Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0408/33032.html    Veröffentlicht: 17.08.2004 18:09    Kurz-URL: https://glm.io/33032

Wirbel um Verbraucherportal Snakecity (Update)

Domain plötzlich auf Shop-Betreiber registriert

Unter Snakecity.de hat sich eine Plattform für geprellte Kunden etabliert, die versucht, mit gemeinsamen Initiativen und schwarzen Listen gegen Händler vorzugehen. Vor allem Bestellungen auf Vorkasse, auf die erst sehr spät oder auch gar keine Warenlieferung erfolgt, sind Snakecity ein Dorn im Auge. Seit Montagabend sind die Betreiber nun ihre Haupt-Domain los, die laut Denic jetzt auf den Anwalt von zwei Online-Shops angemeldet ist.

Neuer Eigentümer der Domain snakecity.de ist laut DENIC nun Andreas Opitz, einer der Anwälte von Norsk-IT Management & Consulting A/S (NorskIT). Wie es aber zu der Domain-Übertragung kam, war erst unklar und es wurden Rufe laut, dass Opitz bzw. NorskIT sich die Domain ergaunert hätten. Im Forum der Ausweich-Domain Snakecity.de gab Kai Bechmann - laut Impressum einer der beiden Verantwortlichen des ehemaligen Snakecity.de - an, dass der eigene Provider die Domain und den Webspace ohne Angabe von Gründen gekündigt habe. "Von unserer Seite wurde die Domain weder gekündigt noch ein Anlass dazu gegeben", so Bechmann, der auch darauf hinwies, dass man für die Domain-Kosten jeweils aufgekommen sei.

Im ursprünglichen Snakecity.de-Forum ist die Stimmung wegen des Wechsels des Domains-Inhabers ordentlich hochgeschlagen. Einige Beiträge schossen dabei über das Ziel weit hinaus.

Nicht ganz so prominent wie das Geschrei um Recht und Unrecht, Domain-Raub oder Versäumnis sind die aufkeimenden Fragen nach der Seriosität der ursprünglichen Snakecity.de-Betreiber. Die sollen nämlich gegenüber der DENIC falsche Identitätsangaben gemacht haben, was zur Kündigung durch den Provider beigetragen habe - Domain-Inhaber müssen erreichbar sein. Sind sie es nicht, riskieren sie den Verlust der Domain. Auch bei den Ausweichadressen ist lediglich ein Berliner Provider namens Seralux GmbH genannt, nicht jedoch die eigentlichen Verantwortlichen. Seralux taucht in Google.de immer nur in Verbindung mit Snakecity.de auf - eine Homepage findet sich nicht, was für einen Provider mehr als seltsam erscheint.

Dass nun Herr Opitz als neuer Domain-Inhaber eingetragen ist, kommentiert Bechmann wie folgt: "Inwieweit das nun reiner Zufall ist, dass man gerade den Herrn Andreas Opitz (Norskit/bug AG) für diese Domaine eingetragen hat, ist schon ein Gaunerstück vom Feinsten." Seitens eBug/NorskIT heißt es hingegen, dass man sich für die Domain normal angemeldet hatte - die DENIC verwaltet Wartelisten für belegte Domains - und unverhofft in ihren Besitz kam. Rechtliche oder unerlaubte Mittel seien nicht angewandt worden.

Der Streit zwischen Snakecity.de und dem Online-Händler kommt nicht von ungefähr: Die "ehemaligen" Snakecity-Betreiber wollen von e-Bug und NorskIT gedrängt worden sein, diese nicht länger ungerechtfertigt in der schwarzen Liste zu führen. In einem Statement auf Snakecity.de bestätigt dies der neue Domain-Herr: "Wir haben die ehemaligen Betreiber mehrfach aufgefordert, unrichtige Angaben auf deren Webseiten zu korrigieren und Userbeiträge zu löschen, die jeder Basis entbehrten."

Gegen ein Forum, in dem Kunden aufgeklärt würden, hätte man nichts, auch nichts gegen eines, in dem über unseriöse Unternehmen aufgeklärt würde, die etwa Vorauskassen-Zahlungen bzw. Waren unterschlagen, so Opitz und Co. Doch Unternehmen mit Rufmord zu bedrohen und einen "Internet-Pranger" mit "mutmaßlich unrichtigen DENIC-Einträgen" zu realisieren, sei keine dauerhafte Lösung. Geschädigte Unternehmer, die auf Snakecity.de in der Vergangenheit zu Unrecht gelistet gewesen sind, bittet Opitz, sich per E-Mail an unwahrheiten@web.de zu melden.

Für Bechmann - gerüchteweise das Alter Ego des Snakecity-"Sprechers" Frank Kalotschke - hat der Streit um die Domain gerade erst begonnen: Mit der DENIC habe man bereits Kontakt aufgenommen und den Fall geschildert. "Auch für diese Damen und Herren war das eine vollkommen neue Art des Domain-Raubes", so Bechmann. Eine Strafanzeige und Schadensersatzanforderungen gegen Bytecamp würden zurzeit vorbereitet. "Für bytecamp wird diese Vorgehensweise wohl sehr nachhaltig ausgehen", droht Bechmann. "Mit Herrn Opitz werden sich andere Leute beschäftigen. Bis dahin werden wir den Betrieb hier weiterführen und uns um die Fälle kümmern."

Die Aufregung um Snakecity.de erscheint doch übertrieben. Bevor man einer der Parteien Glauben schenkt, sollte man - wie es im Grunde immer empfehlenswert ist - beide Seiten anhören und sich in öffentlichen Foren nicht in wüste Beleidigungen oder Drohungen hineinsteigern und sich selbst so rechtlich angreifbar machen.

Nachtrag vom 17. August 2004, 18:40 Uhr:
Mittlerweile hat sich auch der Webhoster Bytecamp öffentlich wegen der Anschuldigungen seitens des ehemaligen Snakecity.de zu Wort gemeldet: Snakecity.de sei einst geschaffen worden, um schwarze Schafe unter Online-Shops anzuprangern, und für Käufer, die sich über ihre Erfahrungen mit guten und schlechten Händlern austauschen können. "Die Bytecamp GmbH unterstützte solche Plattformen schon immer, denn sie dienen dem Gedanken eines freien, kostengünstigen Internet-Austauschs für möglichst viele User." Man habe Snakecity als Hoster auch weiterhin unterstützt, als man mehr und mehr zur Zielscheibe für Klagedrohungen verärgerter Online-Shops wurde.

Eine solche Abmahnung habe man juristisch abgeschmettert. Darin sei jedoch der Hinweis zu finden gewesen, dass der Eigentümer der Domain Snakecity.de unter der angegebenen Anschrift gar nicht aufzufinden sei. "Deshalb baten wir Snakecity, die Kontaktdaten zu aktualisieren. Prompt wurde die Domain Snakecity.de auf eine US-Gesellschaft umgemeldet, administrativer Ansprechpartner war ab sofort eine Gesellschaft in Halle. So dachten wir jedenfalls", heißt es auf der Website von Bytecamp.

Schließlich seien Bytecamp weitere "Abmahndrohungen" ins Haus geflattert. Trotz abschreckend hoher Streitwerte habe man jedoch stets die Position vertreten, dass kritische Beiträge bei Snakecity.de durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt seien, so dass der Hoster keine Veranlassung zum Einschreiten sah.

"Leider stellte sich vor kurzem heraus, dass die US-Anschrift von Snakecity ebenso falsch war wie die Anschrift des aministrativen Kontakts in Halle. Deshalb baten wir Snakecity erneut, die Daten zu aktualisieren. Nichts geschah. Nun mussten wir Snakecity erstmals eine Frist setzen. Nichts geschah. Erneut riefen wir bei snakecity an, und ein äußerst kooperationsbereiter Kunde versprach uns, bis zum nächsten Morgen ein Fax mit korrekten Kontaktdaten zu schicken", so Bytecamp. Erneut sei nichts geschehen. Drei Tage und zwei Telefonate später habe Bytecamp sich gezwungen gesehen, die Domain Snakecity.de fristlos zu kündigen.

"Was auch immer ab dem Moment der fristlosen Kündigung mit der Domain Snakecity.de passierte, geschah nicht in unserer Verantwortung und hat mit der Bytecamp GmbH nichts zu tun. Wir bedauern außerordentlich, dass ein prinzipell hilfreiches, nützliches und zukunfsweisendes Forum wie Snakecity.de sich selbst um seine Zukunft gebracht hat. Wir wehren uns gegen falsche Unterstellungen, mit denen wir nichts zu tun haben. Und wir werden vergleichbare Projekte auch in Zukunft unterstützen. Sofern sie ebenso seriös gemanagt sind wie das Bytecamp", schießt der Hoster zurück in Richtung Snakecity.de.  (ck)


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Links zum Artikel:
Snakecirty.de: http://www.snakecirty.de
Snakecity.de: http://www.snakecity.de

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