Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0411/34624.html    Veröffentlicht: 10.11.2004 10:08    Kurz-URL: https://glm.io/34624

Schärferer Jugendschutz bei Computerspielen gefordert

Frontal21: Immer brutalere Computerspiele im Handel

Aufgeschreckt durch Recherchen von Frontal21, kündigten Innenminister verschiedener Bundesländer an, den Jugendschutz bei Computerspielen künftig strikter angehen zu wollen. Laut Frontal21 kommen immer brutalere Computerspiele in den Handel und werden offen beworben.

Die Kritik von Frontal21-Autor Rainer Fromm richtet sich vor allem gegen Spiele wie "Doom 3", "Mortal Kombat: Deadly Alliance", "Resident Evil" oder "Silent Scope 3". Hier gehe es um die realistische Darstellung von Auftragsmorden, Morden mit Kettensägen oder das grausame Verstümmeln von Frauen. Zudem seien mitunter die Vorgänger indiziert worden, die Nachfolger hingegen nicht.

Zwar seien die Titel von der USK mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen, so der Autor, dennoch könnten Kinder und Jugendliche diese im Laden erwerben. Zudem würden die Spiele gerade in den von jugendlichen bevorzugten Spiele-Zeitschriften beworben und stehen in den Verkaufshitlisten des Handels an der Spitze, heißt in dem eher einseitigen Bericht.

Mit diesen Recherchen von Frontal21 konfrontiert, zeigten sich mehrere Innenminister handlungsbereit. "Dass nunmehr durch die unabhängige Selbstkontrolle Filme und solche Spiele nicht indiziert und damit verboten werden, ist nicht akzeptabel. Was umso schwieriger ist, wenn man sich überlegt, dass die Vorgängerspiele von einer ähnlichen Brutalität und Grausamkeit schon von der Bundesprüfstelle verboten wurden und jetzt nicht. Hier muss eingegriffen, hier muss etwas geändert werden", so Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm.

Auch das Bundesfamilienministerium signalisierte Handlungsbereitschaft: "Wir haben vereinbart, dass bis zum Jahre 2008 nachgeschaut wird, ob das tatsächlich eine sehr sinnvolle Regelung ist. Ich glaube, das ist ein viel zu langer Zeitraum", so Staatssekretär Peter Ruhenstroth-Bauer gegenüber dem ZDF-Magazin.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein will noch einen Schritt weiter gehen: "Wir brauchen Herstellungsverbote. Denn die Technik hat sich so entwickelt, dass der einzelne Träger dieser Spiele nicht mehr sehr viel kostet, so dass der Preis für Verleihen und Verkaufen nicht mehr sehr unterschiedlich ist. Wenn etwas auf dem Markt ist, dann wird es immer von Jugendlichen erworben und dann auch schwarz kopiert und weiter vertrieben." Wie die deutsche Politik ein solches Herstellungsverbot aber gegenüber den vorwiegend in den USA beheimateten Unternehmen durchsetzen könne, ließ Beckstein offen.

Im Kern richtet sich die Kritik an die nach dem Amoklauf von Erfurt geänderte Gesetzeslage. Die von der USK als "ab 18" gekennzeichneten Spiele können weiter frei beworben und verkauft werden, bei indizierten Titeln ist das nicht der Fall. Wird ein Spiel aber von der USK eingestuft, ist eine Indizierung kaum mehr möglich. Ziel dieser Regelung ist es, Herstellern eine gewisse Sicherheit zu geben, Spiele nicht nachträglich aus dem Handel nehmen zu müssen.  (ji)


Verwandte Artikel:
USA: Symbol auf Spielen weist auf Kaufinhalte hin   
(28.02.2018, https://glm.io/133044 )
Bundesministerin prüft erneut Indizierung von Counterstrike   
(17.05.2002, https://glm.io/19851 )
Jugendschutz: 6,1 Prozent der Spiele waren 2017 "ab 18"   
(07.02.2018, https://glm.io/132631 )
Mikrotransaktionen: Battlefront 2 im Bayerischen Landtag   
(01.12.2017, https://glm.io/131453 )
USK: Nintendo Labo landet fast im Altpapier   
(19.01.2018, https://glm.io/132262 )

Links zum Artikel:
Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle - USK: http://www.usk.de

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/