz-URL: https://glm.io/39114

Plasma: KDE will den Desktop neu erfinden

KDE 4 soll mit neuem Desktop-Konzept aufwarten

Für KDE 4 haben sich die Entwickler der freien Desktop-Umgebung KDE viel vorgenommen. Im Rahmen des Projekts "Plasma" wollen sie den eigentlichen Desktop von Grund auf überarbeiten und mit alten Konzepten brechen, die seit der Einführung des Macintosh 1984 noch immer Bestand haben. Auch wenn die Ideen teilweise radikal klingen, für die Benutzer will man das Leben vor allem einfacher machen, ohne dass diese ihre Arbeitsweise grundlegend verändern müssen.

Die KDE-Entwickler wollen den Schritt hin zu KDE 4 nutzen, um ihren Desktop fundamental zu verändern, schließlich wird bis zum Erscheinen von KDE 4 noch einige Zeit vergehen. Erste Vorarbeiten für Plasma sollen aber schon in das zum Jahresende geplante KDE 3.5 einfließen, allerdings nur unter der Haube. Die bisher einzelnen Desktop-Komponenten Kicker (Panel), SuperKaramba (Widgets) und Kdesktop soll Plasma zusammenführen.

Plasma soll letztendlich aber sowohl Änderungen an der Oberfläche, d.h. im Aussehen des KDE-Desktops, bringen als auch in den zu Grunde liegenden Bibliotheken für Veränderungen und vor allem neue Möglichkeiten sorgen. So sollen im Rahmen von Plasma unter anderem auch die traditionellen Panel-Elemente optisch sowie das Erweiterungssystem in seiner Funktion überarbeitet werden.

Für den normalen KDE-Nutzer soll Plasma aber in erster Linie einen effizienten und ergonomischen Desktop darstellen, mit einer einfachen Konfiguration und bedacht gewählten Standardeinstellungen.

Wirklich große Änderungen erwarten aber die fundamentalen Desktop-Komponenten, die überprüft und ggf. neu designed werden sollen. Das schließt auch das "K Menu", den Dialog "Befehl ausführen" oder die Interaktion mit der Task-Leiste mit ein. Dabei wollen die KDE-Entwickler die in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen nutzen, um neue Ideen gezielt einzusetzen.

KDE-Entwickler Aaron Seigo spricht von einer atemberaubenden Optik, die er durch die Nutzung neuer X11-Techniken wie beispielsweise die Composite-Erweiterung umsetzen will, Hacks soll es nicht geben. Wer nicht über den aktuellen X-Server verfügt, wird dadurch zwar auf einige optische Gimmicks verzichten müssen, soll KDE aber trotzdem mit vollem Funktionsumfang nutzen können. Auch soll es spezielle Modi für Systeme mit wenig Farben, die Nutzung über das Netzwerk oder Sehbehinderte geben. Diese Anforderungen will man von vornherein berücksichtigen, aber nicht versuchen, all diese Anforderungen in einer einzelnen Variante unterzubringen.

Wohin dies führen kann, zeigt unter anderem Komposé-Entwickler Hans Oischinger, der das Arthur-OpenGL-Backend von Qt4 genutzt hat, um mit Hilfe von Composite und GLX die Funktion von Komposé als "Proof of Concept" mit den neuen Möglichkeiten umzusetzen.

Der Desktop selbst soll nicht länger nur ein angepasster Dateimanager sein, auch wenn es weiterhin möglich sein wird, Icons oder Links auf dem Desktop zu platzieren. Der Desktop soll vor allem der Platz sein, um mit dem System zu arbeiten. Dazu wollen die Entwickler ein erweiterbares, in erster Linie aber nützliches Nutzerinterface bieten. Der Nutzer soll zwischen verschiedenen, individuellen Layouts wählen können, je nachdem, was gerade zu tun ist. Dabei wird sich der Desktop auch über die Fenster erheben können, statt sich immer hinter diesen zu verstecken.

Konsistenz soll ein wesentlicher Aspekt von Plasma sein. Desktop und Panel sollen sich beispielsweise der gleichen Applets und Icons bedienen, die Grenze zwischen den einzelnen Desktop-Elementen sollen so verschwinden. Will ein Nutzer die Uhr lieber auf dem Desktop platzieren, nicht in der Task-Leiste, soll er diese einfach per Drag-and-Drop von einem Bereich in den anderen ziehen können. Jedes Applet, das auf dem Desktop funktioniert, soll im Panel die gleichen Funktionen bieten und umgekehrt.

Die Applets sollen sich dabei in verschiedenen Sprachen schreiben lassen - von JavaScript über Python und Ruby bis hin zu C++ und Java. Einzelne Applets in den dynamischen Sprachen sowie Java und JavaScript sollen sich in einzelnen Dateien zur Verfügung stellen lassen, so dass diese leicht über das Internet oder lokale Netzwerke mit Get Hot New Stuff verteilt und mit wenigen Klicks installiert werden können. Laufende Applets lassen sich dann beliebig positionieren - auch fest über anderen Fenstern - und mit einfachen Tastenkombinationen nach vorn holen oder in den Hintergrund verweisen lassen.

Wie auch heute soll KDE in Zukunft mehrere Desktop-Panels unterstützen, allerdings sollen diese in jeder Ecke des Bildschirms sitzen oder über dem gesamten Desktop und auch den Fenstern schweben können. Dabei sind die einzelnen Panels selbst nur Container für weitere Plasma-Elemente. Sie sollen somit den jeweiligen Anforderungen angepasst werden: So kann ein Panel für Tray-Icons anders aussehen als ein Panel mit Schaltflächen zum Starten von Applikationen. Optisch sollen sich die Panels möglichst zurückhalten und einfach geben, zugleich aber Dinge wie Transparenz unterstützen.

Jedes Plasma-Element soll sich über so genannte Extender erweitern lassen. Diese grafischen Elemente sollen sich verstecken lassen und erst zum Vorschein kommen, wenn die Maus über bestimmten Bereichen der Plasma-Elemente verweilt oder diese durch einen Mausklick aufgerufen werden, so dass selten genutzte Elemente oder Informationen nicht unnötigen Platz wegnehmen. Ein Groupware-Element könnte so beispielsweise den Blick auf eine Zusammenfassung der aktuellen Aufgabenliste freigeben.

Bislang besteht Plasma aber vor allem aus einer Sammlung von Ideen, die im Hinblick auf KDE 4 durchdacht und umgesetzt werden sollen. Derzeit konzentrieren sich die Arbeiten darauf, die einzelnen Desktop-Komponenten Kicker, SuperKaramba und KDesktop auf die KDE-Version 3.5 vorzubereiten, die für Ende 2005 geplant ist. Dabei wollen die Entwickler aber bereits ein Auge auf die Zusammenführung der Einzelkomponenten in Plasma haben. Anschließend steht eine Portierung des Codes auf Qt4 an, erst dann will man sich die entsprechenden Bibliotheken vornehmen und deren APIs im Hinblick auf Plasma überarbeiten. Erst wenn auch diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann der Desktop durch ein Plasma-Widget ersetzt werden, das als Container für weitere Widgets dienen soll. Der neue, auf Plasma basierende Desktop soll später mit KDE 4 erscheinen, was für 2006 geplant ist.  (ji)


Verwandte Artikel:
Unix-Desktop: KDE Plasma 5.12 startet schneller und bringt LTS   
(07.02.2018, https://glm.io/132636 )
KWin: KDE beendet Funktionsentwicklung für X11   
(22.01.2018, https://glm.io/132300 )
Linux-Desktop: KDE Plasma 5.11 bringt neues Design der Systemeinstellungen   
(10.10.2017, https://glm.io/130535 )
Unix-Desktop: KDE Plasma 5.10 bringt Ordner zurück auf den Desktop   
(30.05.2017, https://glm.io/128106 )
Linux-Desktop: KDE Plasma 5.9 bringt globale Menüs zurück   
(31.01.2017, https://glm.io/125912 )

Links zum Artikel:
KDE - Plasma: http://plasma.bddf.ca/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/