Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0503/36886.html    Veröffentlicht: 11.03.2005 18:35    Kurz-URL: https://glm.io/36886

CeBIT: Intel optimiert Software für Dual-Core-CPUs

Pentium D vor schwierigem Start mit älterer Software und Spielen

Im zweiten Quartal 2005 will Intel seine ersten Prozessoren mit zwei Kernen auf einem Chip auf den Markt bringen. Im Interview mit Golem.de erklärte Intel-Direktor Bill Leszinske, wie Intel dafür sorgen will, dass die vergleichsweise niedrig getakteten Chips bei den bisher üblichen Benchmarks nicht schlecht abschneiden.

Schon seit der Einführung von HyperThreading hat Intel ein Problem: Das Gros der heute eingesetzten Software wurde bei der Programmierung nicht oder nur halbherzig in Threads aufgeteilt. Diese "Threaded apps" braucht Windows aber, um die Last auf mehrere Prozessoren verteilen zu können. Dieses Problem dürfte Mitte 2005 noch deutlich stärker zu Tage treten, wenn der Pentium D der 800er-Serie verfügbar ist.

Wie Intel bereits im Rahmen des IDF erklärte, laufen die einzelnen Kerne je nach Modell mit 2,8 bis 3,2 GHz - den höchsten Takt bei Intel hat damit weiterhin die 500er-Serie des Pentium 4, die jetzt schon mit bis zu 3,8 GHz verfügbar ist. Gerade ältere Spiele profitieren auf Intel-CPUs aber von jedem MHz mehr. Damit dürfte der Pentium D in einigen Tests durchaus deutlich langsamer sein, als die bisherigen Pentiums. Ganz anders sieht das bei Office- Anwendungen und den meisten Multimedia-Programmen aus. Insbesondere professionelle Tools zur Bild- und Videobearbeitung sind schon seit Jahren auf den Einsatz mit Mehrprozessor-Maschinen optimiert.

Intel hat sich jedoch ganz auf Dual-Core eingeschworen und auf dem IDF bereits 15 neue Prozessoren angekündigt. Insbesondere Spiele müssen dafür aber komplett neu entwickelt werden: "Der Nutzen wird hier erst in ein bis zwei Jahren sichtbar", erklärte Bill Leszinske, Marketing-Direktor für Consumer-Clients. Leszinske ist außerdem für die Produktplanung in diesem Bereich verantwortlich und hat so ein besonderes Interesse an einem Erfolg des Pentium D.

Bisher war Dual-Processing bei Consumer-Anwendungen kaum ein Thema, und wenn, dann nur wegen HyperThreading. Nun setzt Intel aber ganz gezielt bei beliebten Anwendungen an, die viel Rechenzeit verschlingen. So verriet Leszinske, dass man derzeit mit Skype zusammen einen Codec für das verbreitete VoIP-Tool entwickelt, der Dual-Cores nutzen kann. Insbesondere bei Konferenzen mit vielen Teilnehmern zwingt Skype nämlich bisher auch starke Rechner in die Knie.

Neben direkter Hilfe für Entwickler hat Intel auch seine Programmier-Tools ganz an Dual-Cores angepasst. Der Code-Analysator "VTune" kann jetzt erstmals auch mit Dual-Maschinen umgehen. Die Intel-Compiler, die im Übrigen auch für Athlons recht guten Code liefern, können seit der Version 8.1 ihren Code auf Dual-Cores optimieren.

Auch das Programm "Thread Checker" kann mit den neuen Prozessoren schon umgehen. Neben den schon bekannten Tools wie VTune und Compilern wird der Thread Checker jetzt immer wichtiger, da er nicht nur zeigt, wo es sich lohnt, ein Modul in Threads aufzuteilen. Da sich Threads auch gegenseitig blockieren können, wenn etwa der eine auf die Fertigstellung einer Berechnung durch einen anderen Thread warten muss, kann man diese mit dem "Thread Profiler" sichtbar machen. Dieses Programm ist Teil des Thread-Checker-Pakets. All diese Tools sind auf den Entwicklerseiten von Intel zu finden.

Doch nicht nur die Programmierer müssen etwas umdenken, auch die Kunden. Bis jetzt staffelte Intel die Nummern nach der Leistung, die neue 800er-Serie ist aber nicht in jedem Fall schneller, sondern benötigt optimierte Anwendungen, um die "Kraft der zwei Kerne" wirklich ausnutzen zu können. [von Nico Ernst]  (ji)


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Links zum Artikel:
Intel Software - Threaded Applications (.com): http://www.intel.com/software/products/threading/

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