Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0407/32506.html    Veröffentlicht: 22.07.2004 11:47    Kurz-URL: https://glm.io/32506

Test: Sony X505 - neues Subnotebook der Extraklasse

Vaio VGN-X505VP mit weltdünnstem Gehäuse, Passivkühlung und einigen Schwächen

Das bereits im Dezember vergangenen Jahres in Japan erschienene Subnotebook Vaio VGN-X505VP ist seit Anfang Juli 2004 auch in Deutschland erhältlich. Mit dem 1998 vorgestellten, überaus erfolgreichen Vorgänger PCG-V505 konnte Sony damals zeigen, wie man ein Notebook auf Flachheit trimmt. Nun stellen die Japaner erneut unter Beweis, was in Sachen Miniaturisierung derzeit möglich ist und liefern mit dem X505 ein Gerät, welches nicht nur durch schicke äußere Werte glänzt, sondern auch mit dem überzeugt, was unter der Haube steckt.

Sony X505
Sony X505
Das Sony X505 kommt in einem edlen, aber auf Schlichtheit ausgelegten Designgehäuse daher. Um sowohl die Stabilität zu gewährleisten als auch die Kriterien für ein möglichst leichtes Chassis einhalten zu können, wurden ausschließlich Leichtmetalle verwendet. Die äußere Verkleidung des zugeklappten Subnotebooks besteht aus nickelverstärktem Karbon; im geöffneten Zustand kommt eine Magnesiumlegierung zum Vorschein. Wer auf Nickel allergisch reagiert, muss sich aber keine Sorgen machen: Sämtliches Nickel befindet sich auf der den elektronischen Bauteilen zugewandten Innenseite des Gehäuses.

Das Konzept geht auf: Trotz einer Materialstärke von lediglich 0,8 mm ist das Gehäuse solide verarbeitet und macht einen robusten Eindruck. An seiner dicksten Stelle ist das Gerät rund 2 cm hoch, zum unteren Ende hin verjüngt es sich auf 0,97 cm. Die Grundfläche beträgt ca. 25,8 x 20,7 cm und nimmt somit weniger Platz als eine DIN-A4-Seite ein. Inklusive Akku bringt das Notebook rund 850 Gramm auf die Waagschale.

geschlossen
geschlossen
Der Displaydeckel kommt ohne Verschluss aus und schließt bündig mit dem Rest des Computers ab. Im geschlossenen Zustand bildet der Displaydeckel zusammen mit dem unteren Teil des Gehäuses an dessen Unterkante eine sehr enge, V-förmige Rille, die über die gesamte Breite verläuft. Um das Gerät zu öffnen, muss man seine Finger da hinein friemeln und so versuchen, den Displaydeckel anzuheben und gleichzeitig das Notebook festzuhalten, was alles andere als eine leichte Übung ist. Dies hat zur Folge, dass sich das Notebook, wenn es plan auf dem Tisch liegt, nur ziemlich umständlich öffnen lässt. Ist es erst einmal offen, offenbart sich einem ein 10,4-Zoll-TFT und eine ungewöhnlich positionierte Tastatur.

Trackstick
Trackstick
Im Unterschied zu konventionellen Notebooks wurde die Tastatur direkt ans untere Ende des Gehäuses verlegt, an dem sonst meist ein Touchpad residiert. Zur Maussteuerung setzt Sony auf einen in die Tastatur integrierten Trackstick, der weniger Platz als ein Touchpad benötigt. Entsprechende Maustasten sind leicht abgestuft unterhalb der Tastatur zu finden und gut erreichbar. Zu den zwei Maustasten gesellt sich als pfiffige Idee eine dritte, die in Kombination mit dem Trackstick die Scrollrad-Funktion normaler Mäuse übernimmt. Da die Tastatur direkt den unteren Gehäuserand erreicht, macht die Texteingabe nur Vergnügen, wenn ein passender Tisch oder eine adäquate Ablagefläche vorhanden ist, was dann als Handballenauflage dient.

Wenn das Subnotebook hingegen für Texteingaben aus Ermangelung einer geeigneten Unterlage auf dem Schoß drappiert werden muss, entartet das Tippen schnell zu einer Tortur, zumal das Gerät aufgrund des geringen Gewichts und dem hinten liegenden Schwerpunkt ständig nach hinten wegkippt. Wer also viel ohne rettenden Tisch auskommen muss, sollte eher die Finger vom X505 lassen.

Hochkant
Hochkant
Sony integrierte eine für Subnotebook-Verhältnisse gute Tastatur mit ausgeprägtem Druckpunkt, aber schwachem Tastenhub in eine nur 0,5 cm dünne Gehäusehälfte. Gegenüber einer Standardtastatur wurden alle Tasten um etwa einen Millimeter verkleinert, manche Funktions- und Sonderzeichen sind sogar noch stärker geschrumpft worden. Deutlich übertrieben hat es Sony bei der Tastenverkleinerung mit der Leertaste, die arg schmal ausgefallen ist. Immerhin sorgt der großzügige Tastenabstand dafür, dass man nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gut mit Tastatur und Trackstick zurechtkommt.

Direkt über der Tastatur wurde das Herzstück des Subnotebooks verbaut, wobei Sony besonders stolz darauf ist, dass nach eigenen Angaben erstmalig ein komplettes, 10-schichtiges Mainboard samt Prozessor auf die Fläche von 49 qcm gequetscht wurde. Bei der CPU handelt es sich um eine dynamisch getaktete ULV-Version des Pentium M mit 1,1 GHz, der noch einen Banias-Kern besitzt. Als Hauptspeicher kommen nicht erweiterbare 512 MByte DDR-RAM zum Einsatz.

Sony hat eine eigene Energiemanagement-Software vorinstalliert, um darüber voneinander abhängige Faktoren wie Leistung, Hitzeentwicklung und Stromverbrauch jeweils für Akku- und Netzbetrieb separat festzulegen. In der automatischen Einstellung soll das Gerät selbst für die jeweils beste Mischung sorgen.

WLAN-PCMCIA-Card
WLAN-PCMCIA-Card
Die Hitze, die der Prozessor während des Betriebes entwickelt, wird über eine Konstruktion aus Graphit an die Oberseite abgegeben, so dass auf einen lärmenden Prozessorlüfter verzichtet wurde. Während des Betriebes hört man so nur noch das hochfrequente Surren der 1,8-Zoll-Festplatte (20 GByte) von Toshiba. Da die Temperatur über dem Mainboard vor allem im Performance-Modus überaus hoch werden kann, sollte man Sonys Weisung Folge leisten, an jener Stelle in keinem Fall Gegenstände abzulegen bzw. das Gerät zuzuklappen. Macht man Letzteres doch, so wechselt das Gerät standardmäßig in den Standbymodus. Als angenehmer Nebeneffekt erwärmt sich dafür die Unterseite des Rechners nur etwas mehr als handwarm.

Die kompakte und hochintegrierte Bauweise fordert an anderer Stelle ihren Tribut: Leider haben nur 2 USB-2.0-Ports sowie ein PCMCIA-Steckplatz (Typ I und II, CardBus) Platz gefunden; der 4-Pin-Firewire400-Port nebst separatem DC-Out dürfte die meiste Zeit vom beigelegten DVD±RW-Laufwerk (PCGA-DDRW2) in Anspruch genommen werden. Auch die WLAN-Funktion nach 802.11b/g muss über eine (mitgelieferte) PC-Card nachgerüstet werden, so dass der PCMCIA-Steckplatz bei WLAN-Nutzung ständig belegt ist.

Anschlüsse
Anschlüsse
Immerhin kann der PCMCIA-Schacht dann nicht so schnell verschmutzen, denn Sony verzichtete leider auf eine Schutzklappe und legt stattdessen nur einen Karten-Dummy bei, welchen man nur allzu schnell verliert oder vergisst. Auf eine Bluetooth-Funktion hat Sony ganz verzichtet, auch eine Infrarotschnittstelle sucht man vergebens.

Für Speicherkarten legt Sony einen PCMCIA-Adapter bei, der neben Sonys eigenem Memory Stick Pro auch die Formate SD-Card, MMC und SmartMedia akzeptiert. VGA-Out nebst 10/100-MBit-RJ-45 lagert Sony auf ein Dongle aus, das an einen proprietären Anschluss am Gerät gesteckt wird. Die Bildqualität des VGA-Ausgangs ist recht gut, bei 1.280 x 1.024 Pixeln fallen allerdings Unschärfen auf. Wer mehr als nur Systemklänge über den schmalbrüstigen Lautsprecher unter der Tastatur anhören möchte, findet an der rechten Gehäuseseite einen 3,5-mm-Kopfhörerausgang für satten Stereosound mit hohem Rauschabstand. Zu hohe Einstellungen der treiberseitigen Bass-Verstärkung führen jedoch dazu, dass alle anderen Frequenzen etwas verschluckt werden.

Sony X505
Sony X505
Mit 1.024 x 768 Pixeln bietet das gleichmäßig ausgeleuchtete Display im Vergleich zu seiner Größe von 10,4 Zoll eine hohe Auflösung. Qualitativ liegt die Bildqualität etwas über dem Notebookdurchschnitt; an die Brillianz und Schärfe von Sony-eigenen Geräten mit "X-black"-Technik reicht es nicht heran - dafür spiegelt das Display aber auch kaum, ein Pferdefuß der X-black-Modelle. Die Helligkeitsreserven sind für ein Arbeiten im Freien unter direktem Sonnenlicht nicht mehr ausreichend; außerdem stört der im vertikalen Bereich sehr eingeschränkte Blickwinkel.

Der Akku hält mit aktiviertem WLAN etwa zwei Stunden durch. Ohne WLAN, dafür mit optischem Laufwerk, ist es möglich, einen 1,5-stündigen DVD-Film zu Ende zu sehen, ohne das Netzteil bemühen zu müssen. Auch ohne WLAN-Funktion oder andere Peripheriegeräte macht der Akku schon nach knapp 2,5 Stunden schlapp, so dass mobile Nutzer ohne Steckdose nicht sonderlich lange arbeiten können - ein Tribut an das angenehm geringe Gewicht. Der Lithium-Ionen-Akku mit der Kapazität von nominell 2000 mAh sitzt unter dem Display zwischen den beiden Display-Scharnieren.

Sony X505
Sony X505
Die Geschwindigkeit des Geräts genügt erwartungsgemäß für Büroanwendungen und das Betrachten von DivX-Filmen. Eine Videoverarbeitung möchte man jedoch nicht starten, denn die Festplatte ist mit 4.200 Umdrehungen einfach zu langsam. Das gleiche gilt für Spiele: Der integrierte Intel 855GM-Chipsatz (DirectX-7-basiert) vermag es nicht, aktuelle Titel ausreichend flüssig darzustellen.

Sony hat wie immer ein dickes Softwarepaket geschnürt, welches neben MS Works, Adobe Photoshop Elements mit Photoshop Album, Adobe Premiere LE auch Sicherheits-Software von Symantec umfasst. Ferner bekommt man diverse Programme für die CD/DVD-Erstellung und - Betrachtung sowie Sony-eigene Kreationen. Manche dieser Programme sind vorinstalliert, andere befinden sich auf der mitgelieferten Recovery-CD. Als Betriebssystem kommt Windows XP Professional mit Service Pack 1a zum Einsatz.

Sony X505
Sony X505
In zwei dem Gerät beiliegenden gepolsterten Nylontaschen passt das Subnotebook mit einigem Zubehör, leider gehören weder das DVD-Laufwerk noch das Netzteil dazu, beide müssen separat transportiert werden. Darüber hinaus legt Sony noch ein Reinigungstuch und zwei Ersatz-Trackstick-Aufsätze bei. Auf ein gedrucktes Handbuch wurde bedauerlicherweise ganz verzichtet, so dass nur die PDF-Dokumentation bleibt. Bei der europäischen Version findet sich keine Maus im Karton, dafür aber der DVD-Brenner, was diesen Umstand mehr als aufwiegt.

Fazit:
Wer mit den oben beschriebenen Mängeln leben kann, findet mit dem Sony Vaio VGN-X505VP ein exquisites Hightech-Subnotebook, welches in dieser Form bisher einzigartig ist. Kein Hersteller bietet ein so leichtes und dünnes Notebook, das noch dazu mit einer verhältnismäßig hohen Leistung auftrumpfen kann und passiv gekühlt wird. Der potenzielle Kunde muss abwägen; wenn er auf maximale Portabilität statt auf Performance und Ausstattung setzt, so ist er hier richtig aufgehoben. Das wertig wirkende Äußere tut sein Übriges, über den Preis von 2.999,- Euro hinwegzutrösten. Auf der anderen Seite stören jedoch die geringe Akkulaufzeit und die Tatsache, dass eine geeignete Unterlage für das Gerät eigentlich zwingend vorhanden sein muss. Wer beispielsweise auf einer Geschäftsreise im Zug ohne Steckdose in der Nähe nur auf seinen Schoß angewiesen ist, könnte den Spaß am Gerät schnell verlieren.  (ck)


Verwandte Artikel:
X505 - Sony zeigt ultraflaches Notebook   
(23.03.2004, https://glm.io/30466 )
Akoya E3126: Medion packt 13-Zoll-Touchscreen in 350-Euro-Convertible   
(18.09.2017, https://glm.io/130113 )
Toshiba Portégé X30-E: Business-Notebooks bekommen neue CPUs und doppelten RAM   
(02.03.2018, https://glm.io/133102 )
Matebook X Pro im Hands on: Huaweis Notebook kommt mit Nvidia-Grafikkarte   
(25.02.2018, https://glm.io/132978 )
Notebook und Tablets: Huawei stellt neues Matebook und Mediapads vor   
(25.02.2018, https://glm.io/132970 )

Links zum Artikel:
Sony: http://www.sony.de

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/