Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0409/33811.html    Veröffentlicht: 29.09.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/33811

Spieletest: Silent Hill 4 - Düstere Horror-Action

Vierter Teil der Serie für PlayStation 2 und Xbox

Mit dem dritten Teil der Silent-Hill-Reihe konnte Konami 2003 einen neuen Meilenstein im Horrorspiel-Genre setzen - erstklassige Grafiken und eine dichte Atmosphäre jagten Spielern weltweit einen angenehmen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Für den vierten Teil überlegten sich die japanischen Entwickler nun einige neue Spielelemente; allerdings sind nicht alle so überzeugend, wie man es sich im Vorfeld gewünscht hätte.

Das Szenario von Silent Hill 4 unterscheidet sich deutlich von den früheren Spielen der Reihe: Anstelle durch ein nebliges und verlassenes Dorf zu streifen, befindet man sich diesmal zunächst in einem Appartment einer Großstadt; allerdings handelt es sich dabei um eine alles andere als gewöhnliche 2-Zimmer-Wohnung: Die Tür ist mit unzähligen Ketten und Schlössern verrammelt - an ein Verlassen der Räume ist also nicht zu denken. Wer für diese seltsame Isolation verantwortlich ist, bleibt zunächst unklar, hat man in der Rolle der Hauptfigur Henry ein wenig die Zimmer durchstreift, findet sich aber schon bald eine vermeintliche Lösung des Problems: Im Badezimmer gibt es ein großes Loch in der Wand - und dies ermöglicht den Zutritt in ein recht unwirtliches Szenario.

Xbox-Screenshot #1
Xbox-Screenshot #1
Immer wieder kehrt man im folgenden Spielverlauf in die eigene Wohnung zurück; sie stellt so etwas wie den Mittelpunkt des ganzen Spiels dar. Gegenstände können hier abgelegt werden, zudem ist es möglich, durch ein Guckloch in der Wand die Nachbarin zu betrachten oder einen Blick auf die Straße zu werfen - allerdings ohne dass es die Möglichkeit geben würde, mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen. Hat man die Wohnung verlassen, ist es mit der Ruhe allerdings bald vorbei: Unzählige Höllenhunde, Monster und Gespenster warten in Katakomben, Höhlen und Schächten nur darauf, sich auf Henry zu stürzen.

Xbox-Screenshot #2
Xbox-Screenshot #2
Einen Großteil der Spielzeit verbringt man daher damit, mit diversen Schlagutensilien oder Schusswaffen die bösen Viecher zu bekämpfen, was schon bald eine etwas eintönige Angelegenheit wird. Vor allem nerven die Geister, die sich nur mit einem speziellen Schwert wirklich ausschalten lassen. Hat man dieses Schwert nicht, lassen sie sich immer nur für eine bestimmte Zeit ruhig stellen - danach fängt das wilde Knopfgedrücke von neuem an.

PS2-Screenshot #1
PS2-Screenshot #1
Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad gilt es natürlich auch wieder, das eine oder andere Rätsel zu lösen, wobei die sich meist im typischen Silent-Hill-Rahmen bewegen - es gilt also unter anderem, passende Münzen oder Schlüssel zu finden, um Zugang zu neuen Bereichen zu erhalten. Insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad allerdings etwas niedriger als zuletzt, was vor allem an den deutlich kürzeren Level-Abschnitten liegt - bei Silent Hill 4 kommt es kaum vor, dass man längere Zeit planlos umherirrt, da jede vom Appartement aus gestartete Mission recht überschaubar gehalten ist.

PS2-Screenshot #2
PS2-Screenshot #2
Auch wenn die ungewöhnliche und spannende Geschichte immer wieder überraschende Wendungen parat hält und man schnell Zeuge einer mysteriösen Mordserie wird, kommen die Schockmomente diesmal deutlich kürzer - überrascht und erschreckt wird man zwar immer noch oft genug, eine komplett düstere Atmosphäre will sich dauerhaft allerdings nicht einstellen. Dies liegt zum Teil auch am recht farblosen Hauptcharakter Henry: Die meiste Zeit scheint es, als ob er seine Umgebung vollkommen teilnahmslos wahrnimmt - wirkliche Verzweiflung oder Panik scheint er nicht zu spüren, und tiefer in seine Gedankenwelt dringt man auch kaum ein.

PS2-Screenshot #3
PS2-Screenshot #3
Eine Klasse für sich ist dafür aber wieder die Präsentation: Scharfe Texturen, detaillierte Charaktermodelle und flüssige Animationen - Konamis japanische Entwickler beherrschen einfach ihr Handwerk. Auf der Xbox sieht das Spiel dabei einen Tick schärfer aus, aber auch auf der PlayStation 2 kann die Optik rundum überzeugen. Die ebenfalls erhältliche PC-Version lag uns zum Test nicht vor. Auf Grund zahlreicher Gewaltdarstellungen und viel Blut hat der Titel von der USK übrigens keine Jugendfreigabe erhalten und darf daher nicht an Unter-18-Jährige verkauft werden.

Fazit:
Nur etwas mehr als ein Jahr hat Konami gebraucht, um die Fortsetzung zu Silent Hill 3 zu entwickeln. Allerdings würde man sich fast wünschen, die Entwickler hätten sich mehr Zeit gelassen - und noch am Kampfsystem und dem Hauptcharakter gefeilt. Ein motivierendes Gruselabenteuer ist Silent Hill 4 zwar auch so, im Vergleich mit den anderen Teilen der Reihe kann es aber nicht mithalten.  (tw)


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Links zum Artikel:
Konami (.com): http://www.konami-europe.com

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