Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0409/33754.html    Veröffentlicht: 23.09.2004 17:26    Kurz-URL: https://glm.io/33754

US-Spielebranche enttäuscht von Schwarzenegger

Gouverneur segnet Videospiel-Gesetz zum Schutz von Minderjährigen ab

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat ein Gesetz abgesegnet, das Minderjährige vor gewalttätigen Spielen schützen soll. Nach fast einjährigem Tauziehen um den vom Abgeordneten Leland Tem Yee eingebrachten Assembly Bill 1793 wurde dieser nun in abgeschwächter Form in Kraft gesetzt und beinhaltet Verkaufsvorschriften für Videospielhändler.

Genauer gesagt schreibt der Assembly Bill 1793 vor, dass Händler Eltern deutlich auf Altersbegrenzungen der jeweiligen Spiele hinweisen und diese etwa durch Broschüren erklären. Zudem müssen für Erwachsene (17 Jahre und aufwärts) gedachte Spiele außer Reichweite von Minderjährigen gehalten werden - durch spezielle Ladenbereiche oder Vitrinen, die die unteren zwei Drittel der Packung abdecken müssen. Der Titel bleibt somit in der Regel sichtbar, die Maßnahme ist dennoch schärfer als in Deutschland, wo Ab-18-Spiele frei im Laden stehen können und nur indizierte Spiele nicht frei beworben und aufgestellt werden dürfen. Alterskontrollen müssen - wie in Deutschland - in Zukunft sowohl Laden- als auch Versandgeschäfte durchführen.

Während sich Tem Yee erfreut von der Absegnung durch Schwarzenegger zeigte und insbesondere Shooter als für Kinder und letztendlich auch für die gesamte Gesellschaft gefährliche Spiele bezeichnete, kritisierte der Videospiele-Händler-Verband IEMA (Interactive Entertainment Merchants Association) das Gesetz nicht nur als unnötig, sondern auch als extrem schädlich und weit über das hinausgehend, was der Filmbranche auferlegt wurde. Unnötig sei es deshalb, weil der Handel beginnend mit dem Weihnachtsgeschäft 2004 ähnliche, wenn auch nicht ganz so weit gehende Mittel einführen wollte.

Tem Yee zufolge machen Erwachsenen-Spiele mittlerweile über 40 Prozent des US-Spielemarkts aus. Hier widerspricht ihm allerdings die IEMA und wirft ihm vor, die Stimmung angeheizt zu haben, da er in seinem Kampf für das neue Gesetz Statistiken verwendete, in denen etwa Lernspiele nicht eingeflossen waren und somit der Anteil der reinen Erwachsenen-Titel überbewertet wurde. Tatsächlich ergebe sich ein Anteil von 11,9 Prozent für Erwachsenen-Spiele.

Schlicht falsch sei auch das von Tem Yee immer wieder angeführte Beispiel, dass das in Deutschland beschlagnahmte tumbe Brutalo-Spiel Manhunt in Großbritannien zum Ermordung eines 14-Jährigen durch seinen 17-Jährigen Freund geführt hätte. Wie Golem.de berichtete, hatten britische Boulevardblätter unter Berufung auf die Mutter des Opfers behauptet, dass Manhunt den jugendlichen Täter zum Mord angestiftet habe. Die britische Polizei zog diese gewagte Schlussfolgerung jedoch nicht, der 17-Jährige habe vielmehr den Jüngeren zur Begleichung der eigenen Drogenschulden überfallen und das in Großbritannien erst ab 18 Jahren erwerbbare Manhunt sei im Zimmer des Opfers gefunden worden.

Yee möge zwar noble Motive haben, doch seine Argumente seien falsch, wobei ihm die IEMA durchaus Täuschung vorwirft. Gouverneur Schwarzenegger habe dem Handel und den Kaliforniern mit seiner Unterschrift keinen guten Dienst erwiesen, so die IEMA abschließend. Yee hingegen schließt seine Pressemitteilung mit den Worten, dass erst durch den Streit um das neue Gesetz vielen Eltern überhaupt klargeworden wäre, dass sie nicht viel über die Spiele wissen würden, die ihre Kinder konsumieren.  (ck)


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Links zum Artikel:
IEMA - Interactive Entertainment Merchants Association (.gov): http://www.iema.org
Leland Y. Yee - Governor Signs Yee Video Game Bill Into Law (.gov): http://democrats.assembly.ca.gov/members/a12/press/p122004074.htm

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