Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0408/33021.html    Veröffentlicht: 17.08.2004 11:23    Kurz-URL: https://glm.io/33021

Bayern machen Carbon-Nanotubes industriell nutzbar

Forschungsverbund "FORCARBON" vermeldet Durchbruch für industrielle Verarbeitung

Der Bayerische Forschungsverbund für Werkstoffe auf der Basis von Kohlenstoff (FORCARBON) will es geschafft haben, lösliche Kohlenstoff-Nanoröhren entwickelt zu haben. Die auch als Carbon-Nanotubes (CNT) bezeichneten ultradünnen Nanoröhren aus Kohlenstoff sollen damit industriell eingesetzt werden können.

Wissenschaftler und Industrie sehen in den Kohlenstoff-Nanoröhren ein hohes wirtschaftliches Potenzial für die Mikroelektronik und den Leichtbau. In den winzigen Röhrchen sind die Kohlenstoffatome so regelmäßig wie in einem gewickelten Maschendrahtzaun angeordnet. Das größte Problem für die industrielle Verarbeitung war jedoch bisher die mangelnde Löslichkeit in gängigen Lösungsmitteln.

Den Chemikern und Physikern in FORCARBON soll nun der entscheidende Durchbruch gelungen sein: Sie modifizierten die Außenwand der glatten Röhrchen chemisch und erreichten damit die gewünschte Löslichkeit, wie aus einer FORCARBON-Pressemitteilung zu entnehmen ist. Damit stehe der Weiterverarbeitung der Nanoröhren, beispielsweise zu hochfesten und leitfähigen, mit CNT verstärkten Kunststoffen nicht mehr viel im Weg. Auf der Fachmesse Materialica in München stellt FORCARBON vom 21. bis 23. September 2004 die neue Technik vor.

FORCARBON widmet sich auch anderen Kohlenstoffmodifikationen. Die Forscher stellen Diamant und diamantartige Schichten zum Verschleißschutz von Bauteilen bei extremen tribologischen Belastungen her und erzeugen neue, einkristalline Diamantfenster und Diamantverbundwerkstoffe. Aus den FORCARBON-Labors stammen auch hochporöse Werkstoffe aus Graphit, die beispielsweise zur Wärmedämmung bei extrem hohen Temperaturen eingesetzt werden.

Zum interdisziplinärem Forschungsverbund FORCARBON zählen die Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Universitäten Regensburg, Würzburg und Bayreuth und das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC) in Würzburg. Die Bayerische Forschungsstiftung fördert FORCARBON seit 2003 mit insgesamt 2,5 Millionen Euro. Die 25 beteiligten, meist bayerischen Industrieunternehmen bringen ebenfalls 2,5 Millionen Euro auf und setzen die Grundlagenforschung in die industrielle Anwendung um.  (ck)


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Links zum Artikel:
FORCARBON: http://www.abayfor.de/forcarbon

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