Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0409/33714.html    Veröffentlicht: 22.09.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/33714

Spieletest: Die Sims 2 - Perfekt leben leicht gemacht

Fortsetzung des Bestsellers von Maxis

Monatelange Platzierungen an der Spitze der Verkaufscharts in unzähligen Ländern, sieben erfolgreiche Add-Ons und für ein PC-Spiel unglaublich viele weibliche Spieler - Die Sims hat so ziemlich jeden Rekord aufgestellt, den ein PC-Titel überhaupt aufstellen kann. Der Fortsetzung fieberten somit mehrere Millionen Spieler regelrecht entgegen; und die meisten von ihnen werden auch mit Sicherheit nicht enttäuscht sein über das, was Maxis und Electronic Arts jetzt in die Läden gebracht haben.

Natürlich war von vorneherein klar, dass die Entwickler die eigentliche Grundidee von Die Sims kaum umkrempeln würden - dafür war das Original-Konzept einfach zu erfolgreich. Im Grunde geht es also wieder darum, für ein virtuelles Alter Ego und dessen eventuell vorhandene Familie Sorge zu tragen - angefangen bei den täglichen Bedürfnissen wie Hunger und Durst über berufliche Wunschvorstellungen und die perfekte Wohnzimmereinrichtung bis hin zum erfüllten Liebesleben.

Screenshot #1
Screenshot #1
Interessant ist allerdings, wie einen Die Sims 2 in das Spiel einführt: Hat man das gelungene Tutorial absolviert, das erfahrenen Sims-Spielern optional auch nur die Neuerungen des zweiten Teils erklärt, darf man entweder seinen eigenen Wunschcharakter erschaffen - oder aber eines von 13 vorgegebenen Szenarien auswählen. Diese sind auf insgesamt drei Städte verteilt und warten mit sehr unterschiedlichen Aufgaben auf: In einem Haushalt etwa wohnen zwei junge Schwestern, die neben dem perfekten Job auch den Mann fürs Leben suchen. Ein Haus weiter plagt sich eine Studenten-WG mit einem merkwürdigen außerirdischen Baby herum, und in bester Romeo-&-Julia-Manier üben zwei Familien den Kampf der Adelshäuser - unterschiedlicher könnten die Ausgangsszenarien also kaum sein.

Erstellt man lieber selbst Charaktere, sind die Optionen allerdings ebenfalls umfangreicher als je zuvor - angefangen von der Frisur bis hin zu den Socken kann praktisch alles selbst eingestellt werden.

Screenshot #2
Screenshot #2
Abhängig von der jeweiligen Ausgangssituation gilt es zwar, unterschiedliche Ziele zu erreichen, der Großteil der spielerischen Aktivitäten ist prinzipiell aber immer recht ähnlich. So verfügt jeder Sim über verschiedene Werte, die immer im grünen Bereich gehalten werden müssen: Wer zu selten zum Kühlschrank geht, bekommt schnell Hunger; schaut man hingegen nie im Badezimmer vorbei, steigt das Hygiene-Bedürfnis ganz ungemein. Aber auch gesellschaftliche Aktivitäten sind wichtig: Setzt man seine Sims nicht von Zeit zu Zeit mit anderen Gleichgesinnten - etwa für einen geselligen Videospielabend - zusammen, sinkt die Laune ebenfalls.

Screenshot #3
Screenshot #3
Zu diesen Stimmungswerten kommen noch eine ganze Reihe persönlicher Fähigkeiten, die anfangs nur rudimentär vorhanden sind, mit der Zeit aber ausgebaut werden müssen. Dabei spielt die Berufswahl eine entscheidende Rolle: Hat man einen Blick in die Zeitung geworfen und den Traumjob für den jeweiligen Sim gefunden, muss auch die passende Bildung dazu erworben werden. Körperbetonte Arbeit verlangt zum Beispiel danach, dass erstmal ein paar Runden auf dem Heimtrainer gedreht werden, um so die Fitness zu verbessern. Wer als Koch anfängt, sollte hingegen auch privat viel Zeit in der Küche verbringen - und von Zeit zu Zeit mal zum Kochbuch greifen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Eine individuelle Note bekommen die Sims durch ihre Wünsche und Ängste, die per Mausklick jederzeit angezeigt werden können. Diese beschränken sich nicht nur auf materielle Dinge - zwar sorgt auch ein neuer Wohnzimmertisch für gute Laune, oft reicht aber auch schon eine Umarmung des Nachbarn, um gute Laune zu bekommen. Diese Wünsche sollte man jederzeit im Auge behalten und auch regelmäßig erfüllen - nur so erklimmen die virtuellen Persönlichkeiten neue Höhen. Vor den Ängsten hingegen - die von kleineren Dingen wie Ungeziefer und gebrochenen Herzen bis hin zu schwerer Krankheit und Tod reichen können - sollten die Sims so gut wie eben möglich bewahrt werden, sonst sinkt das Wohlbefinden und ein Psychiater muss den Seelenfrieden wieder herstellen.

Die Liebe spielt natürlich eine zentrale Rolle - ständig stehen zahlreiche Aktionen zum Flirten, Küssen, Ausgehen, Baden oder schlussendlich zum Vermehren zur Verfügung. Wirklich nackte Pixelhaut bekommt man zwar nicht zu sehen, denn grobe Pixel verdecken die entsprechenden Körpergegenden etwa beim Duschen. Trotzdem ist es schon auffällig, wie oft die weiblichen Sims in Bikinis herumlaufen - es gibt ja schließlich durchaus alltäglichere Kleidung als Bademode.

Screenshot #5
Screenshot #5
Zahlreiche Ereignisse sorgen immer wieder für Abwechslung und sind zudem sehr schön in Szene gesetzt - wenn etwa Gevatter Tod vorbeikommt und den Großvater mit sich nimmt, ist das schon irgendwie herzzerreißend, und Polizei- und Feuerwehreinsätze gehören ebenso zum alltäglichen Sims-Leben wie Partys und Garten-Feste. Etwas konsequenter ist auch das Altern der Sims umgesetzt: In insgesamt fünf Lebensphasen gilt es, jeweils andere Bedürfnisse zu befriedigen, und der Alterungsprozess wird schon recht gelungen in Szene gesetzt.

Screenshot #6
Screenshot #6
Optisch ist Die Sims 2 ein Quantensprung zum ersten Teil - allerdings benötigt man nun auch unverständlicherweise ein verdammt schnelles System, um Die Sims noch voll und ganz genießen zu können. Klar, sowohl die Häuser- als auch die Charakter-Darstellungen sind sehr detailliert und liebevoll, zudem kann die Ansicht stufenlos gedreht und gezoomt werden. Dafür empfiehlt sich dann aber auch zumindest ein 2-GHz-Rechner mit halbwegs aktueller ATI- oder Nvidia-Karte - zahlreiche Gelegenheitsspieler werden das wohl recht ungehalten zur Kenntnis nehmen. Soundtechnisch bekommt man wieder das witzige "Simlisch"- die brabbelige Fantasie-Sprache der Sims - zu hören, dazu gibt es beständig passende und angenehme Hintergrundmusik und zahleiche Effekte.

Fazit:
Spannend, abwechslungsreich, vielseitig und verdammt hübsch anzusehen - die Entwickler von Maxis haben die Stärken des ersten Teils beibehalten und sinnvoll ergänzt. Alleine die unterschiedlichen Szenarien, die von Beginn an zur Auswahl stehen, sorgen für einen stundenlang spannenden und immer wieder überraschend anderen Spielverlauf; viel besser lässt sich das (mehr oder weniger wahre) Leben kaum simulieren. Nur über einen schnellen PC sollte man verfügen, um diese Simulationspracht auch wirklich genießen zu können.  (tw)


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Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/

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