Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0408/32705.html    Veröffentlicht: 03.08.2004 15:37    Kurz-URL: https://glm.io/32705

Spieletest: D-Day: Echtzeit-Strategiespiel zum 60. Jahrestag

Invasion in der Normandie und die Wochen danach

Die Kette von Echtzeit-Strategiespielen, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen, reißt nicht ab: D-Day spielt - wie der Name vermuten lässt - in der Normandie und Nordfrankreich und simuliert die Kämpfe zwischen den Allierten Einheiten und den Deutschen Truppen während und kurz nach der Invasion.

Das Spiel von Monte Cristo bietet eine Rundum-Sicht auf das dreidimensionale Geschehen, wie es mittlerweile seit "Codename Panzers" und "Soldiers - Heroes of World War II" üblich ist. In D-Day, das aus mehreren Missionen während und nach der Invasion besteht, gibt es vor jeder Mission erst einmal mehrere Seiten lang historischen Fakten zum Kampfgeschehen und manchmal auch kurze Interviews aus der Gegenwart mit Teilnehmern der Schlachten und Zivilisten.

Screenshot #1
Screenshot #1
Das Spiel erlaubt nur, die alliierte Seite zu übernehmen, während man beim Vorgänger - "Deutsches Afrika-Korps vs. Desert Rats" - auch die deutsche Seite übernehmen durfte. Ein in einem Einsatz erreichtes Einsatzziel kann den Ausgang des nächsten Einsatzes beeinflussen. Im Szenario-Modus können sämtliche Einsätze mit selbst aussuchbaren Einheiten dann noch einmal durchgespielt werden.

Das Spiel erlaubt die einzelne oder Gruppen-Steuerung der Einheiten sowie die Nutzung der unterschiedlichen Fahrzeuge und Geschütze, und natürlich gibt es auch hier zahlreiche Kommandos, die per Menü oder Tastenkürzel die Einheiten zu einem bestimmten Verhalten bewegen kann. Hier gibt es neben üblicher Bewegungs-, Gruppierungs- und Angriffsbefehlen auch Möglichkeiten, die Bewegungsgeschwindigkeit und -art festzulegen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Insgesamt gibt es mehr als 60 verschiedene Einheiten, darunter neun spezialisierten Soldatentypen: Offizier, Gewehrschütze, Pfadfinder, Maschinengewehrschütze, Scharfschütze, Sanitäter, Pionier und Flammenwerfer sowie Panzerschreck & Bazooka. Dazu kommen sieben Fahrzeugkategorien: Aufklärung, Panzer, Artillerie, Panzerabwehr-Artillerie, Luftabwehr-Artillerie, Transport und Luftunterstützung. Außerdem dürfen die Spieler Widerstandseinheiten als Aufklärer verwenden, können diese Einheiten jedoch selbst nicht steuern.

Brücken können zerstört und Flächen-Bombardements durchgeführt werden. Eine Anzeige über den Fahrzeugen zeigt die Nachladezeit der Kanone an. Außerdem kann man seinen Männern Verschanzungsanweisungen geben und diverse Angriffsoptionen wie den Vorgehen gegen Geschütze, Panzer und Minenfelder zu befehligen. Zudem kann gegnerisches Gerät genutzet sowie Häuser und Landschaftserhebungen und die Vegetation als Deckung verwendet werden.

Screenshot #3
Screenshot #3
Genretypisch ist es auch hier möglich, die Fähigkeiten der eigenen Einheiten trainieren, sofern sie sich im Kampf bewähren. Überlebende Einheiten erhalten bessere Werte, die aber nur für die jeweils aktuelle Mission gelten. Fahrzeuge lassen sich mit speziellen Fahrzeugen und Reparaturwerkstätten wieder in Stand setzen - und verwundete Soldaten können wieder aufgepäppelt werden.

Um die eigene Armee zu stärken, sollten abgeschossenen Panzer und Geschütze der Gegner repariert und weiter verwendet werden. Für Munition und Treibstoff muss man hingegen nicht sorgen - der Verbrauch wird schlichtweg nicht simuliert

Helden gibt es in D-Day nicht mehr. Es gibt zwar Kommandeure, die den anwesenden restlichen Einheiten mehr Kampfkraft verleihen, aber das nervige Aufpassen auf den Anführer, wie man es noch von DAK vs. Desert Rats kannte, ist hier abgeschafft worden.

Screenshot #4
Screenshot #4
Der Luftunterstützung wird immer noch recht wenig Gewicht beigemessen - obwohl sie für die allierte Seite bei der Invasion und den Wochen danach von entscheidender Bedeutung war. Es gibt Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Luftlandetruppen richten sie allesamt wenig Schaden an oder haben keine größere strategische Bedeutung.

Die 3D-Grafik wurde seit DAK vs. Desert Rats nicht groß geändert: Man kann sehr nahe an die Einheiten heranzoomen und ist von dem Detailreichtum und den Animationen doch angenehm überrascht. Wie immer ist jedoch die grobe Übersicht im Spiel doch sinnvoller. Unterstützung gibt es dabei von der Mini-Map, die stets auch die Blickrichtung angibt. Die Karten sind allesamt recht groß und die Ziele und gegnerischen Stellungen weit verstreut, so dass die eigenen Flanken immer gut Flanken abgesichern sein sollten - denn der Gegner greift gern auch mit Umgehungsangriffen an.

Screenshot #5
Screenshot #5
Die Wegfindung der eigenen Einheiten ist mittlerweile doch sehr gut geworden - umherstehende Soldaten auf weiter Flur gibt es eigentlich nicht mehr. Allerdings hat man immer noch nicht eine vernünftige Gegnerintelligenz implementiert - gemeint ist Vernunft im Bezug auf taktisches Vorgehen. So bleiben die Gegner immer noch bis zur vollständigen Zerstörung in ihren Stellungen und ziehen sich nicht zur Neuformierung zurück. Auch scheint der Gegner keinerlei Gefechtsfeldaufklärung zu betreiben, denn man erwischt ihn fast immer unvorbereitet an, wenn einmal nicht nach der scheinbar logischen Reihenfolge vorgegangen wird.

Beim Sound gibt es gute Durchschnittskost - mehr als Motor- und Schussgeräusche und hin und wieder einen Ausspruch der Soldaten ist kaum zu hören. Die Musikuntermalung lässt sich, wie auch alles andere, was aus dem Lautsprecher dringt, separat herunterregeln.

Screenshot #6
Screenshot #6
Neben dem Kampagnen- und Einzelspielmodus gibt es in D-Day eine Mehrspieleroption, mit der sich menschliche Gegnern messen können. Darüber hinaus gibt es einen Karten-Editor mit dem sich eigene Mehrspieler-Karten bauen lassen.

Screenshot #7
Screenshot #7
Das Spiel hat eine USK-16-Freigabe und benötigt mindestens einen Pentium-III-Prozessor mit 600 MHz. Für ein flüssiges Spielen bei hohen Auflösungen sollten es aber ein Rechner der Pentium-4-Leistungsklasse mit 1,5 GHz und eine schnelle Grafikkarte mit mindestens 64 MByte RAM sein.

Fazit:

Mit D-Day ist den Entwicklern ein kurzweiliges Echtzeit-Strategiespiel gelungen, das durch einstellbare Schwierigkeitsgrade auch für geübte Spieler schwer knackbare Aufgaben aufstellt. Die gegenüber dem Vorgänger verbesserte Einheitensteuerung und -Wegfindung trägt deutlich zum Spielspass bei - die schwache KI ist allerdings immer noch verbesserungswürdig. Durch die historischen Hintergrundinformationen wird zudem der Spieler näher mit seiner Aufgabe vertraut und motiviert.  (ad)


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Links zum Artikel:
D-Day Game (.com): http://www.dday-game.com/

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