Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0412/35156.html    Veröffentlicht: 15.12.2004 14:40    Kurz-URL: https://glm.io/35156

Spieletest: Prince of Persia 2 - Kampfkunst in Palästen

Ubi Soft setzt auf düstere Atmosphäre

Nachdem Ubi Soft dem legendären Prince of Persia im letzten Jahr zu einer sehr stilvollen, an der Verkaufstheke aber nicht ganz so erfolgreich wie erhofften Wiedergeburt verhalf, wurde das Konzept des orientalischen Geschicklichkeits-Action-Mix neu überdacht und modifiziert. Das Ergebnis trägt den Namen "Prince of Persia: The Warrior Within" und ist seit kurzem für PC, PlayStation 2, Xbox und GameCube im Handel erhältlich.

Prince of Persia: The Warrior Within
Prince of Persia: The Warrior Within
Inhaltlich knüpft "The Warrior Within" ziemlich direkt an die Geschichte des ersten Teils an: Nachdem der Prinz trotz des versehentlichen Öffnens der Sanduhr nicht nur überlebte, sondern auch den Sand der Zeit wieder versiegelte und so eine Katastrophe verhinderte, muss er sich nun mit dem dadurch heraufbeschworenen Dahaka und dessen Schergen anlegen. Die Aufgabe des Dahaka ist es, die Dinge wieder so herzustellen, wie sie hätten geschehen sollen. Und da der Prinz im Palast des Sultans hätte sterben müssen, liegt es in den Händen des Dahaka, dieses Schicksal zu vollenden.

Screenshot #1 (PC)
Screenshot #1 (PC)
Wer den ersten Teil gespielt hat, wird sich auch in Teil 2 recht schnell zurechtfinden - die grundsätzliche Bedienung ist erstmal gleich geblieben und das Bewegungsrepertoire des Prinzen somit erneut beachtlich. Über Abgründe schwingen, an schmalen Vorsprüngen entlangschleichen, an Wänden entlanglaufen oder steile Abhänge hinaufkraxeln - keine Aufgabe ist zu gewagt für den agilen Superhelden.

Screenshot #2 (PC)
Screenshot #2 (PC)
Eine kräftige Überarbeitung erfuhr allerdings das Kampfsystem - unzählige neue Combos und Angriffsoptionen warten darauf, erlernt und im Kampf angewandt zu werden. Was hier spielerisch und optisch geboten wird, ist schon beeindruckend, allerdings auch nicht ganz einfach zu lernen: Wer kunstvoll Saltos mit anschließendem Doppel-Klingen-Angriff oder gezielte Wirbler mit seinem Dolch vollführen will, braucht einiges Training. Alternativ führt allerdings oft auch recht wahlloses Knöpfchen-Drücken zu beeindruckenden Aktionen.

Screenshot #3 (PC)
Screenshot #3 (PC)
Einher mit dem Ausbau des Kampfsystems geht auch eine Verschiebung des Spielschwerpunktes - die Action ist deutlich wichtiger, die Geschicklichkeitspassagen nehmen ab. Damit verbunden verpasste Ubi Soft dem Prinzen ein deutlich roheres Image: Der Charakter wirkt düsterer und nicht mehr ganz so zauberhaft, leider im Großen und Ganzen aber auch etwas blasser, was die Story-Entfaltung angeht. Der rockigere Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei, das Ganze aggressiver und weniger orientalisch-mysteriös wirken zu lassen.

Screenshot #4 (PC)
Screenshot #4 (PC)
Über den Schwierigkeitsgrad des ersten Teils gingen die Meinungen weit auseinander: Was die einen als knackige Herausforderung empfanden, war für die anderen ganz schlicht und ergreifend zu schwer. Teil 2 wird ähnliche Diskussionen entfachen, und das hat vor allem zwei Gründe: Zunächst wären da die immens fordernden Boss-Kämpfe, wo man mit planlosen Attacken nicht weit kommt - hier sind ausgeklügelte Taktiken gefragt, um dem jeweiligen Vorgehen des Kontrahenten etwas entgegenzusetzen.

Screenshot #5 (PC)
Screenshot #5 (PC)
Viel schlimmer als diese prinzipiell noch fairen Auseinandersetzungen sind allerdings die Passagen, in denen der Prinz auf den eingangs erwähnten Dahaka trifft und sich sputen muss, um dessen Fängen zu entgehen. In diesen Momenten wird das Spiel frustrierend schwer - denn wer auf der Flucht vor dem bösen Meister ist, darf sich keinen einzigen Fehler in den oft unübersichtlichen Leveln erlauben oder gar stehen bleiben, um sein Leben nicht sofort zu verlieren. Unzählige Versuche und viel Frust sind hier programmiert; nur gut, dass vor diesen Passagen praktisch immer Speicherpunkte gesetzt sind. Auch sonst scheint es insgesamt mehr Orte im Spiel zu geben, an denen Energie aufgetankt werden kann, und die massiven Kameraprobleme des Vorgängers hat man auch im Großen und Ganzen in den Griff bekommen.

Screenshot #6 (PC)
Screenshot #6 (PC)
Optisch sieht Prince of Persia 2 wie schon der Vorgänger klasse aus - die Szenarien sind liebevoll in Szene gesetzt, die alte Burganlage, in der die Kämpfe stattfinden, strotzt nur so vor stimmungsvollen Details. Nette Idee: Durch Zeitportale sind Reisen in die Vergangenheit möglich - so kommt es, dass man die Burg einmal im neu herausgeputzten und glänzenden Zustand, etwas später aber auch heruntergekommen und größtenteils zerstört vorfindet.

Screenshot #7 (PC)
Screenshot #7 (PC)
Wie schon im ersten Teil spielt die Zeit natürlich auch sonst wieder eine große Rolle - der Prinz hat weiterhin die Möglichkeit, Geschehnisse rückgängig zu machen und die Zeit zurückzudrehen. Alternativ kann auch die Umgebung angehalten bzw. verlangsamt werden, während man sich selbst normal schnell bewegt - praktisch etwa, wenn schnell durch mehrere sich schließende Tore gehuscht werden muss.

Screenshot #8 (PC)
Screenshot #8 (PC)
Zum Test lagen uns die PC- und die PlayStation-2-Version des Spiels vor; die PC-Version wartet naturgemäß mit den höher aufgelösten und deutlich schöneren Texturen auf, hat dafür aber ein Steuerungsproblem - theoretisch ist die Bedienung per Maus und Tastatur zwar möglich, praktisch kann davon aber nur abgeraten werden; wer den Titel am PC zockt, sollte unbedingt über ein Gamepad verfügen, um etwa die zahlreichen Combos auch entsprechend ausführen zu können. Die Bedienung per Pad an der PS2 hingegen ist rundum gelungen.

Fazit:
"Prince of Persia: The Warrior Within" ist wie schon der Vorgänger ein sehr gutes Spiel, die Klasse des ersten Teils wird aber nicht ganz erreicht - durch den erhöhten Kampfanteil und die etwas flache Story bleibt die Magie der fantasievollen Welt ein bisschen auf der Strecke. Hinzu kommen die ungemein frustrierenden Dahaka-Passagen - Einsteiger sollten von diesem Titel besser die Finger lassen, Action-Profis freuen sich über eine wirklich heftige Herausforderung.  (tw)


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Links zum Artikel:
Ubi Soft: http://www.ubisoft.de

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