Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/9906/3493.html    Veröffentlicht: 03.06.1999 10:45    Kurz-URL: https://glm.io/3493

Kreditkarten: Sicheres Online-Zahlungsmittel?

Die Zahlung im Internet ist grundsätzlich sicher - dies ist das Ergebnis einer dmmv-Umfrage unter Experten bei verschiedenen Zahlungssystemanbietern. Beschwerden über eine sogenannte "Abzocke via Mausklick" beträfen meist nur Fälle, in denen Online-Shopper von einem unbedacht geschlossenen Vertrag Abstand nehmen möchten, wie Gesellschaft für Zahlungssysteme (GZS) in Frankfurt gegenüber der dmmv-Umfrage bestätigte. Der Zahlungsvorgang an sich kann bei einer Verschlüsselung der Datenübertragung trotz der kürzlichen Warung durch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalens als sicher angesehen werden, meint der dmmv.

Daher setzt sich der dmmv im Rahmen der EC-Richtlinie der EU für eine verpflichtete Rückbestätigung der Warenzusammenstellung, des Gesamtwertes und der Versandadresse für alle in Europa angebotenen Dienstleistungen ein. So habe der Käufer zusätzlichen zum getätigten Kaufvorgang eine Bestätigung seiner Transaktionen.

Neben den Beschwerden von unbedachten Kunden betraf der andere Teil der bei der GZS eingegangenen Beschwerden Vorgänge, bei denen aus dem Angebot einer Website nicht eindeutig hervorging, daß die Annahme der angebotene Leistung zur Zahlung verpflichtete. Dieses Mißverständnis beruht in aller Regel auf der gebräuchlichen Praxis, den Zugang zu bestimmten Seiten auf volljährige Personen zu beschränken. Zu diesem Zweck erfordern die meisten kostenlosen, aber zugangsbeschränkten Seiten eine Abfrage der Kreditkartennummer des Nutzers, da somit weitestgehend sichergestellt werden kann, daß nur volljährige Nutzer die fragliche Seite aufrufen können. Dies führe, so der dmmv, leicht zu Mißverständnissen über die Entgeltpflichtigkeit eines Angebots.

In extrem seltenen Fällen haben Beschwerden den Mißbrauch der Kreditkarte zum Inhalt. Für diese Fälle regeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) der meisten Kreditkartenunternehmen jedoch die 100-prozentige Übernahme der Haftung durch die Vertragsunternehmen, so daß das Risiko der Online-Nutzung einer Kreditkarte mit ihrer Offline-Nutzung vergleichbar ist, so der dmmv weiter.

Um die Basis des Electronic Commerce durch sichere Zahlungstransaktionen zu festigen, setzt sich der dmmv für eine schnelle Einführung des SET-Verfahrens ein. Der Kunde könne dann sicher sein, daß der Kauf im Internet keine böse Überraschung bringt. Was die technische Sicherheit angeht, so empfiehlt der dmmv Kreditkarten-Nummern nur dann anzugeben, wenn SSL- oder SET-Technologie verwendet wird.

Kommentar:
Wirklich neues bringt die Studie ganz offensichtlich nicht hervor, jedoch sollte man sich vom Fazit des dmmv nicht blenden lassen. Wer es darauf anlegt, kommt bei Onlinegeschäften, insbesondere bei unverschlüsselten, ebenso an die Daten heran, wie der Verkäufer im Laden, der mit der Karte kurzzeitig verschwindet. Zudem bevorzugt die Anonymität, die Onlinegeschäfte ohne zertifizierte Signaturen mit sich bringen, in diesem Fall den Verkäufer.
Im virtuellen Raum trifft man nun einmal die gleichen Menschen wie im realen Leben. Der Augenkontakt, der sonst jedoch oft Aufschluß über Vertrauen und Sympathie gibt, fehlt aber.  (ji)


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