Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0412/35261.html    Veröffentlicht: 20.12.2004 15:30    Kurz-URL: https://glm.io/35261

Spieletest: Sid Meier's Pirates - Der Klassiker ist zurück

Gelungene Neuauflage des C64-Hits

Wer älter als 25 Jahre ist und schon früh einen Heimcomputer wie den C64 oder auch einen Amiga besaß, dürfte einen Großteil seiner Jugend mit dem Spiel Pirates verbracht haben - der Klassiker von 1987 verhalf seinem Schöpfer Sid Meier zu Weltruhm in der Zockergemeinde und sorgte für unzählige Stunden Spielspaß. Nach Pirates Gold und zahlreichen inoffiziellen Fortsetzungen hat Sid Meier nun selbst wieder Hand an sein Frühwerk angelegt; und Kenner des Originals dürfte es freuen, dass sich am Spielprinzip kaum etwas geändert hat.

Pirates
Pirates
Selbst wenn man das Original seit 15 Jahren nicht gespielt hat, dürfte man sich sehr schnell im neuen Pirates zurechtfinden - nach dem schicken RenderIntro begegnen einem nämlich schnell viele Optionsmöglichkeiten, die man allesamt nur zu gut von früher kennt. Zunächst wird eine Nation ausgewählt, unter deren Flagge fortan gesegelt wird - neben den Franzosen stehen hierbei auch die Engländer, Holländer und Spanier zur Wahl. Ziel ist es natürlich, der angesehenste Pirat in der Karibik zu werden - der Weg hierhin führt über zahlreiche Beutezüge, versenkte Schiffe, eingenommene Städte und Fechtduelle mit den ärgsten Kontrahenten.

Screenshot #1
Screenshot #1
Nach der Wahl der eigenen Nationalität befindet man sich zunächst im eigenen Heimathafen, wo ein Besuch beim Gouverneur die erste Station darstellen sollte. Hat der einem den ersten Freibrief für wilde Eroberungen ausgestellt und ein paar Informationen über die gerade herrschende Weltlage gegeben, geht es ab in die Taverne, wo todesmutige Crew-Mitglieder angeheuert werden. Zudem kann hier auch noch der aktuelle Klatsch & Tratsch aufgeschnappt werden, bevor dann das erste Mal in See gestochen wird.

Screenshot #2
Screenshot #2
Da zu Beginn nur ein recht kleines Schiff mit begrenzten Kapazitäten für Besatzung und Waren zur Verfügung steht, bietet es sich an, schon früh auf See die ersten potenziellen Opfer ausfindig zu machen. Das dann folgende Gefecht läuft praktisch genauso ab wie beim klassischen Original: Je nach Windrichtung und Wetterlage steuert man das eigene Schiff so dicht wie möglich an das des Kontrahenten heran, um im richtigen Moment die Kanonen abzufeuern. Ist das feindliche Schiff kampfunfähig, kommt es zum entscheidenden Fechtduell an Bord des Gegners.

Screenshot #3
Screenshot #3
Die Steuerung der Gefechte - sowohl bei der Bombardierung des Schiffes als auch beim Fechtkampf - ist zunächst gewöhnungsbedürftig, prinzipiell aber gut gelöst: Mit dem Ziffernblock bestimmt man die Bewegungsrichtung und die Waffen - die Zahlen stehen dann etwa für einen hohen oder einen tiefen Schlag, wobei eine Legende am Bildschirm den Einstieg vereinfacht.

Screenshot #4
Screenshot #4
Ist der Feind gekapert, kann oft ein Teil der Besatzung einfach übernommen werden; auch komplette feindliche Schiffe lassen sich in die eigene Flotte integrieren. Wer darauf keine Lust hat, klickt einfach die Option "versenken" an. Erbeutete Waren hingegen werden eingesackt und in anderen Städten möglichst gewinnbringend verkauft. Dabei überlässt es Pirates größtenteils dem Spieler, wie er vorgeht - wer den Kampf eher scheut, kann wahlweise auch die Spielstunden damit herumbringen, firedlich über die Meere zu schippern und sein Geld einzig und allein mit dem Handel zu machen.

Screenshot #5
Screenshot #5
So weit, so bekannt - Besitzer des Originals werden merken, dass sich wirklich kaum etwas geändert hat. Ein paar Unterschiede gibt es natürlich trotzdem, allerdings sind diese größtenteils eher marginal. So rahmt nun eine kleine Hintergrundgeschichte das Ganze ein - unter anderem geht es bei all den Raubzügen in der Karibik auch darum, die verstreuten Familienmitglieder wieder einzusammeln.

Ansonsten hat man Pirates noch ein paar Mini-Spiele und ein paar zusätzliche Optionen spendiert, etwa wenn es darum geht, sich in feindliche Städte hineinzuschleichen oder das Herz der Angebeteten durch die eigenen Tanzkünste zu gewinnen.

Screenshot #6
Screenshot #6
Der auffälligste Unterschied zum alten Pirates ist natürlich die Optik - auch wenn das Spiel hier sicherlich nicht alle Register zieht, sind die Städte, das Meer und die Schiffe schon durchaus hübsch anzusehen. Enttäuschend ist allerdings der Sound. Zwar gibt es wirklich nette Hintergrundmusiken, ein wenig unverständlich ist aber, warum man auf eine Sprachausgabe verzichtet hat - alle Gesprächspartner geben immer nur seltsame Laute von sich, die wirklichen Informationen müssen den Untertiteln entnommen werden.

Screenshot #7
Screenshot #7
Sid Meier's Pirates ist seit Anfang Dezember 2004 für PC im Handel erhältlich. Dabei stehen zwei verschiedene Versionen zur Auswahl: Neben der "normalen" Box für knapp 50,- Euro ist auch eine etwa 10 Euro teurere Special Edition verfügbar, in der unter anderem zusätzlich eine nette Bonus-DVD, ein T-Shirt und eine Seekarte stecken.

Fazit:
Bedenkt man, wie viele Jahre seit der Veröffentlichung des klassischen Pirates vergangen sind, ist es schon ein wenig enttäuschend, mit wie wenigen spielerischen Neuerungen die Wiederauflage aufwartet. Andererseits müssen sich Liebhaber des Originals so auch nicht über eventuell unpassende neue Optionen ärgern. Kurzum: Wer das Original geliebt hat und sich schon lange wünscht, das Ganze mit zeitgemäßer Präsentation neu zu erleben, bekommt diesen Wunsch jetzt voll und ganz erfüllt.  (tw)


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