Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0506/38489.html    Veröffentlicht: 07.06.2005 11:49    Kurz-URL: https://glm.io/38489

Intels Agenda 2008: Acht Stunden Akkulaufzeit

Mobilprozessoren mit 1 Watt Leistungsaufnahme geplant

In der vergangenen Woche hat Intel in San Francisco erneut seine Vision vom kabellosen Notebook präsentiert. In drei Jahren, so hofft das Unternehmen, sollen Notebooks acht Stunden ohne Steckdose auskommen. Dazu ist weit mehr als nur noch sparsamere Chips erforderlich.

Intels Agenda 2008
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Bereits 2002 hatte Intel die "Enhanced Battery Life Working Group" (EBL) gegründet. In diesem Industriekonsortium arbeiten alle namhaften Hersteller von Mobilelektronik zusammen, um die Akkulaufzeit der Geräte zu verlängern. Die Ergebnisse sind jedoch noch spärlich: Neue Akkutechnologien sind außer den dauerverspäteten Brennstoffzellen nicht in Sicht und auch sparsamere Display werden meist nur als Labormuster demonstriert. Dennoch ging Intel 2002 von acht Stunden Laufzeit bis zum Jahr 2010 aus und hat sich selbst jetzt einen zwei Jahre kürzeren Zeitrahmen gesetzt.

Intel selbst springt dabei in die Bresche und entwickelt einige Basistechnologien, die den Herstellern lizenzfrei zur Verfügung gestellt werden sollen. Zu Beginn steht jedoch die Identifikation der Stromfresser im Notebook. Nach Intels Messungen stehen dabei die Spannungswandler hinter Display und Chipsatz mit 12 Prozent Anteil am gesamten Strombedarf an dritter Stelle. Das Unternehmen schlägt deshalb ein neues Design vor, bei dem die Zellen der Akkus in Reihe geschaltet sind und zahlreiche Bauteile eingespart werden. So soll statt einer eigenen Ladeelektronik ein "System Charger" den Strom verteilen und an die Wandler durchreichen. Die bisherige Trennung der Versorgungsleitungen aus Netzteil oder Akku entfällt.

Intels Agenda 2008
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Notebooks verbrauchen bei der Spannungswandlung viel Strom, da von unter 2 Volt bis 12 Volt alle im PC üblichen Spannungen benötigt werden. Daher liefern Netzteile stets mehr als 12 Volt - meist 16 bis 19 Volt - und im Notebook werden diese Spannungen wieder gewandelt. Das ist nicht nur wenig effizient, sondern produziert auch Hitze. Einer getrennten Versorgung mit zumindest 5 und 12 Volt aus dem Netzteil erteilte Intel wegen Fehleranfälligkeit und dickerer Kabel in San Francisco eine Absage.

Intels Agenda 2008
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Bei den eigenen Produkten denkt sich Intel inzwischen einige Tricks aus, die beim Stromsparen helfen sollen. So existiert schon bei der aktuellen Sonoma-Plattform eine Schaltung im Chipsatz, welche die Displayhelligkeit automatisch regeln kann. Dazu wird im Frame-Buffer die Gamma-Kurve des Bildes verändert, so dass die Hintergrundbeleuchtung weniger hell strahlen muss. Das Bild wird laut Intels Angaben mit 60 fps neu berechnet, was kaum Performance schlucken soll. Das Display wird jedoch nur bis zu zehnmal in der Sekunde geregelt, so dass man auf den realen Bildeindruck gerade bei Videos oder Spielen gespannt sein darf. Bisher wird diese Technologie aber noch nicht genutzt, die Notebook-Hersteller testen laut Intels Angaben das Verfahren noch. Es soll in der Praxis über 1 Watt einsparen.

Intel selbst hat sich für seine Vision vom Acht-Stunden-Notebook bis 2008 die Formel "1-2-6" verordnet. Die CPU soll nur noch 1 Watt benötigen, der Chipsatz 2 Watt und der Rest des Systems 6 Watt - inklusive des Displays. Gerade hier ist noch viel Arbeit nötig. Wie Intels Mobilitätsexperte Mike Trainor erklärte, sind gerade die oft hochgelobten OLEDs vielleicht nicht die erhoffte Lösung. Bei diesen organischen LEDs, die heute schon oft in MP3-Playern als Display eingesetzt werden, entfällt zwar die Hintergrundbeleuchtung, aber, so Trainor, wenn wie bei PCs üblich viele weiße Pixel leuchten, seien OLEDs fast so stromhungrig wie LCDs mit Hintergrundbeleuchtung.

Intels Agenda 2008
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Auch bei den Akkutechnologien tut sich laut Intel nicht viel. Erst 2006 erwartet Intel externe Brennstoffzellen für Notebooks und interne - die dann wie bisherige Akkus verbaut werden könnten - erst jenseits von 2010. Bis dahin bleibt also nur, die Lithium-Ionen-Zellen weiter auszureizen. Und natürlich Strom einzusparen, wo es nur geht. Intels Chef-Entwickler für die Mobil-Chips, Mooly Eden, deutete in seinem Vortrag immer wieder an, dass mit der nächsten Plattform rund um die Dual-Core-CPU "Yonah" Anfang 2006 statt der bisher laut Intel im Durchschnitt vier Stunden schon fünf Stunden Akkulaufzeit zu erreichen sind. Dabei dürften jedoch Office-Anwendungen gemeint sein, beim DVD-Betrachten laufen Notebooks meist nur halb so lang.

Da Intel selbst nur bei den Chips ansetzen kann, investiert das Unternehmen mit seiner Abteilung "Intel Capital" auch in andere Firmen, die Mobil-Technologien herstellen. So unterstützt man bei PolyFuel unter anderem die Entwicklung von Brennstoffzellen und bei Cymbet neue Polymere sowie Dünnfilm-Technologien für herkömmliche Akkus. [von Nico Ernst]  (ip)


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