Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0412/35288.html    Veröffentlicht: 21.12.2004 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/35288

Test: Sony PSP - Kleines Display-Wunder zum Spielen und mehr

Neues Handheld beeindruckt durch Grafik und Design

Die letzten Wochen bescheren Import-Händlern das beste Geschäft seit vielen Monaten: Erst bringt Nintendo die Touchscreen-Konsole DS in Japan und den USA heraus, jetzt zieht Sony nach und verkauft seit dem 13. Dezember 2004 die PSP in Japan. Europäern bleibt somit auch hier vorerst nur die Bestellung bei Shops wie Lik-Sang.com; ob ein Kauf lohnt, verrät unser Test.

Sony PSP
Sony PSP
Bereits beim Nintendo DS war die Auslieferungssituation kritisch; weder in den USA noch in Europa konnten wirklich alle Vorbestellungen bedient werden. Während Nintendo aber zumindest eine Startmenge von jeweils etwa 500.000 Geräten für die USA und Japan bereithielt, brachte Sony von der PSP zunächst gerade mal etwa 200.000 Exemplare in die Läden; viele enttäuschte Gesichter und horrende Preise bei den Versandhändlern waren die Folge.

Offiziell wird die PSP in Japan für 26.040 Yen inklusive Steuer verkauft, was umgerechnet etwa 190,- Euro entspricht. Dank der Knappheit liegen die Preise im Importhandel auch schon mal doppelt bis dreimal so hoch - ohne Spiel wohlgemerkt. Analysten argwöhnen allerdings, dass Sony die Konsole deutlich unter den Produktionskosten verkauft und somit mit jedem Gerät Verlust macht; angeblich, um nicht deutlich teurer zu sein als Nintendos DS, das etwa ein Viertel günstiger ist.

Hält man die PSP das erste Mal in Händen, fällt zunächst das edle Design auf - hier hat Sony wirklich ganze Arbeit geleistet. Die schwarz glänzende Front vermittelt der PSP den Touch eines absoluten Hightech-Lifestyle-Gimmicks. Richtig ins Staunen kommt man dann, sobald die Konsole angeschaltet wird - das Display stellt alles in den Schatten, was bisher an mobilen Geräten zu haben war.

Sony PSP
Sony PSP
Dies hat mehrere Gründe: Zunächst einmal ist schon die Größe des Displays beeindruckend - ein 4,3-Zoll-Bildschirm mit einem Seitenverhältnis von 16:9 bietet beachtlich viel Platz. Die Auflösung von 480 x 272 Bildpunkten ermöglicht sehr detaillierte Grafiken, während des Tests wirkte das Bild immer gestochen scharf und sorgte bei allen, die das Display zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, für tiefe Beeindruckung. Die Display-Helligkeit darf variiert werden und weist im Akkubetrieb eine Helligkeit von 80, 130 oder 180 cd/qm auf. Hat man das Netzteil angeschlossen, darf sogar auf 200 cd/qm aufgedreht werden.

Die edel schimmernde Oberfläche des PSP hat allerdings auch einen gravierenden Nachteil: Fingerabdrücke machen sich äußerst sichtbar bemerkbar. Wer auf das durch eine Kuntsstoffschicht geschützte Display tatscht, bekommt dafür sofort die Quittung, um ein häufiges Putzen der Oberfläche kommt man somit nicht herum. Inwiefern das - im Gegensatz etwa zum Nintendo DS - nicht durch einen Klappmechanismus geschützte Display im Laufe der Zeit Schaden nehmen kann, konnten wir natürlich nach dem nur wenige Tage dauernden ersten Test nicht beurteilen; hierzu werden Langzeitbeurteilungen nötig sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb Display-Schutzfolie nutzen.

Sony PSP
Sony PSP
Das große Display bringt es allerdings auch mit sich, dass die PSP ein klein wenig unhandlich ist - an die Maße von 17 x 2,3 x 7,4 cm und das Gewicht von etwa 280 Gramm (inklusive Akku) muss man sich zunächst erst gewöhnen, während der ersten Spielstunden wird man nach einiger Zeit immer wieder das Gefühl haben, dass die Hände doch arg beansprucht werden.

Überhaupt lässt sich über die Ergonomie durchaus streiten; auch die Bedienelemente sind so angebracht, dass sie nicht jedem zusagen. Der Großteil der Tasten ist dem PS2-Pad nachempfunden. So gibt es rechts die vier typischen Aktionstasten, unterhalb des Displays liegen der "Start"- und der "Select"-Button sowie die Lautstärkeregler. Auf der linken Seite gibt es neben den vier Richtungstasten, die mittig angebracht sind, auch einen sehr kleinen Analog-Stick. Dieser sitzt so weit unten, dass es schon eine kleine Daumenverrenkung ist, mit ihm zu spielen. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings auch daran.

PSP mit UMD und Memory Stick
PSP mit UMD und Memory Stick
Beim ersten Start der PSP kann zwischen japanischer und englischer Sprache und den verschiedenen internationalen Zeitzonen nach Städten gewählt sowie die Netzwerk-Kennung des Handhelds eingestellt werden. Letzteres macht etwas Probleme, weil das eingeblendete Tastenfeld erst einmal nur japanische Zeichen bietet, so dass es einfacher ist, die vorgeschlagene Kennung für WLAN-Spiele zu übernehmen.

Das Hauptmenü der PSP erinnert grob an das Menü, das von der PlayStation 2 bekannt ist. Hier ist es unter anderem möglich, die Grundeinstellungen des Gerätes zu ändern oder aber Spiele, Filme, Fotos oder Musik zu starten. Grundsätzliches Datenmedium der PSP ist die so genannte UMD - die Universal Media Disc. Die sieht einer Minidisc sehr ähnlich - der Datenträger ist rund und steckt in einem Plastikgehäuse.

PSP-Medium UMD
PSP-Medium UMD
Unverständlich ist allerdings, warum Sony das Plastikgehäuse nicht als wirklichen Schutz um die komplette Disc gelegt hat: An der Stelle, wo die PSP die Daten ausliest, ist eine große Lücke im Schutzmantel, einen Schiebemechanismus wie etwa bei MiniDiscs oder auch Disketten gibt es nicht; wer nicht aufpasst, fasst direkt auf den Datenträger.

Per Schieberegler öffnet sich die mittig an der Rückseite des Gerätes angebrachte Klappe, in die sich die UMD einlegen lässt. Bisher sind nur Spiele auf UMDs erhältlich, Sony will allerdings zukünftig auch Filme auf diesen 1,8 GByte fassenden Datenträgern anbieten. Wer sich ein Gerät aus Japan importiert, sollte bedenken, dass es bei diesen Filmen - ähnlich wie bei DVDs - Regional-Codes geben soll; während Spiele wohl weltweit in einem einheitlichen Format angeboten werden und auf allen PSPs laufen, gilt dies für Filme wahrscheinlich leider nicht.

Ridge Racer für PSP
Ridge Racer für PSP
Wer MP3s, Filme oder JPEG-Bilder mit der PSP abspielen will, kann sie mit einem USB-Kabel - die PSP hat einen Mini-USB-Anschluss mit USB-2.0-Unterstützung - an einen PC anschließen und so Daten übertragen. Dafür dürfen allerdings nicht die 32 MByte Hauptspeicher der PSP genutzt werden, stattdessen muss man einen Memory Stick Pro Duo erwerben, der in der Grundausstattung der PSP nicht zum Lieferumfang gehört. In Japan vertreibt Sony allerdings auch ein Valuepack der PSP, in der neben einem Kopfhörer mit Fernbedienung auch ein 32 MByte Memory Stick steckt, der aufgrund seiner geringen Kapazität beim PSP-Produktstart in Europa laut Sony Computer Entertainment Deutschland voraussichtlich gegen ein größeres Modell ausgetauscht wird.

Ein erster Versuch, diesen für Filme und Videos eigentlich unterdimensionierten 32-MByte-Datenträger mit MP3s zu füllen und diese abzuspielen, schlug fehl - im Menü der PSP erhielten wir nur die Mitteilung, dass keine Soundfiles vorlägen. Des Rätsels Lösung war aber schnell gefunden: Der Memory Stick muss zunächst von der PSP selbst formatiert werden. Dabei wird dann eine Ordnerstruktur für Bilder, Musik und Filme angelegt, die dann mit Daten gefüllt werden kann.

Ridge Racer für PSP
Ridge Racer für PSP
Sowohl beim Abspielen von Musik - neben MP3s wird auch ATRAC3plus wiedergeben - als auch beim Betrachten von JPEG-Bildern werden die typischen Software-Funtkionen geboten. So lassen sich Bilder etwa zoomen und drehen. Musik kann in Playlisten zusammengestellt oder auch per Zufalls-Modi wiedergegeben werden.

Das Videoabspiel-Feature der PSP konnten wir leider nicht wirklich testen. Zwar ist das Handheld in der Lage, MPEG-4-Videos mit spezieller Kodierung (H.264 / AVC MP Level3) wiederzugeben. Eine zum Encoden derartiger Filme geeignete Sony-Software mit Namen "Image Converter 2" scheint es derzeit nur in Japanisch zu geben und kostenpflichtig zu sein - die Kodiereinstellungen für andere MPEG-4-Codecs konnten nicht aufgetrieben werden. Die Zwischensequenzen aus dem uns vorliegenden Spiel Ridge Racer machen allerdings deutlich, dass es ein wirklicher Genuss sein dürfte, Videos mit der PSP zu betrachten.

Ridge Racer für PSP
Ridge Racer für PSP
Aus dem recht überschaubaren Software-Angebot zum PSP-Launch lag uns leider nur das Rennspiel Ridge Racer vor - das zeigt allerdings eindrucksvoll, wozu die PSP-CPU mit 333 MHz und die 4 MByte Embedded DRAM genutzt werden können. Wenn auch das Geschwindigkeitsgefühl etwas besser sein könnte, sind Strecken und Auto-Grafiken beeindruckend detailliert und stehen selbst Top-PS2-Rennspielen nur minimal nach. Auch die Soundkulisse ist bravourös, für unterwegs hat man definitiv noch kein schöneres Rennspiel gesehen. Kleines Manko: Zwischendurch zieht die Grafik minimale, aber doch wahrnehmbare Schlieren; insofern wird es interessant sein zu sehen, ob das Display schnell genug ist, wenn erstmal Shooter oder andere ähnlich schnelle Action-Spiele für die PSP verfügbar sind.

Wer Ridge Racer auf der PSP in Bewegung und nicht nur die vergrößerten Screenshots sehen will, kann einen Blick auf einen Sony-Videomitschnitt (MPEG-Format) werfen.

Als einer der größten Knackpunkte wurde im Vorfeld immer wieder die Akkulaufzeit der PSP genannt. Da uns keine Videos zur Verfügung standen, konnten wir leider nur Ridge Racer im Dauerbetrieb testen. Bei sehr hellem Display und mittlerer Lautstärke gab der Lithium-Ionen-Akku im Schnitt Strom für drei Stunden Spielspaß; ein eher mäßiger Wert, wobei noch bedacht werden muss, dass die WLAN-Funktion dabei ausgeschaltet war.

Ridge Racer für PSP
Ridge Racer für PSP
Über das simpel per Schalter einschaltbare WLAN (IEEE 802.11b) sind drahtloses Netzwerk- sowie Online-Spielen möglich. Laut Sony können dann bis zu 16 benachbarte PSP-Spieler im Ad-hoc-Modus per WLAN drahtlos miteinander spielen, verbindet man sich hingegen in der Nähe eines Hotspots, werden über diesen Online-Spiele und auch das Herunterladen zusätzlicher Spielcharaktere und anderer Inhalte möglich. Testen konnten wir diese Funktionen allerdings noch nicht, da uns auch nur eine PSP mit dem japanischen Ridge Racer zur Verfügung steht.

An weiteren Anschlüssen bietet die PSP übrigens noch einen Kopfhörerausgang und eine Infrarot-Schnittstelle. Letztere kann auch für eine bisher nicht erhältliche separate Fernbedienung genutzt werden. Die PSP soll in Europa voraussichtlich im März 2005 auf den Markt kommen; einen Preis für Deutschland nannte der Hersteller bisher nicht. Noch ist man also auf Importshops aus Asien angewiesen und muss aufgrund der hohen Nachfrage auch mit hohen Preisen leben.

Fazit:
Die PSP ist zweifellos ein verdammt gut aussehendes und ziemlich aufregendes Stück Technik. Ihr größtes Pfund ist das fantastische Display - kaum jemand wird nicht begeistert sein, wenn er das erste Mal diesen Detailgrad und die Bildschärfe zu Gesicht bekommt. Aber es gibt auch ernst zu nehmende Kritikpunkte - die Ergonomie scheint nicht perfekt zu sein, die Akkulaufzeiten sind ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Ob sich die PSP durchsetzt, wird zudem zu einem großen Teil auch davon abhängen, wie schnell tolle Software oder Filme für das Gerät verfügbar sind; die nächsten Wochen und Monate werden in dieser Hinsicht durchaus spannend sein.  (tw)


Verwandte Artikel:
Sony PSP - Kleine Liefermenge, große Nachfrage   
(13.12.2004, https://glm.io/35144 )
PlayStation Portable: Starttermin für Japan bekannt   
(27.10.2004, https://glm.io/34409 )
Test: Nintendo DS - Mobiles Spielen der nächsten Generation   
(06.12.2004, https://glm.io/35007 )
Sony: Nichts dran an Gerüchten um PSP-Verzögerung   
(06.10.2004, https://glm.io/34013 )
PSP-Spiele müssen auf Stromverbrauch achten (Update)   
(30.09.2004, https://glm.io/33885 )

Links zum Artikel:
Sony Playstation: http://www.playstation.de

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/