Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0409/33357.html    Veröffentlicht: 02.09.2004 15:59    Kurz-URL: https://glm.io/33357

BionicFX - 3D-Grafikkarten berechnen Raumklang-Effekte

Programmierbare Grafikprozessoren als Audio-Effekt-Prozessoren

Das US-Unternehmen BionicFX nutzt Nvidia-Grafikkarten als Audio-Effekt-Prozessoren. Dazu wandelt ein "Audio Video Exchange" (AVEX) getaufter Algorithmus die digitalen Audiodaten in Grafikdaten um, lässt die leistungsfähigen 3D-Grafikchips die Effekt-Berechnungen durchführen und wandelt die Ergebnisse hinterher wieder in Audiodaten um.

BionicFX zufolge ist AVEX primär für diejenigen gedacht, die nicht Zehntausende Dollar in Effekt-Equipment stecken können. Dennoch soll AVEX ein technologischer Durchbruch sein, da so auch Hobby- und Profi-Musiker Audio-Effekte in Studioqualität bei hoher Sampling-Rate zur Verfügung stehen würden. Während aktuelle Intel- und AMD-CPUs eine Rechenleistung von unter 6 Gigaflops bieten würden, soll es etwa die GeForce-6800-Architektur auf über 40 Gigaflops schaffen.

BionicReverb soll das erste Effekt-Plug-In für VST-kompatible Mehrspur-Recording-Software sein, das AVEX nutzen wird. Der Audio-Effekt wird durch Kombination einer Impulsansprechverhalten-Datei mit digitalem Sound generiert. Das Impulsansprechverhalten eines Orts erhält man, wenn die widerhallenden Schallwellen bei Abfeuern einer Startpistole aufgezeichnet werden.

Die Kombination der beiden Dateien durch mathematische Faltung ist ein laut BionicFX sehr CPU-belastender Prozess, was aber durch Auslagerung aufwendiger Berechnungen auf den Grafikprozessor entschärft werden könne. AVEX funktioniert wie folgt: Der Algorithmus transformiert Audioströme in die Struktur und Farbe von Grafikdaten. Die Grafikdaten werden auf der Grafikkarte durch Pixel- oder Fragment-Shader gejagt, welche die Daten als Texturen mittels Audio-Effekt-Algorithmen bearbeiten. Das Ergebnis wird aus Videopuffern ausgelesen und von AVEX wieder in Audio dekodiert.

Amateur- und Profi-Gitarristen, Sänger, Pianisten und andere Musiker werden dadurch in die Lage versetzt, bei zu Hause oder im Studio erfolgten Auftritten so zu klingen, als ob sie in bekannten Orten aufgezeichnet wären, verspricht BionicFX vollmundig. Allerdings wurde der zu erwartende Preis für BionicReverb noch nicht genannt.

BionicReverb soll erst im Januar 2005 sein Debüt auf der NAMM-Konferenz feiern. Einen offenen Beta-Test will BionicFX jedoch schon früher starten, wie auf der offiziellen Website www.BionicFX.com nachzulesen ist. Dort zieht man auch den Hut vor dem 3D-Grafik-Programmierer und Doom-3-Engine-Entwickler John Carmack: "Auf Dein Wohl, John Carmack! Die Zweckentfremdung einer GPU für digitale Audioverarbeitung wäre ohne deine Leidenschaft und deinen Einfluss nicht möglich gewesen."  (ck)


Links zum Artikel:
BionicFX (.com): http://www.bionicfx.com/

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