Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0503/37205.html    Veröffentlicht: 31.03.2005 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/37205

Eigener TV-Sender für private Film-, Foto- und Musiksammlung

Privater TV-Kanal für Home-Entertainment statt Set-Top-Boxen, Ethernet und WLAN

Wer seine Wohnung nicht komplett neu verkabeln will, hat die Möglichkeit, multimediale Inhalte entweder per WLAN zu funken oder per Stromleitung zu verteilen - braucht dann aber jeweils passende Adapter und Netzwerk-Player. Als Alternative bietet sich das modVES-Konzept von Alexander Hoch an, sprich die Verwendung der heimischen und mitunter in jedem Zimmer vorhandenen Antennenleitung: warum Audio, Bilder und Videos vom Heimserver nicht einfach per eigenem Fernsehkanal analog in alle Zimmer zum herkömmlichen Fernseher ohne Zusatzempfangsgerät senden?

modVES-Konzept
modVES-Konzept
Das modVES-Konzept (engl. modulation based Video Entertainment System) von Alexander Hoch ist weder von der bestehenden Netzwerkstruktur noch von einer Direktverbindung mit dem TV-Gerät abhängig. Die Inhalte werden über einen eigenen TV-Kanal über die Antennenleitung auf alle Fernseher in der Wohnung verteilt und per Infrarot oder Funk ferngesteuert. Dabei spielt es keine Rolle, wo der modVES-Rechner in der Wohnung steht.

Um das Desktopbild und den Stereoton des modVES-Rechners ins wohnungseigene Antennennetz einzuspeisen, wird ein handelsüblicher TV-Modulator (HF-Modulator) für rund 80 - 160 Euro verwendet. Dieser TV-Modulator wandelt das am Scart-Eingang anliegende TV-Out-Signal der Grafikkarte und das Audiosignal der Soundkarte in einen eigenen TV-Kanal um. Damit es mit keinem bereits belegten TV-Kanal zur Kollision kommt, ist eine freie Frequenz für den eigenen TV-Kanal zu wählen. Hier hilft die Kontrolle über das TV-Gerät weiter.

Anschließend wird das Antennenausgangsignal des Modulators mit dem vorhandenen Antennenetz verbunden. Spezielle SAT-Antennendosen oder besonders abgeschirmte Antennenleitungen werden für den Anschluss des TV-Geräts nicht benötigt. Das modVES-Konzept arbeitet im Frequenzbereich herkömmlicher, analoger Antennenstrukturen mit Frequenzen bis zu 862 MHz.

HF-Modulator in Aktion
HF-Modulator in Aktion
An allen Fernsehern steht auf diese Weise der selbst erzeugte TV-Kanal des Rechners inklusive aller bereits ankommenden TV-Kanäle zur Verfügung. Der Rückkanal erfolgt beim modVES-Konzept über eine Infrarot-Fernbedienung (Tastatur- und Maussteuerung). Deren Infrarotsignale werden per Funkbrücke in Richtung Rechner gesendet, zurückgewandelt und an die Infrarotschnittstelle des Computers übertragen.

Gewählt wurde dieser Weg für eine höhere Reichweite, da die gewählte IR-Funkbrücke mehr Leistung als eine Funkfernbedienung haben soll - über eine Frequenz von 433 MHz soll bis zu 30 Meter durch Wände und Decken gefunkt werden können. Allerdings können unter Umständen Latzenzzeiten zum Tragen kommen, etwa wenn zu schnell auf einer IR-Tastatur getippt wird.

Reine Audioübertragung ist theoretisch ebenfalls möglich, wenn man keinen Fernseher für den Empfang sondern ein Radio zur Wiedergabe der eigenen MP3-Sammlung verwenden möchte. So könnte man einen MP3-Player mit einem passenden FM-Modulator verbinden und das Signal im Radiofrequenzbereich als eigenen Antennenkabel-Radiosender innerhalb der Wohnung einspeisen.

Das modVES-Konzept soll jedoch nicht nur der einfachen Verteilung multimedialer Inhalte dienen, sondern es auch erlauben, beliebige Anwendungen des Rechners von jedem TV-Gerät in der Wohnung aus zu starten und per Rückkanal zu steuern. Wer möchte, kann über die Fernseher in seiner Wohnung E-Mails abfragen, im Internet surfen oder TV-Aufnahmen programmieren.

Blick in Alexander Hochs modVES-Wohnzimmer
Blick in Alexander Hochs modVES-Wohnzimmer
Die Umsetzung des modVES-Konzeptes setzt zudem kein spezielles Betriebssystem auf dem Rechner voraus, stellt die komplette Funktions- und Leistungsfähigkeit des Computers am TV-Gerät zur Verfügung und kann ebenfalls einen digitalen sowie analogen Brückenschlag zu anderen Computern, Netzwerkplayern oder analogen Endgeräten (DVD-Player, Videorekorder) herstellen.

Wiedergegebene Inhalte lassen sich bei Bedarf über einen zweiten, gesonderten, analogen TV-Kanal ins Antennennetz der Wohnung einspeisen und über den modVES-Rechner in Echtzeit aufzeichnen. Verfügt der modVES-Rechner zum Beispiel über eine empfangsbereite digitale Satelliten- oder DVB-T-Karte, lassen sich ohne zusätzliche Empfänger (DVB-Receiver) an jedem Fernseher die Programme wiedergeben und gleichzeitig über den modVES-Rechner aufzeichnen.

Aufgrund der Funktionsvielfalt und Flexibilität öffnet das modVES-Konzept "der kreativen Umsetzung eines komplexen Home-Entertainment-Systems Tür undTor", so Alexander Hoch. Bereits seit drei Jahren beschäftigt sich Hoch mit seinem System und betreibt es funktionsfähig bei sich zu Hause.

Über 1.800 Filme wurden von Hoch bereits aus dem Fernsehen aufgezeichnet und rund 1.200 Filme archiviert. Im 24-Stunden-Einsatz erprobt, handelt es sich somit um keine theoretischen Überlegungen - und auch um keinen Aprilscherz, über den Aufbau modulationsbasierender Videoserversysteme schrieb Hoch bereits zahlreiche Artikel in Computer- und Videomagazinen. Mit dem modVES-Konzept läutet er die zweite Generation seiner modulationsbasierenden Videoserverlösung ein. Dabei ist er nicht der einzige, der einen TV-Modulator für diesen Zweck einsetzt, weit verbreitet war die Idee bei Computernutzern aber bisher nicht.

modVES-Tüftler Alexander Hoch
modVES-Tüftler Alexander Hoch
Für die Zukunft arbeitet Hoch an der dritten Generation des Verfahrens, im Visier stehen dabei modulationsbasierende Multifunktionsserver, die mehrere Aufnahmefunktionen gleichzeitig erledigen und eine digitale Übertragung von Inhalten über herkömmliche analoge Antennenstrukturen ermöglichen. "Es macht schließlich keinen Sinn, dass während der Aufnahme oder in Ruhepausen die Leistung moderner Computersysteme mit leistungsfähigen Prozessoren nur teilweise genutzt wird. Gefragt sind vielmehr Multifunktionssysteme mit Dual-Tuner- oder Dual-Hybrid-Tunerlösungen, die nicht nur manuell programmierte EPG-Aufnahmen durchführen können sondern ebenfalls automatisch multimediale Inhalte nach vorgegebenen Kriterien im 24-Stunden-Takt generieren. Erste Versuche hierzu sind vielversprechend", so Alexander Hoch.

Wer mehr über das modVES-Konzept wissen will, findet einen von Hoch verfassten modVES-Grundlagenartikel mit dem Titel "Der eigene TV-Sender" in der PC Professionell 05/2005 (S. 172). Auch ein offizielles modVES-Forum hat der Autor zum Start seiner zweiten modVES-Generation ins Leben gerufen: Unter modves.de finden interessierte Heimnetzwerker ab 1. April 2005 zwar nicht den vorerst der gedruckten Ausgabe des PC-Pro-Magazins vorbehaltenen Grundlagenartikel, können dort aber Fragen zur Technik stellen sowie Details zu den Hard- und Softwarekomponenten des modVES-Referenzrechners finden.  (ck)


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Links zum Artikel:
modVES - modulation based Video Entertainment System: http://www.modves.de
PC-Professionell: http://www.pc-professionell.de

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