Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0503/37107.html    Veröffentlicht: 24.03.2005 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/37107

AOL Phone: AOL plant VoIP-Telefonsystem in Deutschland

VoIP-Telefoniesystem von AOL benötigt keinen laufenden PC

Erst waren es kleinere Anbieter, die ihr Heil in VoIP suchten, mittlerweile gehen aber auch die Schwergewichte ins Rennen. T-Online kündigte zur CeBIT 2005 immerhin einen VoIP-Software-Client an und stellte entsprechende Hardware-Angebote in Aussicht, bei AOL testet man derzeit, was bei Anbietern wie Freenet, 1&1 oder Sipgate schon länger zu haben ist: Internettelefonie ohne PC. Auch AOL setzt dabei auf das SIP-Protokoll und bietet bis zu sieben verschiedene Ortsnetzrufnummern pro Konto. Noch steht nicht fest, wann und zu welchen Konditionen das AOL Phone genannte Angebot starten wird, Golem.de konnte aber bereits einen Blick darauf werfen.

AOL Phone
AOL Phone
AOL will in naher Zukunft in den Markt für Internettelefonie einsteigen und führt dazu derzeit einen geschlossenen Beta-Test durch. Dazu will der Provider mit Hardware-Herstellern zusammenarbeiten und passende Produktpakete bereitstellen, die dann mit AOL-Logo in den Handel kommen sollen. Dabei will AOL großen Wert darauf legen, dass die Systeme nach einfachen Konfigurationsschritten sofort einsatzfähig sind. Die derzeit als Vorabmodelle verfügbaren Geräte konnten diese Anforderungen erfüllen und ließen sich, wie auch bei anderen Anbietern, bequem einrichten. Anders als man es sonst von AOL gewohnt ist, kann AOL Phone mit beliebigen Internetzugängen verknüpft werden, so dass keineswegs ein Internettarif von AOL verwendet werden muss, um den Dienst zu nutzen.

AOL Phone
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Ähnlich wie bei anderen Anbietern muss zur Nutzung der VoIP-Telefonfunktionen die von AOL angebotene Hardware mit einem DSL-Router oder -Modem verbunden werden. Nach einer Konfiguration muss nur noch ein herkömmliches Telefon angeschlossen werden und schon ist man telefonisch über die von AOL vergebene VoIP-Rufnummer erreichbar, nachdem das Gerät über einen PC konfiguriert wurde. Da die Hardware den Telefonanschluss durchschleift, ist man neben der AOL-Phone-Rufnummer auch weiterhin über die herkömmliche Festnetzrufnummer erreichbar, sofern ein entsprechender Anschluss vorhanden ist.

AOL Phone
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Sobald die Konfiguration abgeschlossen wurde, wird kein PC mehr benötigt, um über die von AOL vergebene Ortsnetzrufnummer erreichbar zu sein oder eben andere Teilnehmer im Fest- oder Mobilfunknetz anrufen zu können. Lediglich bei einer Änderung der Konfiguration ist ein PC hilfreich, weil dies über ein Web-Interface leichter umsetzbar ist. Die Sprachqualität von AOL Phone konnte in ersten Tests überzeugen und gab keinen Grund zur Beanstandung. Aktuelle VoIP-Hardware wie die Fritz!Box Fon sorgen hier für entsprechend geringe Latenzzeiten und dank der verwendeten Codecs auch für eine Sprachqualität auf ISDN-Niveau.

AOL Phone
AOL Phone
Sobald die Grundkonfiguration abgeschlossen ist, wird der PC nur noch benötigt, um Änderungen an der Konfiguration vorzunehmen, was über ein Web-Interface erledigt wird. Darüber lassen sich zum Beispiel Filter erstellen, um das Anrufen bestimmter Rufnummern zu unterbinden und etwa Mobilfunkrufnummern oder Sonderrufnummern generell auszuschließen. Möchte man für bestimmte Telefonnummern gar nicht erreichbar sein, lässt sich auch das entweder über eine Black- oder eine Whitelist erreichen. Befindet sich eine Telefonnummer in der Blacklist, erhält der betreffende Anrufer nur eine Ansage, dass man den Teilnehmer wegen fehlender Autorisierung nicht erreichen kann.

AOL Phone
AOL Phone
Außerdem umfasst AOL Phone einen Anrufbeantworter, der sich ebenfalls über das Web-Interface konfigurieren lässt. Auch die üblichen Weiterleitungsoptionen stehen bereit und können nach Belieben zugeschaltet werden. Einige Konfigurationsoptionen von AOL Phone lassen sich auch bequem über Tastencodes auf dem Telefon vornehmen, allerdings ist das weniger komfortabel als über einen Web-Browser.

Ein AOL-Phone-Konto umfasst bis zu sieben Rufnummern, die alle an die Adresse des Kunden gebunden sind. Es lassen sich also keine Rufnummern vergeben, die in einem anderen Vorwahlbereich außerhalb des eigenen Wohnorts liegen, um so etwa mit Freunden oder Verwandten in weit entfernten Städten zu Orstnetzkonditionen zu telefonieren. AOL verspricht, Rufnummernvorwahlen für alle deutschen Ortsnetze anzubieten.

AOL Phone
AOL Phone
Noch stehen die Gebührenkonditionen für AOL Phone nicht fest, aber es ist bereits bekannt, dass Gespräche zwischen AOL-Phone-Nutzern kostenlos sein werden. Noch ist unklar, ob es auch Kooperationen mit anderen SIP-Anbietern geben wird, um SIP-Gespräche kostenlos anzubieten. Es wird ansonsten mehrere Gebührenmodelle geben, wobei voraussichtlich auch eine Flatrate-Option angeboten wird, worin alle Telefongespräche abgedeckt werden. Ab wann AOL Phone für die breite Masse verfügbar sein wird, ist ebenfalls nicht bekannt. Angepeilt wird aber wohl das zweite Quartal 2005.

AOL Phone
AOL Phone
Andere Zugangs-Provider sind mit vergleichbaren Angeboten schon heute am Markt und bieten diese zumeist als Mehrwert zum Internetzugang an. Einen anderen Ansatz wählt aber beispielsweise Sipgate, die unabhängig vom Zugangsanbieter arbeiten, d.h. auch wenn der Zugangs-Provider gewechselt wird, kann das VoIP-Setup unverändert weitergenutzt werden.

AOL Phone
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Grundlegende Funktionsunterschiede lassen sich dabei kaum ausmachen, so dass neben den angebotenen Tarifen vor allem die Netzwerkeffekte zum Tragen kommen, also die Zahl der relevanten Nutzer, mit denen kostenlos telefoniert werden kann. Vorteile bieten also tendenziell die Anbieter, die selbst eine große Nutzerschaft versammeln oder über die durch eine Zusammenschaltung ihrer Netze mit anderen Anbietern möglichst viele Nutzer kostenlos erreichbar sind.

AOL will den Dienst mit den beiden Hardware-Produkten Fritz!Box Fon von AVM und dem Prestige 2002L von Zyxel starten. An beide Geräte können jedoch nur analoge Telefone angeschlossen werden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt sind dann auch Geräte geplant, die mit ISDN-Telefonen betrieben werden können, denn noch ist die ISDN-Variante von AVMs Fritz!Box Fon nicht erhältlich.  (ip)


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