Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0408/32856.html    Veröffentlicht: 09.08.2004 11:40    Kurz-URL: https://glm.io/32856

Spieletest: Doom 3 - Schaurig schön & schrecklich eintönig?

Die neue Shooter-Referenz im Test

Endlich ist es so weit: Nach monatelangen Diskussionen über die Leistungsfähigkeit der Doom-3-Engine, die für den Shooter benötigte Hardware und die Frage, ob es id-Software wieder allen anderen zeigen kann, ist das Spiel tatsächlich fertig gestellt - und anhand der US-Version haben wir uns davon überzeugt, ob der Titel die immens hohen Erwartungen auch wirklich erfüllen kann.

Die Erwartungen an Doom 3 waren wirklich mehr als außergewöhnlich - schließlich haben wir es hier mit dem Spiel zu tun, das Activision die Jahresbilanz aufpolieren wird, unzählige zum Aufrüsten ihres betagten PCs bewegt und sogar dafür sorgt, dass ansonsten wenig am Gaming interessierte PC-Nutzer auf einmal zu absoluten Shooter-Fans werden. Um es gleich vorwegzunehmen: So ganz kann id nicht das halten, was sich wohl die meisten von Doom 3 versprochen haben - auch wenn man es hier stellenweise mit der neuen Action-Referenz zu tun hat.

Screenshot #1
Screenshot #1
Zur Story wurde bereits im Vorfeld vieles verraten, so dass die ersten Spielminuten wenig Überraschung bieten: Als Marine wird man in Forschungsanlagen auf den Mars versetzt und soll dort seltsame Vorgänge überprüfen - in letzter Zeit ist es immer häufiger vorgekommen, dass Mitarbeiter auf mysteriöse Art und Weise verschwunden sind. Schon bald klärt sich, was der Grund für die Störfälle ist: Der zwielichtige Dr. Betruger hat einige, alles andere als ungefährliche Experimente durchgeführt - und kaum hat man die ersten Gänge passiert und sich bei der Mars-Leitung vorgestellt, geraten diese Experimente auch schon außer Kontrolle. Eine teuflische Brut bricht los, bevölkert die gesamte Forschungsstation und ist darüber hinaus auch noch in der Lage, sich den Großteil des Personals sofort einzuverleiben - aus dem eben noch lächelnden Wachmann nebenan wird urplötzlich ein unberechenbarer Zombie.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Einstiegssequenz erinnert ein wenig an Half-Life und dient zudem auch gleich noch als Mini-Tutorial - einen Trainingslevel gibt es nicht, stattdessen startet man sofort in die Geschichte. Wirklich viel zu erlernen gibt es allerdings auch nicht - wie bei früheren id-Spielen sind schnelle Reaktionen wichtiger als das Auswendiglernen von Tastenkürzeln. Wer die grundsätzliche Shooter-Steuerung beherrscht, besitzt bereits das nötige Rüstzeug für Doom 3.

Screenshot #3
Screenshot #3
Neu ist allerdings, dass man nun mit einem PDA unterwegs ist, auf dem sich E-Mails lesen lassen, wichtige Informationen abgespeichert werden und Videos betrachtet werden können. So erfährt man zahlreiche Hintergrundinfos und ist zudem in der Lage, auch Datenabgleiche mit den PDAs anderer Soldaten zu machen. Dadurch gelangt man dann etwa auch an zahlreiche Schlüssel-Codes, die man benötigt, um Zutritt zu neuen Arealen zu erhalten. Zu Beginn ist der Zugriff auf den PDA (per Tabulator-Taste) auch noch recht witzig und interessant, auf Dauer fängt das Ganze allerdings ein wenig an zu nerven - zumal man in den Info-Videos nicht vor- oder zurückspulen kann und oft wirklich aufpassen muss, um sämtliche relevanten Informationen auch mitzubekommen.

Screenshot #4
Screenshot #4
Im Mittelpunkt steht aber natürlich wie gewohnt die Action, und bereits etwa 20 Minuten nach Spielstart darf man Bekanntschaft mit Unmengen von Zombies und Monstern machen. Zu Beginn ist man nur mit einer kleinen Pistole bewaffnet, etwas später findet man aber bereits eine Schrotflinte und kann so auch größere Gegner besser aus dem Weg räumen. Schwereres Geschütz wie Plasmagun, Chaingun und BFG folgen im weiteren Spielverlauf.

Screenshot #5
Screenshot #5
Essenzieller Ausrüstungsgegenstand ist neben den Feuerwaffen aber vor allem die Taschenlampe - unzählige dunkle Ecken leuchtet man besser zunächst aus, bevor man sie betritt und nichts ahnend der Monsterbrut in die Fänge läuft. Kleine Gemeinheit der Entwickler: Als Spieler kann man immer nur die Taschenlampe ODER eine Waffe auswählen - an vielen Stellen ist es wirklich recht knifflig, ob man lieber mit der Waffe im Anschlag um die Ecke schielt oder sich zunächst mit einem Lichtkegel die nötige Übersicht verschafft. Wem dies nicht gefällt, der kann sich mittels Duct Tape Mod von Glen Murphy behelfen: Dieser versieht Waffen nachträglich mit einer Taschenlampe, die einen kleineren, leuchtstarken Lichtkegel bietet und somit auch der Doom-3-Atmosphäre nicht schadet.

Medi-Kits, Panzerung und Ersatzmunition liegen wie gewohnt in den Leveln verstreut, zudem gibt es zahlreiche Geheimbereiche, so dass sich ein gründliches Absuchen der Räume empfiehlt, um beständig gut ausgestattet zu sein. In brenzligen Situationen kann natürlich wie gewohnt auch auf die jederzeit verfügbare Speicherfunktion zurückgegriffen werden.

Screenshot #6
Screenshot #6
In puncto Spannung hat id mit Doom 3 ganze Arbeit geleistet - in den ersten Spielstunden werden auch hart gesottene Spieler den einen oder anderen wirklichen Schockmoment erleben. Wenn Monster plötzlich durch Wände brechen, aus der Dunkelheit unerwartet auf einen zuspringen oder sich in Verschlägen verstecken, hat man wirklich Probleme, die Maus ruhig zu halten - für schwache Nerven ist das nichts. Es empfiehlt sich, Doom 3 vor allem abends in kompletter Dunkelheit zu spielen - dann entfaltet die Gruselstimmung natürlich ihre beste Wirkung.

Screenshot #7
Screenshot #7
Allerdings muss auch gesagt werden, dass sich die Schockmomente abnutzen - schon bald ist man daran gewöhnt, dass einem ein Monster ins Gesicht springt, sobald eine neue Tür geöffnet wird. Überhaupt ist vieles vorhersehbar - in zahlreichen Räumen weiß man genau, dass die Gegner auf einen lospreschen, sobald man einen bestimmten Wegpunkt überschritten hat.

Screenshot #8
Screenshot #8
Der Schwierigkeitsgrad lässt sich in vier Stufen vorab auswählen, ist generell aber nicht ganz ohne - was allerdings nicht an der KI der Gegner liegt. Die ist nämlich mehr als enttäuschend, nur selten nutzen die Kontrahenten Verstecke, meist stürzen sie sich einfach blind auf den Spieler. Dafür hat man es allerdings mit ganzen Horden von Feinden zu tun, und wenn gleich eine ganze Gruppe von Feuerball werfenden Imps auf einen zurennt und nebenbei noch eine Hand voll Zombies sie begleitet, sind Schweißausbrüche programmiert.

Neben der kaum vorhandenen KI drückt zudem noch ein weiterer Punkt kräftig auf den Spielspaß - das über weite Strecken leider recht einfallslose Level-Design. Die ersten Stunden ist es noch recht spannend, durch die finsteren Gänge der Forschungsstation zu schleichen, bald aber gehen einem die immer gleichen Areale auf die Nerven. Besserung folgt erst in der zweiten Hälfte des Spieles, wenn man den Abstieg in die Hölle wagt und dafür mit rot wabernden Lava-Landschaften belohnt wird, oder aber, wenn ein kleiner Ausflug auf die Marsoberfläche satte Braun- anstatt Grautöne auf den Screen zaubert.

Screenshot #9
Screenshot #9
Auch wenn weite Strecken des Spiels in Dunkelheit gehüllt sind und vor allem die Forschungsstation prinzipiell nur mit zahlreichen Grautönen aufwartet, ist die Grafik von Doom 3 genau das, was man sich erhofft hatte: nämlich ein absoluter Augenschmaus. Neben den brillant aufgelösten Texturen, den geschmeidigen Animationen und der detaillierten Charakter-Modellierung sind es vor allem die fantastischen Licht- und Schatteneffekte, die für offene Münder sorgen - wenn ankommende Monster riesige Schatten an die Wand werfen, Glasscheiben für realistische Lichtbrechung sorgen und Warnlampen die Areale immer wieder in wechselndes Licht tauchen, sorgt das für eine unvergleichliche Atmosphäre. Auch die Akustik ist gelungen, die englischen Sprecher wurden gut gewählt und die zahlreichen mysteriösen und unheimlichen Geräusche jagen einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Screenshot #10
Screenshot #10
Doom 3 wartet zwar auch mit Mehrspieler-Optionen auf, allerdings sind die eher rudimentär - viel mehr als ein paar Deathmatch-Möglichkeiten bekommt man nicht geboten, letztendlich richtet sich der Titel ganz klar an Solo-Spieler - und zwar an Solo-Spieler mit guter Hardware: Zwar lassen sich Auflösung und Grafik-Qualität mehrstufig herunterregeln, wer den Shooter in voller Pracht genießen will, sollte aber zumindest mit einem Pentium 4 oder gleichwertigem Prozessor, wenigstens 512 MByte RAM (besser 1 GByte) und Radeon 9800 bzw. GeForce 5900 aufwarten. Detaillierte Angaben zu den Hardware-Anforderungen gibt der Hardware-Guide von HardOCP.

Screenshot #11
Screenshot #11
Doom 3 ist in Deutschland voraussichtlich ab dem 12. August 2004 im Handel erhältlich. Abgesehen von einer deutschen Anleitung ist die hiesige Version komplett identisch mit der US-Fassung - also nicht geschnitten. Der Titel hat von der USK eine Freigabe ab 18 Jahren erhalten.

Fazit:
Doom 3 ist einerseits genau die Offenbarung geworden, die man sich erhofft hatte - und andererseits eben auch nicht. Das stellenweise etwas müde Level-Design und die miese KI enttäuschen etwas, da hätte man id deutlich mehr zugetraut. Andererseits ist die Präsentation ein wirkliches Highlight, und selten zuvor konnte man sich bei einem Action-Spiel so schön gruseln wie hier - Schockmomente produziert Doom 3 wie am Fließband. Unterm Strich bleibt also ein grandioser Shooter, der das Genre zwar nicht neu definiert, aber für gut 20 Stunden wohliges Gruseln erzeugt - und seinen Kaufpreis somit mehr als wert ist.  (tw)


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Links zum Artikel:
Activision: http://www.activision.de/
Doom 3 - Offizielle Homepage des Shooters (.com): http://www.doom3.com
id Software (.com): http://www.idsoftware.com/

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