Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0411/34734.html    Veröffentlicht: 16.11.2004 16:40    Kurz-URL: https://glm.io/34734

Schuldenfalle Handy schnappt immer öfter zu

Schufa stellt Schulden-Kompass 2004 vor

Immer mehr Personen in Deutschland - vor allem jüngere - können ihre Handy-Rechnung nicht bezahlen. Insgesamt legte die Zahl von Personen mit neu gemeldeten "Zahlungsstörungen" im Jahr 2003 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent zu, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Schulden-Kompass der Schufa.

Zahlungsstörungen - also offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Forderungen - sind als "weiches" Negativmerkmal deutlich stärker gestiegen als die "harten" Negativmerkmale wie die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung oder das Eröffnen eines Privatinsolvenzverfahrens. Hier gab es eine Zunahme um etwa 8 Prozent.

Die Telekommunikationsbranche habe 2003 für die Altersgruppen von 20 bis 49 Jahren deutlich mehr erstmalige Zahlungsstörungen an die Schufa gemeldet als im Vorjahr. "Mengeneffekte bewirken aber auch hier, dass das Potenzial der Zahlungsstörungen und letztlich die tatsächlich eingetretenen Fälle absolut zugenommen haben", erklärt dazu Rainer Neumann, Vorstandsvorsitzender der Schufa.

Beispielsweise habe die Mobilfunkbranche 2003 mit einem Kundenzuwachs von knapp 10 Prozent auf 65 Millionen deutlich mehr Kunden verbuchen können als im Vorjahr. Der Anstieg der Zahlungsstörungen sei daher nicht gleichbedeutend mit einer steigenden Überschuldung von Privatpersonen. Auch weise der untersuchte Indikator Zahlungsstörung nicht zwangsläufig auf eine Überschuldungssituation oder auf dauerhafte Liquiditätsschwierigkeiten der betreffenden Personen hin.

Die Verbraucherschutzbeauftragte der CDU/CSU-Bundstagsfraktion, Ursula Heinen, und die Internetbeauftragte, Dr. Martina Krogmann, drängen vor diesem Hintergrund darauf, zusammen mit der Telekommunikationsbranche nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die Ausgaben für die Handy-Nutzung bei Jugendlichen begrenzbar zu halten. Die Bundestagsabgeordneten schlagen beispielsweise vor, Mobilfunkverträge mit eingeschränktem Leistungsumfang anzubieten, mit denen eine Nutzung von Premium-SMS oder Ähnlichem nicht oder nur begrenzt möglich ist. Aber auch Eltern seien angehalten, ihre Kinder zu einem verantwortungsvollen und moderaten Umgang mit Mobilfunkdienstleistungen zu erziehen.  (ji)


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Schufa: http://www.schufa.de/
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