Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0505/38059.html    Veröffentlicht: 18.05.2005 14:05    Kurz-URL: https://glm.io/38059

Spieletest: Stronghold 2 - Komplexer Burgenbau in 3D

Fortsetzung des erfolgreichen Strategietitels

Stronghold wusste Ende 2001 mit seinen komplexen Aufbau- und Kampfpassagen Strategie-Fans allerorten zu begeistern. Fast vier Jahre später schicken die Entwickler der Firefly Studios nun die Fortsetzung ins Rennen. Neben deutlich mehr Einheiten und komplexeren Wirtschaftskreisläufen wurde vor allem auch die Optik überarbeitet.

Stronghold 2 (PC)
Stronghold 2 (PC)
Stronghold 2 erstrahlt nun nämlich in 3D - und die Entwickler gaben sich größte Mühe, die neue Grafikpracht durch zahlreiche kleine Details noch weiter aufzubohren. Wenn etwa Mauern unter den Angriffen eines Katapultes zerbröseln oder Bürger ihrem Unmut über zu hohe Steuern Luft machen, sieht das teilweise wirklich bis zum letzten Pixel äußerst liebevoll animiert und gestaltet aus. Trotzdem setzt Stronghold 2 grafisch aber keine neuen Maßstäbe im Strategie-Genre: An den Glanz eines Siedler V kommt man nicht ganz heran.

Stronghold 2
Stronghold 2
Stronghold 2 bietet zwei komplexe Kampagnen mit vielen, sehr unterschiedlichen Einzelaufgaben; die nette, allerdings nicht sonderlich innovative Hintergrundgeschichte wird in Zwischensequenzen in Spielgrafik vermittelt und vermag es recht gut, eine schöne Mittelalter-Atmosphäre entstehen zu lassen.

Prinzipiell besteht Stronghold 2 wieder aus den beiden gewichtigen Teilen Aufbau und Kampf: Einerseits geht es darum, zum mächtigen Burgherren aufzusteigen, ein riesiges, gut gesichertes Areal zu errichten, die eigenen Untertanen bei Laune zu halten sowie für das Vorhandensein aller nötigen Güter zu sorgen. Der andere Teil ist vor allem für Taktik-Fans natürlich der interessantere - hier wird belagert, gekämpft und zerstört, bis die Burgmauern nachgeben.

Stronghold 2
Stronghold 2
Die einzelnen Missionen sind sehr abwechslungsreich und lassen nicht so schnell Langeweile aufkommen. Da gilt es nicht nur, einen Wikingeraufstand zurückzuschlagen, sondern etwa auch, eine Hungersnot durch geschicktes Warenmanagement zu lindern oder einer Rattenplage Herr zu werden. Zudem spielt Ehre diesmal eine große Rolle: Wer etwa bestimmte neutrale Gebiete seinem eigenen Machtbereich anschließt, steigt in der Hierarchie auf und erlangt so neue Ehrenämter und weitere treue Untertanen wie Statthalter.

Stronghold 2
Stronghold 2
Die Nahrungsketten sind diesmal deutlich komplexer als im Vorgänger; alles hängt mit allem zusammen: Was an der einen Stelle weggenommen wird, fehlt an der anderen. Stronghold 2 informiert den Spieler aber beständig über Ungereimtheiten und Engpässe; das Mikromanagement ist trotz aller Möglichkeiten und Zusammenhänge also relativ einfach zu überblicken.

In den Gefechten hingegen dürfte es Strategie-Anfängern hingegen bald zu bunt werden - hier sind von Beginn an Profis gefragt. Das liegt vor allem daran, dass man meist einer großen Übermacht entgegensteht und es so trotz zahlreicher neuer Einheiten, Waffen und Fallen schwierig ist, dem Ansturm Stand zu halten. Ebenfalls schade ist, dass viele der oft wirklich witzigen Einheiten (etwa rollende Baumstämme zur Feindabwehr) erst mit der Zeit freigeschaltet werden können und somit nicht von Beginn an zur Verfügung stehen.

Stronghold 2
Stronghold 2
Enttäuschend ist bei Stronghold 2 über weite Strecken leider die KI; der hohe Schwierigkeitsgrad resultiert mehr aus der Größe der feindlichen Armeen, weniger aus deren schlauem Vorgehen. Die Wegfindung funktioniert manchmal überhaupt nicht, zudem rennen Truppen immer wieder munter in dieselben Fallen hinein, was den Spaß an neuen und gut positionierten Fallen ein wenig schmälert.

Stronghold 2
Stronghold 2
Ebenfalls Abzug gibt es für die Hardware-Anforderungen von Stronghold 2; das Spiel scheint stellenweise wirklich schlampig programmiert worden zu sein. Wer keinen Top-Rechner mit 512 MByte RAM, wenigstens 2-GHz-CPU und aktueller DirectX9-Grafikkarte besitzt, wird kaum seine Freude mit dem Spiel haben - dann ruckelt es nämlich ganz erheblich. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Bugs, von denen ein Teil zumindest mit dem ersten Patch aber bereits behoben wurde.

Stronghold 2 ist für PC im Handel erhältlich. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten und kostet knapp 40,- Euro.

Fazit:
Stronghold 2 ist nicht ganz der Top-Strategietitel geworden, den man sich erhofft hatte - mangelhafte KI, extrem hoher Schwierigkeitsgrad und sehr hohe Hardware-Anforderungen drücken den Spielspaß erheblich. Mittelalter-Freunde sollte das allerdings trotzdem nicht von einem Kauf abhalten: In Sachen Komplexität und Atmosphäre ist das Spiel eine Klasse für sich.  (tw)


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