Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0412/35313.html    Veröffentlicht: 22.12.2004 15:44    Kurz-URL: https://glm.io/35313

Spieletest: Men of Valor - Und noch ein Vietnam-Shooter...

Wenig Neues bietende Ballerei

Der für PC und Xbox verfügbare Shooter "Men of Valor" widmet sich dem bei Kriegsspiel-Fans scheinbar immer noch recht beliebten Vietnam-Krieg. Dabei ist auch Man of Valor Squad-basiert und besteht aus mehr oder minder aufwendigen Leveln, die es mit den eigenen Männern zu überleben gilt.

Men of Valor (Xbox)
Men of Valor (Xbox)
Als eine der wenigen Besonderheiten in Men of Valor spielt man als Hauptfigur einen farbigen GI und das Thema Rassismus ist in den häufigen Zwischensequenzen und den In-Game-Texten immer wieder einmal an der Tagesordnung. Meist jedoch blickt man wie seine Teamkameraden nur auf das Visier eines M16 oder eines der zahlreichen anderen Waffen und versucht, so gut es geht, mit dem Controller die anstürmenden Feinde aufs Korn zu nehmen. Dies gelingt auf der von Golem.de getesteten Xbox-Version nach anfänglichem Üben im unvermeidlichen Trainingscamp auch recht gut, wobei das Spiel allerdings sehr gnädig mit Beinahetreffern umgeht und sie in Volltreffer verwandelt.

Screenshot #1
Screenshot #1
Wird die eigene Spielfigur getroffen, sinkt nicht nur wie in allen Shootern eine Lebensenergie-Anzeige: Die Blutung muss durch Drücken einer Controller-Taste zusätzlich noch gestoppt werden, sonst ist der GI bald verblutet. Die notwendigen Verbandspäckchen sammelt man von getöteten Feinden oder am Wegesrand auf. Ähnlich verhält es sich auch mit Waffen und Munition, die immer entsprechend dem Einsatzzweck in großer Anzahl bevorratet werden sollten, um nicht irgendwann buchstäblich mit leeren Händen dazustehen.

Zwar ist es mit der künstlichen Intelligenz des Gegners nicht zuletzt auf Grund der starken Script-Beeinflussung des Spiels nicht weit her, dennoch gibt es auf Seiten der Vietcong im Spiel gute Schützen, die manchmal für heftige Frusterlebnisse sorgen, vor allem weil die automatischen Spielspeicherpunkte in Man of Valor doch sehr weit auseinander liegen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Das Verhalten der eigenen Kameraden hingegen ist mehr oder minder tadellos - einen Befehl kann man ihnen nicht geben, sondern muss sich ganz darauf verlassen, dass ihnen die Spieleentwickler genug Mut und Zielwasser mit auf den Weg gegeben haben, was meist auch der Fall ist. Um den Gesundheitszustand seiner Mitstreiter muss man sich keine Sorgen machen - er wird schlichtweg nicht simuliert. Die recht gut verteilten Spreng- und sonstigen Fallen im Spiel können selbst entschärft - falls sie denn rechtzeitig entdeckt werden - oder die Arbeit den Kameraden überlassen werden. Dann empfiehlt sich allerdings eine etwas langsamere Gangart.

Screenshot #3
Screenshot #3
Die starke Scriptung sorgt teilweise dafür, dass aberwitzige Spielsituationen entstehen. Im Test passierte es uns mehrmals, dass wir uns entgegen dem wohl vorgegebenen Pfad von der Seite in den Strom anstürmender Feinde stellten und praktisch ignoriert wurden, sogar noch nachdem wir das Feuer eröffneten.

Screenshot #4
Screenshot #4
Die Soundkulisse des Spiels ist besonders auf Mehrkanalsystemen hervorragend. Nach einiger Zeit lernt man sogar willkürlich die einzelnen Waffen des Gegners am Ton zu unterscheiden. Es hört sich sogar anders an, wenn die Kugeln in den Sand schlagen, auf Holz auftreffen oder durch die Blätter zischen.

Die Sprachfetzen innerhalb der Missionen tun ihr Übriges, um den Eindruck entstehen zu lassen, selbst ein Teil des verschworenen Teams zu sein. Es stehen neben den amerikanischen Waffen auch die des Gegners zur Verfügung und hin und wieder darf man sich auch an ein fest installiertes MG stellen. Zur Auswahl stehen natürlich auch Handgranaten, Sturmgewehre, MPs und ein mit einer Schrotpatrone oder einer Granate munitionierbarer kleiner Werfer.

Screenshot #5
Screenshot #5
Wie auch schon bei Conflict Vietnam sind die Nachladezeiten der Waffen viel zu schnell und auch bei Men of Valor kann man unmenschlich viel Ausrüstung und Munition mit sich herumtragen, ohne zusammenzubrechen. Die Reichweiten der Waffen ist unrealistischerweise viel zu hoch, die Waffenwirkung selbst jedoch etwas ausbalancierter. So sind je nach getroffener Körperregion mehr oder weniger Treffer notwendig, um einen Gegner auszuschalten. Nach dem Schuss verreißt die Waffe nicht wirklich und so ist auch kein Neuausrichten auf das Ziel notwendig. Die Steuerung ist recht ordentlich realisiert, so dass man nach einer Eingewöhnungsphase mit Man of Valor gut zurecht kommt.

Screenshot #6
Screenshot #6
Auch Grafisch hat Men of Valor Positives und Negatives zu bieten. Gut gelungen ist die Vegetation, die streckenweise wirklich undurchdringlich und dschungelig wirkt. Beim Wasser gibt es schöne Oberflächen-Reflexionen, Kräuselungen und kleine Wellen, wenn man darin läuft. Auch der vielfältig gestaltete Himmel und die Gebäude oder was von ihnen übrig geblieben ist, tragen zur Atmosphäre bei. Bei der Animation der Figuren selbst können sich die Entwickler hingegen nicht gerade mit der Spitze des Feldes messen - viel zu abgehackt und ungelenk bewegen sich die Soldaten durch die Landschaft. Das hat man zum Beispiel schon bei Rainbow 6 oder aktuell bei Conflict Vietnam deutlich besser gesehen.

Fazit:
Wäre Men of Valor nicht der x-te Vertreter des Vietnam-Ballergenres, hätte man sicher mehr Lob aussprechen können, so hingegen ist wenig Neues zu sehen, was Men of Valor vom Konkurrenzumfeld abheben könnte. Der durch Scripte stark vorgegebene Ablauf lädt leider nicht gerade zu ausgedehnten taktischen Spielzügen ein und der Frustrationsfaktor ist auf Grund der seltenen Speicherpunkte gerade in höheren und deutlich schwereren Leveln unbarmherzig hoch.  (ad)


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Links zum Artikel:
VU Games - Men of Valor (.com): http://www.menofvalorgame.com/de/

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