Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0408/33135.html    Veröffentlicht: 24.08.2004 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/33135

Interview: Unreal Engine 3 - Eldorado für die Modding-Szene?

Mark Rein über GeForce 6600, SLI und künftige Unreal-Engine-3-Mods

Im Rahmen der Games Convention 2004 gab Mark Rein von Epic Games einen Ausblick auf die noch in Entwicklung befindliche Unreal Engine 3, die insbesondere der Modding-Szene weitgehende Möglichkeiten bieten soll. Auch zu 3D-Grafikleistung und SLI äußerte sich Rein im Interview mit Golem.de - wer sich nun eine GeForce 6600 GT kauft, wird den nächsten Unreal-Titel wohl nur in VGA-Auflösung vernünftig spielen können.

Mark Rein
Mark Rein
Rein kam vor dem Interview im Rahmen einer Nvidia-Pressekonferenz zur GeForce-6600-Serie sowie per SLI parallel arbeitenden Grafikkarten zu Wort und zeigte einige bekannte Demos sowie einen Unreal-Engine-3-Editor. Begeistert zeigte sich Rein im Gespräch mit Golem.de vor allem von SLI, denn auch wenn man sich nur eine GeForce 6600 GT leisten könne, müsse man nur wenige Monate sparen, um sich die gleiche Karte nochmals zu kaufen und als Resultat die fast doppelte Grafikleistung zu bekommen.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Die GeForce 6600 GT alleine schaffe mit der Unreal Engine 3 nur eine niedrigere Auflösung, stelle aber alle Effekte dar. Mit SLI kann man die Auflösung von etwa 640 x 480 auf 1.024 x 768 Bildpunkte steigern, so Rein. Die Lösung sei elegant, aber es sei noch schwierig, die Mainboards mit den zwei Slots zu finden. Taiwanesische Hersteller sollen aber bereits sehr daran interessiert sein, Mainboards mit zweitem x16-Slot zu verkaufen - um damit dann trotz geringer Zusatzkosten einen deutlichen Aufpreis verlangen zu können.

Erneut betonte Rein, dass für ihn Kantenglättung erst dann etwas bringe, wenn man eine Auflösung von 1.600 x 1.200 oder höher erreiche, alle Effekte darstellen könne und dann noch genügend Reserven dafür übrig habe. Bei der Unreal Engine 3, die Epic auf Nvidia-SLI-Lösungen entwickelt, um damit die ungefähre Rechenleistung von künftigen einzelnen High-End-Karten zu erreichen, wird die Hardware jedoch schon durch die Effekte ausgereizt.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Wie es mit der Unterstützung für ältere Grafikchips bzw. aktuelle Nicht-Nvidia-Hardware aussieht, konnte Rein noch nicht abschließend angeben. Gegenüber Golem.de gab er an: "Wir werden ganz sicher alle Shader-Level-3-Features nutzen, was als Fallback unterstützt wird, werden wir erst entscheiden, nachdem wir den Marktanteil der verkauften Karten bei Fertigstellung des Spiels betrachtet haben. Normalerweise entwickeln wir bis zum Ende auf der höchsten Technikstufe, versuchen abzuschätzen, wie High End die Boards sein werden."

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Erst in den letzten sechs Monaten der Entwicklung kümmere sich Epic normalerweise um Software-Rendering, Fallback bzw. wie man mit Low-End-Karten umgehe und was die Minimal-Ausstattung zum Spielen sein müsse. "Werden wir andere Karten unterstützen, ja, vermutlich, aber werden sie diese [Grafik-]Qualität erreichen? Vermutlich nicht. Wir wissen es nicht, aber das sind die Überlegungen, die man anstellt, wenn sich ein Spiel der Auslieferung nähert", so Rein.

Bis zur Fertigstellung des nächsten Unreal-Titels werden wohl auch von ATI Shader-Model-3.0-fähige Grafikchips auf dem Markt sein. Ob aber das von ATI noch favorisierte Shader Model 2.0b unterstützt wird, wollen die Unreal-Entwickler vom entsprechenden Hardware-Marktanteil gegen Ende der Entwicklung abhängig machen - und natürlich davon, ob das Ergebnis den Aufwand lohnt. Aber im Moment sei es für Derartiges noch viel zu früh: "Bei der Entwicklung von UT 2003 fragte man uns, ob wir Software-Rendering haben würden, wir sagten "nie und nimmer" und dann fanden wir heraus, dass es funktioniert", so Rein.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Auf die Frage nach Software-Rendering und die kommende Unreal-Engine erklärte er: "Das ist eine interessante Frage, denn Intel und AMD arbeiten an Multi-Kern-Prozessoren. Wenn man zwei Pentiums oder Athlons in einer CPU hat, könnte es möglich werden, einige der Sachen in Software zu emulieren, die wir entwickeln." Das Ergebnis wird "mies" sein und nur mit niedriger Auflösung laufen, vermutlich ähnlich wie bei alter Grafikhardware, vermutet Rein.

Auf die Frage, wie weit die Engine fortgeschritten ist, erklärte der Epic-Vize: "Sie entwickelt sich wirklich gut, viele unserer visuellen Tools laufen bereits. Wir können nun z.B. visuell scripten und man muss kein Programmierer sein. Ähnlich wie bei Shadern können nun Events und deren Auslöser zusammengeklickt und müssen nicht mehr programmiert werden. Nicht alle Scripts sind gescriptete Events, ein Script beschreibt, was getan werden muss, wie Türen zu öffnen sind, wie eine Maschine gestartet wird, wie das Wetter, das Licht verändert werden, wie ein Monster geheilt wird, wie eine Falle gestellt wird, wie eine Waffe sich verändert, wie Uniformen zu verändern sind. Alles das wird per Script geregelt."

Rein weiter: "Auch physikalische Eigenschaften werden so eingestellt, [...] das sind die Dinge, die man nun visuell im Editor verändern kann. So gut wie alles was man in UnrealScript machen kann, steht einem nun in Unreal KismEd - wie wir es nennen - offen." Durch die enge Verbindung vom Editor mit der Engine werden alle Veränderungen direkt in Echtzeit im Editor dargestellt und 3D-Szenen lassen sich per Mausklick auch direkt begehen.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
"Dies gibt den Designern mehr Macht über das Spieldesign, anstatt es den Programmieren zu überlassen. Das gleiche System haben wir zur Sound-Erstellung, [...] die Entwicklungstools sind drastisch besser als vor sechs Monaten und werden in weiteren sechs Monaten nochmal so gut sein. Wir sind in wirklich guter Form, die ersten Leute fangen bereits mit der Produktentwicklung an. Einer unserer Programmierer zeigte mir kurz vor meinem Abflug [zur Games Convention] einen auf der Unreal-3-Engine lauffähigen Mehrspieler-Shooter", so Rein.

Dabei handelte es sich aber noch um ein Spiel zum Testen der Engine. Wir haben also schon volle Spielfähigkeit, so Rein über die Unreal-3-Engine, die sogar schon auf eine der kommenden Konsolen portiert wurde. "Es wurde bisher noch nichts offiziell angekündigt, doch wir wollen zeigen, dass wir dafür vorbereitet sind", betonte Rein im Gespräch mit Golem.de.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
KismEd und Co. sollen laut Rein dem fertigen Unreal-3-Engine-Spiel beiliegen und so jedem Spieler offen stehen. Von der Spieler-Gemeinschaft erhofft sich Rein entsprechend viel, er könne es kaum mehr abwarten zu sehen, wie diese ihre eigenen Modifikationen, kurz Mods, mit den neuen Tools basteln. "Unsere Mod-Macher werden viel mehr Power mit der Unreal Engine 3 haben als mit jeder anderen - auch unseren eigenen - bisher erschienenen Engine haben. Anders als id Softwares SDK sollen auch Zwischenszenen oder Filme ('Machinima') einfach erstellt werden können, die Unreal Engine 3 sei für Derartiges die ideale Plattform", zeigte sich Rein selbstsicher.

Die Modding-Szene ist für Epic sehr wichtig, so Rein. Mit Unreal Engine 3 werde die Mod-Szene abheben, die Leute könnten damit noch mehr Spiele entwickeln, nicht nur solche, die man sich von einer Shooter-Engine erwarten würde, so Rein mit Verweis auf den gerade in der Endausscheidung befindlichen und mit Nvidia betriebenen Mod-Wettbewerb "Make something Unreal", bei dem Unreal Tournament nicht nur neue Shooter-Szenarien verpasst bekommt, sondern auch zum Marble-Madness- oder Alien-Breed-Clone sowie zum Auto-Rennspiel umfunktioniert wird. "Ihr habt die Physik-Demo gesehen - man könnte [mit Unreal Engine 3] in einem Tag ein Bowling-Spiel basteln. Oder ein Curling oder ein Hockey-Spiel.".

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Leider seien Publisher derzeit sehr ängstlich, was etwas untypische Spiele angehe. "Das Geld geht dorthin, wo die Publisher erwarten, dass es ihre Kunden ausgeben werden. Ich habe gehört, dass die Sims siebenmal eingestellt werden sollte, und es wurde 13 Millionen Mal verkauft. Man weiß jedoch nicht immer, was das Publikum spielen will, bis man es herausgebracht hat." Hier hoffen Epic und Nvidia auf Synergieeffekte nicht nur für sich selbst und ihre Produkte, sondern auch, um den PC-Spielemarkt zu stärken und innovative neue Ideen und brillante Köpfe zu finden.

Das Finden brillanter Entwickler ist auch wieder etwas Eigennutz, denn engagierte Kreative haben laut Rein gute Chancen, einen Job zu finden. "So etwas passiert sehr oft", weiß Rein. Die Macher des RedOrchestra-Mods sollen nun beispielsweise für den auf der Unreal-Engine basierenden US-Army-Shooter Americas Army entwickeln. Der Entwickler von TacOps wurde etwa von Epic selbst eingekauft.

Unreal Engine 3
Unreal Engine 3
Zwar spricht Rein nicht allen Mods ein großes Potenzial zu, betont allerdings: "Wir sind keine Entwickler, die behaupten zu wissen, was alle wünschen, doch wir geben den Leuten die Tools und wenn es populär wird, dann sind wir glücklich. Wir müssen nicht selber alle Ideen haben, wir wollen die Menschen dazu anregen, ihre eigenen Ideen zu haben."

"Für die Unreal Engine 3 wollen wir einen noch größeren Wettbewerb machen", so der Wunsch von Rein, zudem sei Make Something Unreal anfangs etwas zu chaotisch gewesen. Bei über 1.000 zu sichtenden Mod-Eingängen kein Wunder, zumal es sich um den ersten derartig großen Mod-Wettbewerb handelte, zumindest für Epic und Nvidia. Das noch nicht benannte Unreal-Engine-3-Spiel soll von Anfang an mit den von Epic selbst genutzten Editoren ausgeliefert werden. Da Epic sie selbst nutze, befürchtet Rein auch keine Verzögerungen oder Probleme dadurch. Alte Unreal-Mods sollen sich nicht in den Editor laden lassen, stattdessen sollen 3D-Daten von 3ds max und Alias eingelesen werden können. Rein würde sich aber nicht wundern, wenn nicht noch jemand ein Konvertierungs-Tool für alte Level schriebe.

Die Unreal Engine 3 und damit auch der nächste Unreal-Teil sollen 2005/2006 fertig werden, professionelle Spiele-Entwickler mit Unreal-Lizenz sollen damit eigene kommerzielle Spiele für die nächste Konsolengeneration und PCs des Jahres 2006 entwickeln können.  (ck)


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Links zum Artikel:
Epic Games (.com): http://www.epicgames.com
Unreal Developer Network (.com): http://udn.epicgames.com/
Unreal Technology (.com): http://www.unrealtechnology.com/

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